Niederlage
«Wir machen weiter»: Ecopop-Initianten geben nicht auf

Für über 70 Prozent der Stimmbürger ist das Ecopop-Korsett zu eng. Trotzdem blicken die Initianten optimistisch in die Zukunft und verfolgen das Ziel mit anderen Mitteln.

Lina Giusto
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Enttäuscht: Benno Büeler.

Enttäuscht: Benno Büeler.

Keystone

Die Initianten vom Verein Ecopop (französisch für Ökologie und Bevölkerung) zeigen sich vom niederschmetternden Abstimmungsresultat unbeirrt. Auch nach über 40-jähriger Vereinstätigkeit ist das Ziel klar. «Wir machen weiter», sagt Andreas Thommen, Ecopop-Geschäftsführer, gegenüber der «Nordwestschweiz».

Noch bevor die definitiven Abstimmungsergebnisse vorlagen, publizierte Ecopop am frühen Sonntagnachmittag eine Stellungnahme zum Wahlausgang auf der Vereins-Website: «Wir bedauern, dass die Anhänger eines masslosen Wachstums diese Abstimmung gewonnen haben. Das Bevölkerungswachstum wird trotzdem, so wie jedes materielle Wachstum, eines Tages stoppen.»

Wie genau dies geschehen soll, das lassen die Initianten für einmal offen. Ist dies die Drohgebärde eines der politischen Bedeutungslosigkeit geweihten Verlierers? Oder ist die Stellungnahme gar ein Bekenntnis, dass die Forderungen der Initiative zu drastisch waren?

Gedankengut mit Potenzial

Die deutliche Niederlage stellt die Existenz des Umweltvereins grundsätzlich infrage. Die Einwanderung massiv zu reduzieren und damit die Umweltbelastung zu mindern, ist für die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung keine überzeugende Idee. Die Ablehnung der Initiative ist für Benno Büeler, Präsident des Initiativkomitees, nicht überraschend. Aufgeben will er aber nicht. Gegenüber der «Nordwestschweiz» sagt er: «Kurzfristig konzentrieren wir uns auf unsere Vereinsarbeit: Vortragsreihen, Aufklärung und Entwicklungshilfe.» So soll die Idee der Ressourcenschonung weiterhin unter die Menschen, die politischen Entscheidungsträger und die Wirtschaft getragen werden.

Die Bewegung habe von der Präsenz in der politischen Diskussion in den letzten Monaten stark profitiert. «Durch die Initiative ist der Ecopop-Verein stark gewachsen. Das neugewonnene Know-how der Mitglieder wollen wir für die Zukunft nutzen», sagt Büeler. Deswegen seien über längere Frist weitere politische Projekte nicht ausgeschlossen.

Die Lancierung einer Nachfolge-Initiative ist derzeit aber kein Thema. «Die Idee von Ecopop ist neu und daran müssen sich die Menschen noch gewöhnen», sagt Andreas Thommen. Zur Überzeugung zu gelangen, dass massloses Wachstum die Lebensqualität beeinträchtige, brauche eben Zeit. Dennoch sei der Nährboden für das Gedankengut in den Köpfen der Menschen vorhanden. Dies belegen zumindest die beinahe 30 Prozent der Ja-Stimmen.

Entwicklungshilfe im Ausland

Die seit 1970 tätige Bewegung «Bevölkerung und Umwelt» wird sich auch in Zukunft politisch unabhängig für die Erhaltung der Lebensgrundlagen und der Lebensqualität in der Schweiz, aber auch weltweit, einsetzen. Das zentrale Augenmerk liegt dabei weiterhin auf dem Zusammenhang von Umweltbelastung und Bevölkerungsdichte.

«Die Arbeit wird sich nun wieder vermehrt auf Entwicklungsprojekte im Ausland konzentrieren», sagt Andreas Thommen. Dabei verweist er beispielhaft auf das Hilfsprojekt zur Förderung der Familienplanung in Nepal. Ecopop hat das Projekt 2013 mit einem Förderpreis an die Swiss Academy for Development (SAD) im Wert von 10 000 Franken unterstützt. Auch die Zusammenarbeit mit der «Deutschen Stiftung Weltbevölkerung» soll beibehalten werden, da die internationale Zusammenarbeit und Unterstützung von Hilfsprojekten für Ecopop von grosser Bedeutung ist.