Laufenburg
«Wir haben ein sehr gutes Verhältnis»

Ulrich Krieger, Bürgermeister von Laufenburg-Deutschland, will beim Atomendlager Bözberg mitreden.

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Ulrich Krieger

Ulrich Krieger

Aargauer Zeitung

Peter Schütz

Die Schwesterstadt Laufenburg ist durch zwei Brücken verbunden. Sowohl die 2003 gebaute Rheinbrücke als auch die Laufenbrücke in der Altstadt sorgten für Diskussionen. Die Laufenbrücke, Jahrgang 1911, sollte saniert werden. Im Herbst 2008 wurden die Arbeiten aufgenommen.

Aber: Auf Schweizer Seite gab es keine Baubewilligung. Mitte November verfügte das Baudepartement des Kantons Aargau einen Baustopp. Einen Monat später entschied die Gemeindeversammlung, den Baustopp aufrecht zu halten.

Während die Deutschen ihren Brückenteil fertig sanierten, blieb die Schweizer Hälfte eine Baustelle. Erst vor einem Monat gab die Bevölkerung grünes Licht für die Fortsetzung der Sanierung. Dazu und zu weiteren grenzüberschreitenden Themen äussert sich Bürgermeister Ulrich Krieger von Laufenburg-Deutschland im Interview.

Seit dem Bau der neuen Rheinbrücke wissen wir, dass in Deutschland und der Schweiz von unterschiedlichen Höhenniveaus ausgegangen wird. Ist dies symptomatisch für die Beziehung der beiden Länder?
Ulrich Krieger: Nein, überhaupt nicht. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und arbeiten eng zusammen. Die unterschiedlichen Höhenniveaus waren eigentlich auch nur ein kleines, bauliches Problem, welches optimal gelöst wurde.

5 Sommerfragen

Von wem erwarten Sie diesen Sommer eine Postkarte?
Von guten Freunden, die im
Urlaub sind.

Wohin würden Sie reisen, wenn Sie 20 000 Franken gewinnen würden?
Vermutlich in die USA.

Welches waren Ihre teuersten, welches Ihre billigsten Ferien?
Die teuersten Ferien waren in Kanada, die billigsten daheim.

Haben Sie sich in den Ferien schon einmal verliebt?
Nein.

Worauf möchten Sie diesen Sommer nicht verzichten?
Auf Haselnusseis.

Trotz des «guten Verhältnisses» kam es letztes Jahr zur Panne mit der alten Rheinbrücke. Was ist da schief gelaufen?
Krieger: «Schief gelaufen» ist vielleicht der falsche Begriff. Es ist alles eher etwas unglücklich verlaufen. Beide Länder haben verschiedene Rechtsnormen, wie man so etwas angehen muss. Bei uns funktioniert das Baurecht anders als in der Schweiz. Ich hoffe nun, dass auch auf der Schweizer Seite die Sanierung bald abgeschlossen werden kann. In der Einwohnerversammlung haben sie ja sogar bereits beschlossen, weiterzumachen.

Es gab Forderungen, die Deutschen sollen ihren Brückenteil wieder zurückbauen. Sie haben es nicht getan. Wieso nicht?
Krieger: Das stand gar nicht zur Debatte. Denn da sind öffentliche Gelder reingeflossen. Da kann man nicht einfach wieder alles zurückbauen, das geht nicht. Ich persönlich halte die jetzige Gestaltung für sehr schön. Die Handläufe stören überhaupt nicht, im Gegenteil. Sie passen optisch gut zur Brücke. Auch die Pflastersteine sind optimal.

Das heisst, dass Sie mit den Schweizern im Reinen sind?
Krieger: Wir identifizieren uns eng mit der Schweiz und die Schweizer sich mit uns. Der Stadtslogan sagt ja aus: «Zwei Länder - eine Stadt». Das Verhältnis ist über Jahrhunderte gewachsen. Viele Laufenburger haben Freunde auf beiden Seiten des Rheins. Vereine, wie zum Beispiel die Narrenzunft, gibt es auf beiden Seiten. Ebenso arbeiten wir in vielen anderen Bereichen, beispielsweise bei der Kulturarbeit, grenzüberschreitend. Das ist toll und macht meine Arbeit als Bürgermeister besonders spannend. Ich fand auch schön, dass Rudolf Lüscher (Stadtammann Laufenburg-Schweiz) die Idee hatte, den SlowUp mit mir auf dem Tandem zu fahren. Ich denke, das spricht Bände.

