US-Vorwahlen

Wir waren dabei: Die Schweiz-Amerikaner versammeln sich in Genf – und zittern vor Trump

In der Schweiz lebende Amerikaner versammelten sich in Genf, um beim ersten von zwei Wahlhappenings ihre Stimme abzugeben. Dabei zeigte sich vor allem eines: Mit seinen homophoben, ausländerfeindlichen und nicht selten frauenverachtenden Äusserungen ist Donald Trump eine Reizfigur.

Anne-Shelton Aaron ist nervös. Es ist Super-Tuesday und in Amerika gehen die Vorwahlen in die entscheidende Phase. Wie viele ihrer Landsleute finden an diesem Abend ins Hotel Warwick beim Genfer Bahnhof? Anne hat den Salon Mont Blanc gemietet und ihn mit 40 Freiwilligen nach der eigenwilligen, amerikanischen Art dekoriert: Rote, blaue und weisse Ballone zieren den Raum mit den golden schimmernden Tapeten. Viel Stoff, viel Plüsch, dicke Luft. Der schwere Teppich erinnert an ein Tigerfell.

Schachtelweise Merchandise-Artikel, T-Shirts und Anstecker, warten darauf, von den Wählern gekauft zu werden. Die Info- und Registrationsdesks stehen bereits. In der anderen Ecke des Raums und im Schutz aufgestellter Sichtwände die Urne: «Zwischen ihr und dem Kandidaten-Material müssen mindestens zehn Meter liegen», erklärt Anne.

Vorwahl auch in Zürich

In Genf ist alles bereit für das erste von zwei Vorwahl-Happenings der Demokraten in der Schweiz. Am Samstag steigen die «Primaries», wie solche Vorwahlen heissen, in Zürich. Die ersten Wähler trudeln ein. Sie duzen sich. Sie kennen sich.

Anne ist Präsidentin des Schweizer Ablegers der weltweit aktiven «Democrats abroad», den Ausland-Demokraten also. Im Genfer Warwick Hotel können an diesem Feierabend registrierte Mitglieder oder Sympathisanten ihre Stimmen abgeben. Es geht um die parteiinterne Ausmarchung und darum, wen die demokratische Partei im Herbst ins Rennen um das Weisse Haus schickt. Vor einer Handvoll Zuhörer sezieren zwei New Yorker den sich immer mehr zum Spitzenkandidaten der Republikaner mausernden Donald Trump, der wie sie aus New York stammt.

Der "Super Tuesday" hat Hillary Clinton wichtige Siege eingebracht. Doch der Wahlkampf geht weiter: Konkurrent Bernie Sanders kündigte an, seine Kampagne nicht zu beenden.

Der "Super Tuesday" hat Hillary Clinton wichtige Siege eingebracht. Doch der Wahlkampf geht weiter: Konkurrent Bernie Sanders kündigte an, seine Kampagne nicht zu beenden.

Wir reihen uns mit Chris, einem Kalifornier, ein. Am Desk angelangt erhält er gegen den vorgehaltenen Ausweis einen Wahlzettel, mit dem er in den Wahlbereich geschickt wird. Chris muss Wohnadresse und Telefonnummer angeben. Auch die letzte Wohnadresse in den USA darf nicht fehlen. Sie ist wichtig, weil Ausland-Amerikaner nur mit einer registrierten Heimat-Adresse wahlberechtigt sind. Für im Ausland geborene Amerikaner, die nie in den USA gelebt haben, gelten je nach Bundesstaat andere Regeln.

Ohne Hilfe wird es kompliziert

Für Ausland-Republikaner, den «Republicans overseas», ist der Heimatstaat noch wichtiger. Die Republikaner in der Schweiz führen keine Primaries durch. Anhänger oder Sympathisanten müssen sich rechtzeitig bei ihrer Partei registrieren und können an der Vorwahl am Tag, an dem in ihrem Heimatstaat gewählt wird. Anders die Demokraten: In Genf können auch Bürger aus Staaten wählen, in welchen die Vorwahlen bereits vorbei sind. Die Ausland-Demokraten organisieren so ihre eigene weltweite Vorwahl und schicken die Stimmen eigens in die Parteizentrale. «Wir sind der 51. US-Bundesstaat», sagt Anne bildhaft.

In der Zwischenzeit hat Chris seinen Wahlzettel in die Urne eingeworfen. Für Hillary Clinton. Sein Partner Joseph und die adoptierten Kinder sind in der Zwischenzeit bei ihm. Auch Joseph stimmt für Hillary. Ist amerikanische Politik für die Familie überhaupt relevant? Chris überlegt und sagt: «Europäische und schweizerische Politik betrifft uns wahrscheinlich viel mehr als die Frage, wer der nächste amerikanische Präsident wird.» Und Joseph ergänzt: «Vor allem die Homo-Gesetzgebung machte uns zu schaffen.» Für die Adoption ihrer Töchter musste das schwule Paar extra nach Frankreich.

Trump wähnt sich bereits als Sieger der Ausmarchung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Den «Super Thuesday» hat er für sich entschieden.

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Mit seinen homophoben, ausländerfeindlichen und nicht selten frauenverachtenden Äusserungen ist Donald Trump, der an diesem Abend in der Heimat noch richtig durchstarten wird, auch eine Reizfigur für Frauen. Anne seufzt und lässt sich erschöpft auf einen der Stühle mit der durchgesessenen Polsterung fallen. Die letzte Ära Bush hat sie geprägt. «Nie wieder Bush», dachte sich die zweifache Mutter. Doch es kam anders: Seit Donald Trump ernsthafte Präsidentschaftsaussichten hat, wünscht sich die frühere Bush-Gegnerin einen wie George W. geradezu zurück.

Am Schluss wird es Hillary Clinton sein, die Trump stoppen kann. Dessen ist man sich in Genf bewusst. Doch der Abend birgt eine Überraschung: Nur 104 der Schweiz-Amerikaner wählen Clinton. 112 stimmen für Sanders.

Mittlerweile berüchtigt: So teilt Donald Trump 

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Gleich zu Beginn sorgte Donald Trump für Aufsehen, als er als einziger offen liess, ob er allenfalls als Unabhängiger zu den Wahlen antreten würde. 

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