SP-Chef Christian Levrat

«Wir gehen eine politische Ehe mit den Grünen ein»

SP-Parteipräsident Christian Levrat (Archiv)

SP-Parteipräsident Christian Levrat (Archiv)

In einem Jahr wird in der Schweiz ein neues Parlament gewählt. Die «Nordwestschweiz» analysiert die Ausgangslage der Parteien und spricht mit ihren Präsidenten über ihre Ziele. Heute SP-Präsident Christian Levrat.

Herr Levrat, die Begehren der SP wurden zuletzt an der Urne deutlich abgeschmettert. Wie will die SP bei den Wahlen trotzdem punkten?

Christian Levrat: Die Wähler anerkennen unser Engagement. Gerade die letzte Abstimmung über die öffentliche Krankenkasse kann uns zwar als Niederlage ausgelegt werden, aber über den Abstimmungskampf erreichten wir konkrete Verbesserungen des Gesundheitsbereiches und eine starke Identifikation für unsere Wählerschaft. Die SP ist gerade dank dieser Abstimmungen lesbar. Wir schenken den Wählern reinen Wein ein.

Trotzdem trägt die SP so das Image einer Verlierer-Partei.

In der Schweiz braucht man Ausdauer, um Erfolge zu verbuchen. Die Einführung des Frauenstimmrechts und der Mutterschaftsversicherung zeigen das. Auch über die Sicherung der AHV haben wir vier Mal abgestimmt. Die Bevölkerung hat der Hartnäckigkeit der SP einiges zu verdanken.

Wie wollen Sie 2015 das angestrebte Ziel von 20 Prozent Wähleranteil erreichen?

Mit dem gleichen Credo wie 2011: «Für alle statt für wenige.» Unsere Wahlkampfthemen sind gute Arbeit, zahlbare Wohnungen und sichere Renten. Ausserdem sind wir die einzige Partei, die sich konsequent für eine offene Schweiz einsetzt.

2011 konnte die SP mehr Sitze erobern, als sie an Parteistärke zulegte. Wie kämpfen Sie gegen Sitzverluste?

Indem wir die rot-grünen Kräfte bündeln. Wir sind bereit, mit den Grünen Listenverbindungen einzugehen. Solche Verbindungen sind mehr als taktisches Vorgehen, wie es FDP-Präsident Philipp Müller gerne nennt. Es bedeutet, eine politische Ehe einzugehen.

Die SP beackert im Wahlkampf ständig die gleichen Themen. Wie will man so neue Wähler gewinnen?

Wir bleiben unseren Werten und auch unseren Themen treu, ob Wahlen sind oder nicht. Mit unserer direkten, etwas unkonventionellen Art, wie wir die Themen transportieren, mobilisieren wir sehr stark. 2011 waren wir die attraktivste Partei für Neuwähler. Wir bekennen uns klar zu unseren Werten.

Auch das ist nicht neu.

Für uns ist die Mobilisierung das entscheidende Element. Wir wollen weniger Wähler von anderen Parteien abwerben, als vielmehr unsere eigene Wählerschaft mobilisieren. 2015 stehen die Agglomerationsgemeinden im Fokus. Dort ist es den bürgerlichen Parteien bei den letzten Wahlen besser gelungen, Wähler anzusprechen.

In den Agglomerationen hat ein Rechtsrutsch stattgefunden.

Ich halte das mehr für eine Mobilisierungsfrage als eine politische Änderung.

2015 wird auch der Bundesrat neu gewählt. Wie sieht dieser im Idealfall aus?

Wir verfolgen zwei Ziele: Die Wiederwahl der eigenen Bundesräte und das Verhindern einer rechts-konservativen Vierermehrheit aus FDP und SVP.

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