Stichwort Stadtammann Lüscher: Er hat den Bau der Hochrheinautobahn A98 auf deutscher Seite als «Trauergeschichte» bezeichnet. Teilen Sie seine Auffassung?
Krieger: Die A98 ist das grösste Infrastrukturprojekt am Hochrhein. In Laufenburg selber wird das Problem 2011 gelöst sein. Dann ist die Umfahrung Laufenburg-Murg fertig gestellt. Aber: Es ist auch in unserem Interesse, dass zügig weitergebaut wird - sowohl in die eine als auch in die andere Richtung. Dass die Autobahn dringend notwendig ist, sieht man täglich am Verkehrsaufkommen. Der Hochrhein braucht die Autobahn, damit wir nicht abgehängt werden. Die Ost-West-Verbindung zwischen Basel und Bodensee ist wichtig für Industrie und Tourismus.

Nächstes Jahr wird es noch mehr Verkehrsprobleme geben, wenn die Hauptstrasse im schweizerischen Laufenburg saniert wird. Sie wird ja auch von vielen Deutschen benutzt.
Krieger: Ich hoffe, dass es eine gute Abstimmung gibt und wir genügend Möglichkeiten schaffen, dass sich die Staus in Grenzen halten. Aber ich weiss natürlich auch, dass täglich etwa 10 000 Autos die neue Rheinbrücke passieren.

Gilt das auch für die geplante Altstadtsanierung? Sie könnte Auswirkungen auf den Tourismus haben. . .
Krieger: Wir in Deutschland haben die Altstadtsanierung hinter uns. Die Schweizer wollen jetzt anfangen. Die historische Altstadt ist unser Alleinstellungsmerkmal. Hiermit können wir uns von allen anderen abgrenzen. Da steckt ein riesiges Potenzial drin. Die Altstadtsanierung ist der richtige Weg.

Sie sind sehr zuversichtlich. Obwohl es Fachleute gibt, die davor gewarnt haben, dass die Altstadt zum Museum wird.
Krieger: In der Altstadt muss man verschiedene Interessen unter einen Hut bringen. Das ist nicht ganz einfach. Ich bin jedoch überzeugt, dass alle die historische Altstadt besser dargestellt haben wollen.

Wie stehen Sie zu dem möglichen Atommüllendlager Bözberg?
Krieger: Wir, die Gemeinden Bad Säckingen, Murg, Albbruck und Laufenburg, haben zusammen eine Resolution verabschiedet. Darin fordern wir, dass wir von Anfang an in den Partizipationsprozess einbezogen werden - und zwar ab der ersten Untersuchungsetappe. Wir wollen auch mit Rechten ausgestattet werden, weil wir in hohem Mass betroffen sind. Ein Atomendlager wird über Tausende von Jahren bestehen bleiben. Da müssen wir sicher sein, dass die ausgewählten Standorte die bestmöglichen sind. Es gibt viele ungeklärte Fragen, wie zum Beispiel das Grundwasservorkommen am Rhein. Man darf nicht sagen: Die Auswirkungen sind nur bis zur Grenze spürbar. Ein Atomendlager in der Region wird Auswirkungen auf beide Seiten des Rheines haben. Und darum wollen wir von Anfang an mitreden.

Sie wollen sich also nicht einmischen, sondern. . .
Krieger: . . .gleichberechtigt mitreden. Das gehört zu einer guten Partnerschaft, wie wir sie hier in Laufenburg vorleben. Wie gesagt, ein Atomendlager Bözberg betrifft uns genauso wie Laufenburg-Schweiz. Nicht dass wir uns falsch verstehen. Wir sind nicht für oder gegen Atomstrom. Diese Frage spielt in der Diskussion überhaupt keine Rolle. Es geht nur um die Standortfrage für den Atommüll. Und da haben wir erhebliche Bedenken, dass der Bözberg der am besten geeignete Standort ist.

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