«Wir brauchen das Minarett nicht zwingend»

Als eine von neun mitwirkenden Aargauer Moscheen öffnete auch die Wohler Moschee an der Rigackerstrasse am Samstag ihre Pforten. Es konnte eine überwältigende Anzahl Besucherinnen und Besucher willkommen geheissen werden.

Samuel Schumacher

«Als wir den Anlass vor rund einem Jahr zu planen begannen, kannten wir den Abstimmungstermin noch nicht», erklärte Hamit Duran, Sekretär des Verbands Aargauer Muslime. «Um- so mehr freut es uns, so kurz vor diesem wichtigen Entscheid Gelegenheit zu haben, uns der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu zeigen, dass wir überhaupt nicht so sind, wie uns manche Islamkritiker hierzulande haben wollen.»

Unterricht auch auf Deutsch

Gemeinsam mit seiner Frau Yasemin führte Hamit Duran die Besucher auf gut einstündigen Rundgängen durch das islamische Zentrum in Wohlen. Neben einem Gebetsraum - der Moschee - gibt es im islamischen Zentrum auch eine Cafeteria, mehrere Büroräume und zwei Schulzimmer, in denen rund 60 Schulkinder an zwei Nachmittagen der Woche in Korankunde unterrichtet werden.

Yasemin Duran ist eine von fünf Religionslehrerinnen, die sich um die Kinder kümmern. «Als einzige islamische Schule in der Schweiz führen wir den Unterricht vermehrt auf Deutsch durch», erklärte sie. Arabisch, das allen Muslimen als gemeinsame Gebetssprache dient, und Türkisch, das der grösste Teil der islamischen Gemeinschaft in Wohlen als Muttersprache spricht, spielten zwar weiterhin eine wichtige Rolle. «Uns ist es aber wichtig, dass die Kinder von Beginn an verstehen, um was es im Islam und im Koran geht. Deutsch als Unterrichtssprache ist dazu der richtige Weg», meinte Yasemin Duran.

In der Moschee im zweiten Stock des islamischen Zentrums begann derweil das Nachmittagsgebet. Die blau-weissen, mit arabischen Schriftzeichen versehenen Kacheln an den Wänden, die farbig bemalten Balken an der Decke und die protzigen Kronleuchter sind typisch für den türkisch-orientalischen Stil, in dem die Wohler Moschee gehalten ist.

Nach Möglichkeit trifft man sich hier bis zu fünfmal täglich, um gemeinsam zu beten. Zum Gebet ausgerufen wird im Treppenhaus. Einen professionellen Imam gibt es in Wohlen nicht. Während des Gebets versammeln sich die Männer vorne im Raum vor der Mihràb, der gegen Mekka gerichteten Gebetsnische. Die Frauen beten weiter hinten im Raum. Bei Grossanlässen überlassen sie die Moschee ganz den Männern und beten in einem separaten Zimmer. Das sei rein traditionell bedingt und habe nichts mit dem Wert der Frau zu tun, betonte Hamit Duran, der mit seiner Familie regelmässig in die Wohler Moschee kommt.

Gerade was die Stellung der Frau betreffe, kursierten in der Öffentlichkeit zu viele Unwahrheiten, die dem Ruf des Islam hierzulande schadeten, bedauerte er. «Mit Aktionen wie dem Tag der offenen Moschee hoffen wir deshalb, gegenseitige Begegnungen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen fördern und der verbreiteten Angst vor dem Islam entgegenwirken zu können.»

Minarett in Wohlen?

Sich gegenseitig besser kennen lernen konnte man nach dem Rundgang in der Cafeteria des islamischen Zentrums, wo die Freiämter Muslime ihren Gästen gratis türkisches Gebäck, Kaffee und Tee servierten. Eine gute Gelegenheit, um Fragen zu stellen. Etwa jene nach dem potenziellen Minarett-Standort Wohlen. «Ein Minarett in Wohlen muss nicht sein», meinte Hamit Duran. «Wir sind bisher gut ohne ausgekommen und möchten niemanden verärgern.»

Ähnlich sieht das auch Yasemin Duran. «Ich hoffe, dass die weltoffene Schweizer Bevölkerung eines Tages von sich aus auf die islamische Gemeinschaft zukommt und sich mit uns über den Bau von Minaretten unterhält.» Dann könne man vielleicht auch den Standort Wohlen thematisieren. Im Moment sei das aber noch alles andere als dringend.

Meistgesehen

Artboard 1