Am Mittwoch wurde bekannt, dass Christoph Blochers Zeitungshaus AG das "Tagblatt der Stadt Zürich" übernimmt. Bereits als die "Schweiz am Wochenende" den Deal aufdeckte, war die Aufregung gross. Die politische Linke fürchtet, dass die SVP damit ihre Medienmacht in Zürich ausbauen will. Die "az Nordwestschweiz" erreichte die Geschäftsführerin und Chefredakteurin der Zeitung kurz nach der Information der Mitarbeiter durch Rolf Bollmann.

Frau Eppmann, Sie leiten das „Tagblatt der Stadt Zürich“ als Geschäftsführerin und Chefredaktorin. Es wurde nun von Blochers Zeitungshaus AG gekauft. Was bedeutet das für Sie und Ihre Mitarbeiter?

Wir sind froh, dass die Ungewissheit, die durch all diese Gerüchte ausgelöst wurde, vorbei ist. Alle Mitarbeitenden bleiben. Bisher kam es zu keinen Kündigungen und es sind auch keine Entlassungen geplant. Auch ich bleibe.

Schon bevor der Verkauf über den Tisch ging, gab es einen Aufschrei im rot-grünen Zürich. Wird das Tagblatt nun eine Blocher-Zeitung?

Nein. Das ist gar nicht möglich. Der Amtsblattvertrag zwischen der Stadt Zürich und der Tagblatt der Stadt Zürich AG sagt ganz klar aus, dass die Zeitung politisch, weltanschaulich und religiös neutral sein muss und auf politische Kommentierungen verzichtet. Also ein recht enges Korsett. Wenn wir über umstrittene politische Themen schreiben, wie etwa das Kochareal, dann lassen wir alle Seiten zu Wort kommen. Wir sind eine klassische Forumszeitung und daran wird sich auch nichts ändern.

Haben Sie von den neuen Besitzern Garantien bekommen, dass sie die politische Ausrichtung nicht beeinflussen?

Verwaltungsratspräsident Rolf Bollmann hat klar gesagt, er wolle die Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich weiterführen und den Amtsblattvertrag erfüllen. Und er versicherte uns, dass keine Beträge von Besitzer- oder Verlegerseite in die Zeitung kommen würden, die nicht von mir als Chefredaktorin abgesegnet würden.

Warum sollte Blocher eine Zeitung kaufen, wenn nicht, um Politik damit zu machen? Finanziell gäbe es wohl attraktivere Geschäfte.

Zunächst ist Blocher der Financier im Hintergrund. Geführt wird die Zeitungshaus AG von Bollmann.Und wenn sie die anderen Wochenzeitungen anschauen, welche die Zeitungshaus AG in den letzten eineinhalb Jahren übernommen hat, dann sehen Sie, dass sich diese inhaltlich nicht verändert haben. Sicher stellt man sich die Frage, was die Strategie dahinter ist. Bollmann stellte klar, dass die Strategie rein wirtschaftlicher Nautur sei, man wolle mit den Titeln Geld verdienen. Christoph Blocher ist ein erfolgreicher Unternehmer, der sicher nicht vorhat, das Tagblatt einzustellen. Und das ist in der heutigen Zeitungslandschaft nicht selbstverständlich.

Blocher zum Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia

Blocher zum Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia

Im Interview äussert sich Christoph Blocher nur vage zu seinem Vorhaben, lässt aber durchblicken: Politisch und personell wird er bei den Zeitungen seine eigene Linie fahren.

Die Grünen lassen bereits Aufkleber für den Briefkasten mit dem Slogan „Keine SVP-Propaganda, kein Tagblatt!“ drucken. Was sagen Sie dazu?

Das finde ich traurig. Man sollte doch dem neuen Besitzer zuerst eine Chance geben. Wir produzieren eine qualitativ hochwertige Zeitung und das werden wir auch weiterhin tun. Bei uns arbeiten Redaktoren zum Teil schon seit 20 Jahren. Und die werden ihr Verständnis zu Qualitätsarbeit und seriöser Schreibe nicht ändern, nur weil es neue Besitzer gibt. Ich bedaure, dass Politiker nun derart vorpreschen, aber so ist halt die Politik.

Rechnen Sie mit Leserverlusten aufgrund solcher Aktionen?

Ich kann nicht Kaffeesatz lesen. Aber wir sind das gleiche Team wie bisher und wir machen weiterhin eine gute Zeitung für die Zürcherinnen und Zürcher.