Burgdorf
Wir haben einen Investor»

Schnell verfügbar, kostengünstig und langfristig ausbaubar: Mit solchen Argumenten bietet die Stadt Burgdorf im Spiel um einen Fachhochschul-Campus mit. Ein weiterer Trumpf ist die Investorin A. Müller AG. Gestern startete die Stadt das Lobbying.

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Fachhochschule

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Berner Rundschau

Bruno Utz

Gleich «sieben gute Gründe für den Campus Burgdorf» brachte Elisabeth Zäch (SP) gestern vor den Medien ins Spiel. Besonders zugkräftig sei der zentrale Standort beim Bahnhof. Konkret bietet dort die Investorin Alfred Müller AG (Baar) das von ihr letztes Jahr erworbene Aebi-Areal an. Bereits ab dem zweiten Quartal 2010 stehe der nicht bereits langfristig vermietete Teil mit einer Grundfläche von 10 560 Quadratmetern und einer Nutzfläche von rund 20 000 Quadratmetern für Rückbauten, Anpassungen und Ausbauten bereit. Ein Bezug der für eine Schule entsprechend ausgebauten Räume wäre ab Herbst 2011 möglich, heisst es dazu im Dossier der Müller AG.

Konzentration ist dringlich

Die vor zwölf Jahren entstandene Berner Fachhochschule Bern hat derzeit 32 Standorte in den Städten Bern, Biel und Burgdorf sowie in Magglingen, Zollikofen und Vauffelin. Diese Verzettelung macht eine Konzentration unabdingbar, um gegenüber den Konkurrenzschulen bestehen zu können. Schulratspräsident Georg Bindschedler und Rektor Rudolf Gerber favorisieren sogar einen einzigen Standort in der Stadt Bern. Ein solche Vision wurde in früheren Jahren verfolgt, aber aus regionalpolitischen und finanziellen Gründen abgebrochen. Nun hat der Regierungsrat im Oktober der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) einen Auftrag erteilt. Zusammen mit der Erziehungsdirektion muss die BVE bis im Herbst 2010 verschiedene Konzentrationsvarianten prüfen. (uz)

Laut Zäch ist die Vision Campus Burgdorf kein Projekt am Rand, sondern mitten drin, wo das Leben pulsiert und die für Zusammenarbeitsprojekte wichtige Industrie vorhanden ist. «Burgdorfs rund 900 Unternehmen bieten 12 000 Arbeitsplätze an.» Burgdorfs Vision reduziere die Neubaukosten und ermögliche, alle drei aktuellen Fachhochschul-Standorte in der Stadt zu integrieren. «Unser Campus ist der Campus der kurzen Wege.» Schliesslich sei Burgdorf sowohl mit dem öffentlichen Verkehr wie auch für das Auto «von allen Seiten» gut erschlossen. Und für Burgdorf und den Kanton interessant wäre, dass mit dem Campus gleichzeitig noch die herrschenden Raumprobleme des Gymnasiums gelöst werden könnten.

Erfahren im Public Private Partnership

Wie Beat Stocker, Vizedirektor der A. Müller AG, sagte, ist das Aebi-Areal nicht nur schnell verfügbar, sondern unter Einbezug der für 20 Jahre an die RCM Estech AG vermieteten Fläche von 17 000 Quadratmetern auch ziemlich unbegrenzt ausbaubar. «Und unsere Firma ist im Public-Private Partnership erfahren.» Laut Michael Müller, er ist einer der beiden Söhne des Firmengründers, ist das Familenunternehmen in Burgdorf bekannt, hat Müller doch den Disetronic-Neubau erstellt. Die A. Müller AG erwirtschafte mit 170 Mitarbeitenden rund 360 Millionen Franken Jahresumsatz.

Grosse Bedeutung fürs Emmental

Grossrat Samuel Leuenberger (BDP) strich die «grosse und wichtige Bedeutung» der Stadt Burgdorf und der Fachhochschule für das ganze Emmental heraus. «Gemeinsam tragen sie viel zur Stärkung der Region Emmental bei», sagte der Präsident der 42 Gemeinden umfassenden Region Emmental. «Gut ausgebildete Fachkräfte in der Region ansiedeln, ist auch eine grosse Chance für die Wirtschaft.» Laut Stadtpräsidentin Zäch war die gestrige Medienorientierung der Startschuss für das Campus-Lobbying. Bereits am Abend erhielten Grossräte und weitere Entscheidungsträger die selben Informationen. Einbezogen werde auch die Stadt Langenthal.