Schule

«Wir setzen auf Eltern, Familie und Eigenverantwortung»

Blumen vom politischen Gegner: Marlis Spörri (SVP) ist gegen die Einführung der Schulsozialarbeit, Arsène Perroud (SP) gehört zu den stärksten Befürwortern. (fh)

Marlis Spörri

Blumen vom politischen Gegner: Marlis Spörri (SVP) ist gegen die Einführung der Schulsozialarbeit, Arsène Perroud (SP) gehört zu den stärksten Befürwortern. (fh)

Am 7. März entscheiden die Wohlerinnen und Wohler über die Einführung der Schulsozialarbeit. Die SVP-Frau Marlis Spörri (53), zweifache Mutter und Hausfrau, Mitglied der Sozialkommission und Einwohnerrats-Vizepräsidentin, legt ein Nein in die Urne.

Fabian Hägler

In sämtlichen anderen grossen Aargauer Gemeinden ist Schulsozialarbeit schon eingeführt - warum braucht ausgerechnet Wohlen dieses Angebot nicht?
Marlis Spörri: Erstens sollte sich Wohlen beim Steuerfuss und beim Zonenplan den anderen grossen Gemeinden anpassen. Das wäre ein echter Fortschritt. Zweitens hat eine grosse Mehrheit der aargauischen Gemeinden keine Schulsozialarbeit.

«Schulsozialarbeit ist nötig als Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen», sagen die Befürworter. «Schulsozialarbeit ist unnötig», sagt die SVP. Hat sich die Gesellschaft denn nicht verändert?
Spörri: Die Gesellschaft verändert sich laufend. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass der Staat mehr Leute anstellen muss, um Probleme zu bekämpfen. Die SVP setzt auf Familie, Eltern und Eigenverantwortung.

Wohlen hat einen Ausländeranteil von mehr als 30%, in einzelnen Schulklassen ist er noch weit höher. Ruft diese schwierige Bevölkerungsstruktur nicht zwingend nach Schulsozialarbeit?
Spörri: Dies ruft wohl eher nach mehr Deutschunterricht, damit sich die Ausländer schneller integrieren können.

«Erziehung ist Sache der Eltern» lautet ein Prinzip der SVP. Nun gibt es Eltern, die diese Aufgabe nicht erfüllen können oder wollen. Ist es nicht besser, wenn die Schulsozialarbeit hier eingreift, als die Kinder sich selber zu überlassen?
Spörri: Wenn Eltern diese Aufgabe nicht erfüllen können, aus welchen Gründen auch immer, muss ihnen geholfen werden. Wenn sie diese Aufgabe nicht erfüllen wollen, muss den Kindern auch geholfen werden, aber sicher nicht auf Kosten der Steuerzahler. Wenn Eltern von schulpflichtigen Kindern ausser Haus arbeiten, muss die Betreuung der Kinder auf eigene Kosten geregelt sein.

Die SVP verlangt harte Massnahmen gegen Jugendgewalt, Vandalismus usw. Also müsste Ihre Partei auch die Schulsozialarbeit unterstützen, die solche Probleme verhindern könnte?
Spörri: Besser wäre, die Jugendlichen für ein Hobby zu motivieren, das kann durchaus durch Lehrpersonen geschehen. Die Gefahr, dass es den Kindern langweilig wird, würde sich so reduzieren und der soziale Aspekt käme zum Tragen. Ich bin überzeugt, viele Probleme würden so gar nicht erst entstehen.

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