Roma in Gebenstorf
«Wir sind in der Schweiz unerwünscht»

Seit einer Woche campiert eine Gruppe Roma aus Frankreich in Gebenstorf. Nun will sie ihre Habe packen und weiter nach Lugano fahren.

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Aargauer Zeitung

Andrea Marthaler

Auf einer Wiese neben der Lauffohrbrücke haben rund 50 Fahrende ihre Wohnwagen abgestellt. Musik dröhnt aus einer Stereoanlage, ein Stromgenerator knattert. Kleine Kinder laufen über die Wiese, quengeln. Ihre Mütter waschen Wäsche, diese flattert zum Trocknen auf gespannten Schnüren. Männer sind fast keine zu sehen. Als die Sommerreporterin auf den Platz tritt, sind sie aber schnell zur Stelle. Einer ruft: «Ich suche noch eine Frau, bist du noch zu haben?» Andere geben sich distanzierter, klagen über den Rassismus in der Schweiz und dass schon viel Negatives über sie berichtet wurde.

«Wir sind in der Schweiz nicht erwünscht seit der Sache mit der Pro Juventute. Diese nahm uns die Kinder weg», klagt der 18-jährige Tinka Kölna und schreibt seinen Namen in krakeliger Schrift auf ein Blatt Papier. «Die Schweizer glauben, wir seien Wilde, doch wir sind zivilisierte Menschen.» Sie hätten für den Platz auch bezahlt, betont Tinka.

Dies bestätigt Oskar Lehner, dem das Land anteilmässig gehört. «Sie haben mich gefragt, ob sie hier eine Weile bleiben können. Hätte ich gewusst, welchen Ärger dies gibt, hätte ich nicht Ja gesagt.» Mehr als sieben Tage dürfen die Fahrenden nicht bleiben. «Bis morgen, 12 Uhr müssen alle weg sein, lieber noch vorher», sagt Lehner.

«Notfalls folgt Plan B»

Dass die Fahrenden heute weiterziehen, dafür will auch Jörg Pozzato, Vizeammann von Gebenstorf, sorgen. Gemeinsam mit der Regionalpolizei wird er vor Ort sein. «Notfalls folgt Plan B.» Als problematisch sieht Pozzato vor allem, dass der nicht bewilligte Platz über keine Infrastruktur verfügt. Wasser holten die Fahrenden teilweise illegal bei Häusern und das Notstromaggregat störte einige Anwohner in der Nacht.

Fordern Plätze mit Wasser und Strom

Auch die Roma sind mit dem Platz in Gebenstorf nicht zufrieden. «Wir wollen Plätze mit Strom und Wasser, sind auch bereit dafür zu zahlen», sagt Gusti Kölna. In Frankreich gebe es in jeder Stadt einen Platz für Fahrende. Wasser, Strom und sogar eine Schule seien selbstverständlich. Einen Platz mit Infrastruktur, auf dem fahrende Ausländer ihre Wohnwagen abstellen können, gibt es im Kanton Aargau in Kaiseraugst. Jedoch ist der Durchgangsplatz zurzeit schon von einer anderen Gruppe besetzt.

Heute wollen die Roma aus Frankreich weiterziehen. Lugano sei ihr nächstes Ziel. «Wir sind in der Schweiz, um zu arbeiten. Die Schweiz lebt von den Ausländern», sagt Gusti Kölna. «Wir klauen nichts, aber die Leute sind Rassisten», ereifert sich sein Sohn.

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