Seit dem 1. Januar gilt für die elf Gemeinden im Gebiet der Regionalpolizei Aargau Süd (Repol) das gleiche Polizeireglement. Im Bereich der Ordnungsbussen ermöglicht das Reglement ein einfacheres Verfahren, weil die Repol bei Übertretungen direkt büssen kann, ohne den administrativen Umweg über Anzeigen an den Gemeinderat. Neu verbietet das Reglement Jugendlichen, die das 15. Altersjahr noch nicht vollendet haben, nach 23 Uhr auf öffentlichen Plätzen herumzuhängen.

Herr Holliger, mussten die Polizisten bereits Jugendliche unter 15 Jahren nach 23 Uhr aufgreifen und zu den Eltern nach Hause bringen?

Dieter Holliger: Bis zum heutigen Tag kam das nie vor. Der Grund hierfür ist einfach: Das andauernd kalte und häufig schlechte Winterwetter trug dazu bei, dass sich die Jungen weniger lang im Freien aufhalten. Wir behalten die Hot Spots (=beliebte Plätze) natürlich genau im Auge. Bei wärmerem Wetter wird der Tag kommen, wo wir eingreifen müssen.

Wie läuft so eine Kontrolle ab?

Holliger: Die Patrouille kontrolliert nach 23 Uhr die Jungen auf Plätzen, verlangt einen Ausweis und stellt das Alter fest. Sind Jugendliche unter 15 Jahre alt, führen die Polizisten diese nach Hause und übergeben sie den Eltern. Falls niemand zu Hause ist, würden wir Verwandte oder Bekannte aufsuchen. Sicher werden Jugendliche nicht mehr zurück auf die Strasse gestellt.

Und dann ist die Sache erledigt?

Holliger: Nein, Polizei und Behörde sind sich da einig: Kommt es so weit, zieht das eine Verzeigung an die Schulpflege nach sich, denn die Jugendlichen haben einen Artikel übertreten. Die Schulpflege ist bis zum 15. Altersjahr Strafbehörde.

Gab es seitens Eltern Reaktionen auf diese Verschärfung im Reglement?

Holliger: Bis jetzt blieben Reaktionen aus, niemand hat sich aufgeregt oder moniert, das sei ein Eingriff in die persönliche Freiheit. Wenn wir dann eingreifen müssen, kann sich das natürlich ändern.

Setzen Sie das Reglement konsequent durch?

Holliger: Wir machen nicht mehr auf die sanfte Tour. Wenn wir auf einen Hot Spot zufahren und feststellen, dass drei, vier Junge herumstehen und Büchsen wegschmeissen, dann verlangen wir, dass alles aufgelesen wird, und fordern eine Busse ein. Verwarnen müssen wir nicht mehr, alle wissen doch Bescheid.

Sie überwachen die beliebten Plätze, die Hot Spots?

Holliger: Natürlich. Dort, wo Jugendliche herumstehen, vielleicht noch mit einer Schachtel Bier und Snacks, gehen wir vorbei, notieren die Personalien und weisen sie darauf hin, dass sie den Platz sauber verlassen müssen. Wenn wir erklären, dass eine zu Boden geworfene Büchse 100 Franken Busse kostet, dann staunen die Jungen. Meist bezeichnen wir den Ältesten für verantwortlich und kontrollieren den Platz am nächsten Tag. Das funktioniert, das spricht sich herum. Aber Littering ist generell ein grosses Problem.

Viele Leute werfen der Polizei vor, sie sei nie zur Zeit am richtigen Ort, dort, wo es brenne.

Holliger: Das ist so. Kritik und Negatives trägt man uns rasch zu. Erwischen wir beispielsweise anlässlich einer Patrouille einen Einschleichdieb auf frischer Tat, dann ruft uns niemand an und gratuliert. Damit können wir selbstverständlich leben, wir erfüllen einfach unsere Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen.

Vergangene Woche hat die Repol einen jungen Ausländer verhaftet, weil er im Verdacht steht, sich in Objekte eingeschlichen zu haben.

Holliger: Mehrere Personen haben wiederholt gemeldet, dass eine unbekannte Person durch die Quartiere schleiche. Die Polizei fahndete nach diesem Mann, eine Patrouille hat ihn in Menziken angetroffen und verhaftet. Er wurde für die weiteren Ermittlungen der Kapo übergeben.

