Schulsozialarbeit
«Wir brauchen Schulsozialarbeit»

Schulsozialarbeit ist dringend notwendig: Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe in Wohlen. Mit einer Zweidrittelmehrheit folgte der Einwohnerrat dieser Empfehlung der Schulfachleute und sagte klar Ja zu einer Motion der SP.

Merken
Drucken
Teilen
Arsene Perroud

Arsene Perroud

Aargauer Zeitung

Fabian Hägler

Es kommt eher selten vor, dass SVP und Gemeinderat in Wohlen dieselben Positionen vertreten. Als der Einwohnerrat am Montag das Thema Schulsozialarbeit diskutierte, trat aber genau dieser Fall ein. Sozialvorsteher Harold Külling plädierte für einen Marschhalt: «Gestern wurde das Bildungskleeblatt abgelehnt, in Wohlen auch der Sozialindex. Heute wäre also der falsche Zeitpunkt, um Schulsozialarbeit einzuführen».

Ähnlich argumentierte die SVP-Sprecherin Marlis Spörri: «Wir sollten jetzt nichts überstürzen und die kommende Gesetzgebung abwarten», meinte sie. Ausserdem lasse sich der Nutzen der Schulsozialarbeit nur schwer messen. Und sie kritisierte, dieses zusätzliche Angebot reduziere den Anreiz für eigenverantwortliches Handeln der Eltern.

Perroud kritisiert Verzögerung

SP-Präsident Arsène Perroud, der die Motion für die Schulsozialarbeit eingebracht hatte, konterte: «Das hat mit dem Bildungskleeblatt absolut nichts zu tun.» Ein Marschhalt wäre unsinnig, das Bedürfnis für Schulsozialarbeit sei ausgewiesen. «Seit rund einem Jahr liegt der Bericht einer Arbeitsgruppe vor. Es ist uns nicht klar, warum es so lange dauert, bis der Gemeinderat das Thema an die Hand nimmt», sagte er.

Ein möglicher Grund, weshalb der Gemeinderat das Geschäft auf die lange Bank schob, dürften die Finanzen sein. Külling verwies auf die zusätzlichen Ausgaben, die eine Einführung der Schulsozialarbeit nach sich ziehen würde. «Wohlen müsste mit jährlich wiederkehrenden Kosten von rund 370 000 Franken rechnen», mahnte Külling.

«Billiger als Heimplätze»

Perroud hatte auch zu diesem Einwand eine Antwort parat: «Ein Heimplatz für ein Kind kostet im Jahr gegen 150 000 Franken. Längerfristig ist es günstiger, solche Fälle mit Schulsozialarbeit zu verhindern». Maja Meier (freis wohle) argu-mentierte grundsätzlicher: «Wohlen gibt viel Geld für weniger sinnvolle Dinge aus. Es lohnt sich auf jeden Fall, in die Schulsozialarbeit zu investieren.»

Andy Bächer (cvp) stellte die Entlastung von Lehrpersonen und Schulleitungen ins Zentrum. Tomi Schmid (freis wohle), als Lehrer selber betroffen, bekräftigte diesen Aspekt. «Ich würde mir eine professionelle, kompetente Anlaufstelle bei Problemen wünschen.»

Kinder haben recht auf Hilfe

Guido Benz (cvp), als Präsident der Finanzkommission und Mitglied der Schulpflege doppelt involviert, betonte einen anderen Punkt: «Kinder haben ein Recht, dass man ihnen hilft.» Bei der Finanzplanung gelte es Schwerpunkte zu setzen, «und die Schule ist eine der höchsten Prioritäten», argumentierte Benz.

Thomas Keller (fdp) entgegnete, es gebe genügend kantonale Institutionen. «Diese sind offensichtlich überlastet, also müsste der Kanton auf seine Kosten die Stellen besser dotieren, und nicht wir in Wohlen ein neues Angebot schaffen.»

Bruno Bertschi (svp) sprach sich gar dafür aus, bei Verfehlungen von Jugendlichen die Eltern finanziell in die Pflicht zu nehmen.

Adrian Riedi (sp) brachte die mehrheitliche Haltung des Rats auf den Punkt: «Die heutige Gesellschaftsform macht Schulsozialarbeit nötig.» Das Abstimmungsresultat von 24 Ja zu 10 Nein (bei einer Enthaltung) gab ihm recht.