Bözen
«Wir müssen das Machbare anstreben»

An der Gemeindeversammlung von Bözen wurde – anders als in Effingen und Elfingen – der Antrag zur Prüfung eines Zusammenschlusses noch mit Hornussen und Zeihen zurückgewiesen. Hanspeter Joss hat sich anlässlich der Debatte energisch für die Rückweisung engagiert. Jetzt verdeutlicht er seine Haltung.

Merken
Drucken
Teilen
Bözen

Bözen

Aargauer Zeitung

Peter Belart

Herr Joss, indem Sie sich für dieses Interview zur Verfügung gestellt haben, zeigen Sie, dass Sie sich in der Zusammenschluss-Frage nicht als Mitläufer, sondern als Wortführer verstehen.
Hanspeter Joss: Nun ja, in einem gewissen Sinne . . .

Gelten denn im oberen Fricktal andere Gesetzmässigkeiten als anderswo?
Joss: An sich nicht, nein. Wie meinen Sie das?

Es gilt doch das ungeschriebene Gesetz, dass sich ein ehemaliger Gemeindeammann aus öffentlichen Diskussionen um kommunale Themen heraushalten
sollte.
Joss: An sich stimme ich dieser Haltung zu. In diesem Falle wollte ich mich aber gegen den gemeinderätlichen Antrag engagieren, nachdem ich im Dorf von mehreren Personen darauf angesprochen worden war. Wir setzten uns vorgängig zur Gmeind in einer kleinen Gruppe zusammen, überdachten die Argumentation und sprachen uns in dem Sinne ab, wer sich an der Gemeindeversammlung zu welchem Aspekt äussern sollte. Noch vor der Versammlung informierte ich Frau Gemeindeammann Verena Erb über alle Einzelheiten, sodass sie die Gelegenheit erhielt, sich ihrerseits vorzubereiten. Dies im Sinne der Fairness.

Die Projektgruppe mit den Ammännern von BEEHZ äusserte sich klar und unmissverständlich für die Fünferlösung. Sie, Herr Joss, misstrauen offensichtlich der Urteilskraft dieses Gremiums.
Joss: Ich habe den starken Eindruck, dass sich die Gemeindeammänner gedrängt fühlten, und zwar vom Kanton und vom Projektleiter. Sie wollten innerhalb kürzester Zeit alles auf den Kopf stellen. Wir haben es hier aber mit einem Jahrhunderttraktandum zu tun, das wohlüberlegt werden muss. Sämtliche Details und alle Varianten sind zu klären. Es darf keine Tabus geben.

Worauf wollen Sie hinaus?
Joss: Wir müssen eine moderate Gangart einschlagen. Das heisst: Abklärung beider möglichen Zusammenschlussvarianten, jener mit den fünf Gemeinden BEEHZ, so wie es von der Projektgruppe vorgeschlagen wurde, aber auch der kleinen Variante mit den drei Gemeinden BEE.

Warum das?
Joss: Ich möchte auf gar keinen Fall ein zweites «Schenkenberg» erleben. Dort wollte man zu viel aufs Mal und steht jetzt mit leeren Händen da.

Sie sind aber nicht gegen jeglichen Zusammenschluss, oder?
Joss: Nein, ich sehe die Notwendigkeit dazu ein. Wir müssen fusionieren, aber nicht in diesem Tempo und nicht in dieser Grösse.

Sie sehen die Variante BEE.
Joss: Genau. Die Idee dazu ist übrigens nicht neu. Sie wurde schon vor Jahrzehnten an mich herangetragen und - von Reinhard Käser, dem damaligen Gemeindeammann von Elfingen - auch öffentlich formuliert. Zunächst geht es aber wirklich darum, beide Varianten detailliert abzuklären. Ich schliesse die Möglichkeit nicht aus, dass man sich dann auf den grösseren Zusammenschluss konzentriert, aber wir dürfen uns nicht schon zum Voraus auf die eine vorgeschlagene Lösung beschränken.

