Schule
«Wir reden offen über Probleme»

An der Bezirksschule Entfelden gibt es Spannungen zwischen Lehrern und Schülern. Dies hat eine externe Beurteilung gezeigt. Schulpflege und Schulleitung suchen nach Lösungen – und scheuen sich nicht, darüber zu reden.

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Bezirksschule Entfelden

Bezirksschule Entfelden

Schweiz am Sonntag

Von Barbara Vogt

Schulevaluation

Die externe Schulevaluation ist ein Verfahren, um die Qualität von Aargauer Schulen zu überprüfen und zu beurteilen. Das Departement für Bildung, Kultur und Sport hat der Fachhochschule Nordwestschweiz/Pädagogische Hochschule einen Leistungsauftrag erteilt. Die externe Schulevaluation folgt einem klaren Ablauf: In einer Vorphase werden Informationen mit der Schule ausgetauscht, Evaluationsteams und Kontaktgruppen gebildet. Die Datenerhebung erfolgt mit Beobachtungen an der Schule, Befragungen von Schülern, Eltern und Lehrern sowie mit der Einsichtnahme in Schuldokumente. Die Schulen erhalten einen ausführlichen schriftlichen Bericht mit Entwicklungshinweisen. Das erfolgt mit dem Ampelsystem grün, orange, rot. Stehen die Ampeln in einem Bereich auf Rot, besteht Handlungsbedarf. Die Schule erarbeitet mit dem Schulinspektorat Massnahmen. Ziel ist es, dass die roten Ampeln innerhalb von zwei Jahren auf Grün umschalten. (az)

Das Unterrichtsklima an der Bezirksschule ist angespannt, Jugendliche erleben die Schule als Kampf, heisst es im Bericht zur Schulevaluation der Schule Entfelden. «Verschiedene Lehrer kämpfen gegen uns, wo sie nur können», beschreiben die Schüler ihre Erfahrungen. «Sie schikanieren uns.»

Die Jugendlichen erdulden Spitznamen, werden gedemütigt, blossgestellt. Offenbar machen diese Lehrer auch herabsetzende Bemerkungen, etwa wenn ein Schüler ins Lernatelier gehe. «Ein Bezirksschüler hat es doch nicht nötig, dort hinzugehen.» Eltern sind diese Missstände ebenfalls aufgefallen. Viele schweigen jedoch, aus Angst, weil ihre Kinder im Unterricht darunter leiden können. Die Eltern haben es auch als schwierig empfunden, bei Problemen an die Lehrer heranzukommen, Kontakte fanden wenig statt.

«Wir haben von diesen Spannungen gewusst», sagen Bettina Ambrozzo, Schulpflegepräsidentin, und Tobias Leuthard, Mitglied der Schulleitung. «Es macht uns betroffen, dass sie so massiv sind.» Schulpflege und Schulleitung nehmen die Probleme ernst und versuchen seit längerem, sie anzugehen. «Die externe Beurteilung ist für uns eine Chance, jetzt geben wir Gegensteuer und erhalten Unterstützung», so Ambrozzo und Leuthard.

An einem Elternabend hat die Schule Entfelden die Karten offen auf den Tisch gelegt. Das habe Mut gebraucht, erinnert sich Bettina Ambrozzo. «Doch wollen wir eine Kultur entwickeln, um über Probleme reden zu können. Das Negative kommt sowieso an den Tag.» Eltern hätten diese Transparenz als Grösse wahrgenommen. «Wir bekamen viele positive Feedbacks.» Die Eltern haben die Möglichkeit, den ganzen Bericht über die Schulevaluation beim Sekretariat der Schule Entfelden einzusehen.

Der Aarauer Disput um die Publikation des Resultats

Die Prüfung der Aargauer Volksschulen ist zwar vom Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) angeordnet, die Durchführung aber extern vergeben worden. Das BKS hat bewusst darauf verzichtet, Richtlinien für die Publikation der Resultate vorzugeben. Die Evaluationsberichte gehören den einzelnen Schulen und sind Instrumente für Massnahmen und Verbesserungen. In der Stadt Aarau, die beim Test nicht eben glänzend abgeschnitten hatte, liessen es Schulpflege und Schulleitung bei einer dürren Medienmitteilung bewenden. Die in Aarau festgestellten Mängel der Führungsstrukturen und bei der Organisation der Volksschule wurden tunlichst verschwiegen. Diese nicht eben vornehme Zurückhaltung erntete bei Eltern schulpflichtiger Kinder und bei Lokalpolitikern heftige Kritik. Im Einwohnerrat mussten die Behörden auf entsprechende Anfragen hin Auskunft über den Grad der öffentlichen Information erteilen. Mehr oder minder auf Verständnis stiess die Weigerung, den gesamten Evaluationsbericht integral ins Internet zu stellen. Man einigte sich darauf, gewisse Passagen «zielgruppengerecht» zu publizieren. Gleichzeitig kündigte die Schulleitung die Vorbereitung des Partizipationsprojektes «Eltern in der Schule» an. Und zwar mit dem Ziel, «authentische Informationen» zu aktuellen Schulfragen zu vermitteln. (hr)

Die Verantwortlichen wollen die Defizite an der Schule möglichst schnell beheben. Mit dem kantonalen Inspektorat suchen sie nach Sofortmassnahmen, die Erleichterungen bringen. Eine Möglichkeit wäre die Einführung einer offenen Sprechstunde für Eltern. Da sollen sie sich auch über die Probleme an der Bez aussprechen können.

Die Schule Entfelden hat weitere rote Ampeln einkassiert. Zum Beispiel bei der Schulführung: Das Zusammenspiel zwischen Schulpflege, Schul- und Teamleitung und Lehrern sei mangelhaft, die Leitungsstrukturen müssten optimiert werden, wird bemängelt. Doch winkt die Fachstelle die Schule Entfelden in vielen Bereichen durch. Sehr gute Noten hat sie bei der Fusion mit der Schule Unterentfelden 2003 erhalten. Die «anspruchsvolle Aufgabe» ist geglückt. Heute nehme man die Schule Entfelden als eine Schule wahr.

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