Kiesabbau
«Wir haben Anrecht auf ein gesundes Umfeld»

Die Interessengemeinschaft Längacker-Nackbünten Kirchleerau hat eine Sammeleinsprache mit über 70 Unterschriften gegen den geplanten Kiesabbau eingereicht. Die Betroffenen fordern, dass das Mitwirkungsverfahren und die öffentliche Planauflage separat durchgeführt werden.

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Aargauer Zeitung

Das Kieswerk Fischer Kies + Beton AG Staffelbach plant, in den nächsten 30 Jahren zwei Millionen Kubik Kies abzubauen. Das Abbaugebiet umfasst die Gebiete Stolten, Längacker-Nackbünten und Staffelbacherstrasse in Kirchleerau und Staffelbach.

Anwohner wehren sich aber gegen das Projekt. Sie haben sich zur Interessengemeinschaft Längacker-Nackbünten Kirchleerau zusammengeschlossen und noch während der Frist des Mitwirkungsverfahrens und der öffentlichen Planauflage Unterschriften gesammelt. 75 Unterschriften für Kirchleerau respektive 74 für Staffelbach enthält die Sammeleinsprache. Darin stellt die Interessengemeinschaft den Antrag, das Mitwirkungsverfahren und die öffentliche Planauflage getrennt durchzuführen. Und ganz auf den Kiesabbau in den Gebieten Längacker/Stolten zu verzichten.

«Nicht klammheimlich»

Ein Projekt in diesem Umfang könne nicht klammheimlich durchgeführt werden, meinen die Betroffenen. Offenbar seien auch mit den Landwirten bereits Vorverträge abgeschlossen worden. Auf die Anwohner habe der Kiesabbau grosse Auswirkungen, unter anderem mehr Lärm und mehr Staub. Die Verkehrssicherheit der velofahrenden Schüler von Leerau nach Staffelbach respektive nach Schöftland sei nicht mehr gewährleistet. «Wir haben allerdings ein Anrecht auf ein gesundes Umfeld», betonen die Einsprecher. Ihre Beweggründe sind auf der Website www.kiesleerau.ch aufgeführt.

«Untergeordnete Bedeutung»?

Die Anwohner seien darauf hingewiesen worden, dass das Abbaugebiet im kantonalen Richtplan festgesetzt sei. «Offenbar sollte uns damit suggeriert werden, dass es am geplanten Kiesabbau nichts mehr zu rütteln gibt.» Aber Aufgabe und Funktion eines Richtplanes sei einzig, die raumwirksamen Tätigkeiten aufeinander abzustimmen, stützen sie sich auf die Raumplanungsverordnung. Laut kantonalem Baugesetz ist die Zusammenlegung eines Mitwirkungsverfahren und einer öffentlichen Auflage für Planungen von «untergeordneter Bedeutung» möglich.

An diesem Begriff stossen sich die Anwohner jedoch gehörig. «Der Kiesabbau ist für uns alles andere als untergeordnet.» Laut Niklaus Vögeli, Kreisplaner der Abteilung Raumentwicklung, sei der Begriff «untergeordnete Bedeutung» nie abschliessend definiert worden. Darüber hätten sich schon Juristen unterhalten. Abschliessend entscheide jedoch die betroffene Gemeinde, ob sie die beiden Verfahren trennen oder zusammenlegen wollen.

Die Gemeinden Kirchleerau und Staffelbach hätten das Mitwirkungsverfahren aus Effizienzgründen zusammengelegt, sagt Gemeindeammann Ruedi Wirth aus Staffelbach. «Für den Bürger ist es einfacher, wenn er sich zum gleichen Zeitpunkt mit beiden Verfahren befassen kann. Seine Rechte sind deswegen immer noch gewahrt.»

Zurzeit liegt der Ball beim Kieswerk Fischer Kies + Beton AG. Die Einsprachen seien ihm, so Wirth, zur Vernehmlassung zugestellt worden. Ob das gesamte Verfahren nochmals wiederholt wird, weiss der Gemeindeammann aus Staffelbach nicht. «Wir führen das Beschwerdeverfahren in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton durch.» Ausserdem muss der Souverän aus Kirchleerau und Staffelbach über eine Zonenänderung der Nutzungsplanung Kulturland in eine Materialabbauzone befinden.

Beat Fischer möchte sich zum hängigen Verfahren nicht äussern. Für das Projekt brauche es Fakten und kantonale Verordnungen. Und diese liegen vor. So wie auch viele Emotionen über den geplanten Kiesabbau vorhanden seien.