Also ein Fahndungserfolg wegen genügender Polizeipräsenz?

Holliger: Das ist so, dank der guten Zusammenarbeit zwischen Kapo und Repol konnten wir entsprechend reagieren und den Mann aus dem Verkehr ziehen, das war unser gemeinsames Ziel.

Kürzlich hat die Polizei eine Gruppe exjugoslawischer Jugendlicher aufgegriffen, die 50 Autos aufgebrochen hatten. Zwei Knaben sind erst vierzehn Jahre alt.

Holliger: Das ist korrekt, diese Jungen haben eine beträchtliche kriminelle Energie an den Tag gelegt.

Wie reagieren die ausländischen Eltern, wenn sie von der Polizei mit den Straftaten und dem provokativen Auftreten der Jungen konfrontiert werden?

Holliger: Unsere Erfahrungen sind unterschiedlich. Es gibt Eltern, die sich schämen für ihre Jungen, selber nicht mehr weiterwissen in der Erziehung. Sie sind froh, dass wir ihnen zuhören und sie beraten. - Leider treffen wir auch ganz uneinsichtige Eltern an, die zum Beispiel für ihre Jungen Partei ergreifen und deren Geständnisse und die Arbeit der Polizei sofort in Frage stellen.

Wie zum Beispiel?

Holliger: Es kam schon zu Äusserungen von Vätern wie: «Sie verdächtigen meinen Sohn nur, weil er ein Jugo ist.» Dieses Denken ist natürlich sehr bequem für Eltern und führt nicht weiter.

Welche Haltung übewiegt?

Holliger: Zahlen kann ich keine nennen, aber ausländische Eltern, die mit der Polizei kooperieren, sind in der Mehrzahl. Oft höre ich von ihnen: «Ich lebe seit 20 Jahren unbescholten in diesem Land, und jetzt baut mein Sohn solchen Mist.» Häufig haben die Ausländer halt wenig Zeit für ihre Jungen.

Echte Kooperation gibt es auch?

Holliger: Viele Eltern erdulden die Massnahmen wie Durchsuchungen oder Verhaftungen, andere stellen ihre Jungen selber zur Rede und drohen ihnen: «Wenn das nicht aufhört, schicke ich dich in den Kosovo zurück.» Viele Eltern meinen es wirklich ernst.

Die «Stimme des Volkes» verlangt in Leserbriefen, die Polizei solle die delinquierenden Ausländer verhaften und sofort ausschaffen.

Holliger: Das geht so nicht. Die Polizei bringt nur den ersten Stein ins Rollen. Was nach Abschluss der Untersuchung seitens der Justiz passiert, liegt nicht in unserem Bereich, das können wir nicht beeinflussen. Die richterlichen Behörden und in erster Linie das Migrationsamt sind dann gefordert.

Ist die Polizei wachsam genug?

Holliger: Wir unternehmen, was möglich und erlaubt ist. Wir sind wachsam und schreiten auch präventiv ein. Kapo und Repol sprechen sich ab und gehen offensiv ans Werk. Wir schauen hin, wenn sich an einem Bahnhof Jugendliche aufhalten. Wenn sie lärmen oder pöbeln, dann schreiten wir ein und notieren ihre Namen.

Täuscht der Eindruck, oder haben Sie mehr Schwierigkeiten mit jugendlichen Ausländern?

Holliger: Wir stellen bei 14- bis 17-jährigen Straftätern fest, dass die Ausländer überproportional vertreten sind, sie machen bis zu zwei Drittel aus.

Wo orten Sie Gründe dafür?

Holliger: Ich habe den Eindruck, die jugendlichen Ausländer stecken einander in der Gruppe an. Sie sind häufig Meister in der Provokation. Und sie provozieren andere bis aufs Blut. Ein falscher Blick genügt da bereits.

Das stellen Sie bei Ihrer Arbeit schlicht und einfach fest?

Holliger: Das ist so, das muss man nicht schönreden. Es gibt allerdings auch gemischte Gruppierungen, wo Schweizer Jugendliche mitmachen. Wir stellen auch fest, dass jugendliche Ausländer, die straffällig werden, in der Schule selten Erfolg haben oder hatten; vielleicht kamen sie auch relativ spät in die Schweiz, und es fehlen ihnen irgendwelche Perspektiven.