Es ist noch nicht allzu lange her, da haben Sie sich für das Forum «Bözen braucht neue Impulse» stark gemacht. Und nun, da solche Impulse vorliegen, treten Sie auf die Bremse und legen den Kriechgang ein.
Joss: Selbstverständlich brauchen wir den Zusammenschluss-Impuls. Aber es nützt nichts, wenn wir am Ende vor einem Trümmerhaufen stehen, weil wir zu viel aufs Mal wollten. Es gilt, das Machbare und nicht das Wünschbare anzustreben. Apropos «Bözen braucht Impulse»: Das Wohnen im Alter war damals eine Vision, und Bözen hat sie umgesetzt!

Sie halten also BEE für machbar?
Joss: Jawohl! Durch den Umstand, dass die drei Gemeinden dem gleichen Bezirk angehören, fallen gegenüber der grossen Variante schon diverse Probleme weg. Ich bin absolut sicher, dass sich für den Dreierzusammenschluss eine Mehrheit finden lässt.

Mit Christian Koellreuter haben Sie jüngst einen Referenten nach Bözen geholt, der für Visionen einsteht, nicht für Kleingestricktes. Wie passt das nun mit der von Ihnen lancierten Rückweisung von BEEHZ zusammen?
Joss: Jedes Problem, jede Aufgabe kann auf unterschiedliche Weise angegangen werden. Ich spüre einfach, dass der Fünferzusammenschluss im Moment nicht gelingen kann. Im kleineren Verbund stehen die Chancen jedoch gut. Wir müssen das als ersten Schritt betrachten, dem zu einem späteren Zeitpunkt eventuell weitere folgen können. Aber der Start muss unbedingt gelingen.

Wie ist die Sache Ihrer Ansicht nach anzugehen?
Joss: Wir müssen überlegt handeln, nicht so husch, husch auf die schnelle Art. Es ist sehr wichtig, dass wir mit Selbstbewusstsein und im Wissen um unsere Qualitäten und Chancen in das Projekt einsteigen. Die Haltung «wir drei armen Schlucker» ist völlig falsch; sie erschwert einen erfolgreichen Ausgang des Vorhabens. Ich bin überzeugt: Bis ins Jahr 2012 lässt sich die Variante BEE umsetzen. Und dann schauen wir weiter.

In den Kantonen Tessin und vor allem Glarus hat man sich sehr viel progressiver gezeigt und in Sachen Zusammenschlüssen einen wahrhaftigen Wurf gewagt, statt kleinmütig eine Minilösung umzusetzen.
Joss: Ich weiss. Aber sehen Sie: Der Schweizer ist der Typ der kleinen Schritte. Und er ist damit gar nicht so schlecht gefahren. Ich bin nicht ein rückwärtsgewandter Mensch, aber ein Realist. Wenn BEE erst einmal umgesetzt ist und funktioniert, liefert uns dies gute Argumente für weitergehende Vorhaben.

Bitte erklären Sie die wesentlichsten Vorzüge von BEE gegenüber BEEHZ.
Joss: Das kann ich kurz machen. BEE ergäbe eine Gemeinde mit ungefähr 1500 Einwohnern. Ein solches Gebilde lässt sich noch ohne weiteres im Milizsystem führen, ohne dabei auf die Vorteile in
Sachen Professionalisierung verzichten zu müssen. Bei BEEHZ mit etwa 3500 Einwohnern ist das nicht mehr machbar. Da braucht es ein Geschäftsleitungsmodell, und das kommt den Steuerzahler sehr teuer zu stehen. Ich verweise da auf die begrenzte Finanzkraft der fünf Gemeindeteile. Es gilt zu bedenken, dass wir mitten in einer nicht absehbaren Wirtschaftskrise stecken, die bei weitem noch nicht ausgestanden ist. Die Miliz wird in den kommenden Jahren eine Renaissance erleben.

Und was ist mit der dörflichen Befindlichkeit? Mit altüberlieferten Vorurteilen?
Joss: Darauf mag ich gar nicht eingehen. Solche Aspekte dürfen keine Rolle spielen, auf gar keinen Fall. Es geht vielmehr darum, die optimale Lösung zu evaluieren und umzusetzen.