Wieder einmal darf sich die Schweizer Stimmbevölkerung zu Managerlöhnen äussern. Die von drei Konsumentenmagazinen lancierte Pro-Service-Public-Initiative, über die wir am 5. Juni abstimmen, fordert eine Lohnobergrenze bei bundesnahen Betrieben.

Davon betroffen wären primär Swisscom, Post und SBB. Deren Topkader sollen künftig nicht mehr als ein Bundesrat verdienen. Das sind 475 000 Franken pro Jahr. Zum Vergleich: Swisscom-Chef Urs Schäppi strich letztes Jahr gut 1,8 Millionen Franken ein. SBB-CEO Andreas Meyer hatte immerhin noch eine Million in der Lohntüte. Und Post-Chefin Susanne Ruoff durfte sich über 984 000 Franken Jahreslohn freuen.

Abzockerei?

Aus Sicht der Initianten sind solche Löhne ungerechtfertigt: «Es ist unverständlich, dass Bundesrätin Doris Leuthard weniger verdient als ihre de facto Untergebenen von Post, Swisscom und SBB», sagt Peter Salvisberg von der Konsumenteninfo AG. Die Vorgänger der heutigen Swisscom-, Post- und SBB-CEOs hätten mehrere Hunderttausend Franken pro Jahr weniger verdient, lieferten ihren Kunden aber besseren Service, behauptet Salvisberg. Es sei zudem erwiesen, dass die Leistungen eines Managers nicht besser werden, wenn seine Bezüge steigen.

So viel verdienen die CEOs der Bundesbetriebe

Das freilich sehen die betroffenen Firmen anders: «Als börsenkotiertes Unternehmen steht Swisscom mit internationalen Unternehmen in einem Wettbewerb um Arbeitskräfte», sagt Swisscom-Sprecher Armin Schädeli.

Die Bezüge des CEOs und des Managements lägen am unteren Ende vergleichbarer börsenkotierter Unternehmen im Schweizer SMI-Index. Und Post-Sprecherin Jacqueline Bühlmann hält auf Anfrage fest: «Die Löhne der Post entsprechen dem Lohnniveau der jeweiligen Branchen. Eine Lohnobergrenze würde die Post im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte und die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeberin schwächen.»

SBB-Sprecher Marc-Olivier Dischoe sagt, sein Unternehmen beteilige sich nicht am Abstimmungskampf und nehme daher explizit zur Lohnfrage auch nicht Stellung. Dennoch hält er fest: «Die Schweiz ist auf funktionierende Unternehmen wie Post, SBB und Swisscom angewiesen. Die Initiative zerstört die Grundlagen des Service public.»

In Konkurrenz zu Google

Den staatsnahen Betrieben geht es jedoch nicht alleine um die Bezüge in der Teppichetage. Gemäss Initiative müsste das gesamte Lohnsystem jenem der Bundesverwaltung angeglichen werden. Davon seien viel mehr Mitarbeiter betroffen als nur die Topmanager. Swisscom-Sprecher Schädeli: «Damit würden wir auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig geschwächt, denn wir stehen dort bei der Rekrutierung um hochqualifizierte Fachspezialisten und Führungskräfte in Konkurrenz mit High-Tech Unternehmen wie IBM, Google, HP oder Siemens oder IT-Spezialisten in den Grossbanken.» Ohne marktkonforme Löhne würde Swisscom diese Spezialisten an die Konkurrenz verlieren.

Bund teilt Sorgen seiner Firmen

Peter Salvisberg vom Initiativkomitee lässt diese Argumente nicht gelten. Es gehe nicht darum, das ganze Lohngefüge der Bundesverwaltung anzugleichen. Die Bundesbetriebe könnten selbstverständlich weiterhin Marktlöhne bezahlen, das Maximum betrage einfach 475 000 Franken. Es sei eine Mär, dass zu diesem Preis nicht gute Kader gefunden werden könnten. Die drei Betriebe SBB, Post und Swisscom hätten zusammen 110 000 Angestellte. «Darunter hat es selbstverständlich Leute, die alle Fähigkeiten besitzen, diese Betriebe gut zu führen und die bereit sind, für 475 000 Franken zu arbeiten», sagt Salvisberg. Alles andere wäre sonst ein

Armutszeugnis

Grösstes Verständnis für die Sorgen der Unternehmen hat der Bund. Die Angleichung der Löhne an das Niveau der Bundesverwaltung würde zu einem «erheblichen administrativen Aufwand mit Kostenfolge» führen und die Freiheit der Unternehmen massiv einschränken, heisst es beim zuständigen Infrastrukturdepartement Uvek.

Das Hauptargument aber lautet: Die Spitzenlöhne von Swisscom, Post und SBB seien im internationalen Vergleich moderat. So ist laut Uvek der Lohn von Swisscom-CEO Schäppi 2014 tiefer als die Löhne der CEO der US-amerikanischen Telekom-Unternehmung AT&T, der spanischen Telefonica, Telecom Italia oder Deutsche Telekom. Post-Chefin Ruoff habe 2014 weniger verdient als der CEO der Deutschen Post und mehr als der Chef der französischen Post, dessen Lohn staatlich begrenzt ist. SBB-CEO Andreas Meyer schliesslich verdiene weniger als sein Kollege bei der Deutschen Bahn und etwa ähnlich viel wie der CEO der österreichischen Bundesbahn.

Interessanterweise lehnen selbst die Gewerkschaften, die sonst immer für Lohndeckel bei Managern zu haben sind, die geplanten Restriktionen ab.

Der Grund: Sie fürchten sich vor einem Machtverlust, wenn künftig das Bundesparlament die Löhne bei den staatsnahen Betrieben bestimmt und nicht mehr die Sozialpartner. Das sei bei «Unternehmen mit privatrechtlich angestellten Mitarbeitenden eine verquere Konstruktion».