«Wir betreiben keine Salamitaktik»

Der neue Postchef Michel Kunz spricht im MZ-Interview über den Umbau des Poststellennetzes.

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Aargauer Zeitung

Interview: CHRISTIAN DORER, HANS-PETER WÄFLER

Herr Kunz, in den letzten zehn Jahren hat die Post bereits rund 1000 Poststellen in der Schweiz geschlossen. Warum lassen Sie jetzt erneut 420 Poststellen überprüfen?

Michel Kunz: Es geht um die Prüfung, ob alternative, kundengerechtere Vertriebsformen sinnvoller sind oder ob die Poststelle so belassen werden soll. Unser Ziel ist es nicht, das Postellennetz zu redimensionieren. Wir wollen uns flexibel weiterentwickeln.

Was heisst das?

Kunz: Wir sprechen von Poststellen in ländlichen Gegenden, wo es darum geht, alternative Vertriebsformen aufzubauen. Diese werden von den Kunden geschätzt. Das haben die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt. Zum Beispiel bietet eine Postagentur in einem Dorfladen fast das gleiche Angebot wie eine Poststelle, ist aber länger geöffnet. Beim Haus-Service bringt der Pöstler nicht nur Postsendungen nach Hause, sondern steht direkt vor Ort für Dienstleistungen zu Verfügung, für die der Kunde sonst selber zu einem Postschalter gehen müsste.

Wie viele Agenturen statt Poststellen soll es geben?

Kunz: Wir haben uns keine quantitative Zielsetzung gegeben. Wir überprüfen im Dialog mit den Gemeinden im Laufe der nächsten drei Jahre 420 Poststellen - und dann werden wir sehen, wie viele durch Agenturen ersetzt werden und wo es einen Haus-Service geben wird.

Wie viel wollen Sie so sparen?

Kunz: Auch das haben wir nicht quantifiziert. Nochmals: Für mich handelt es sich nicht primär um eine Sparmassnahme, sondern um eine Weiterentwicklung des Poststellennetzes. Die effektiven Einsparungen werden sich in Grenzen halten. Denn die Poststellen, die betroffen sind, sind kleinere Poststellen.

Aber läuft es nicht doch auf einen schrittweisen Abbau
im Postellennetz hinaus?

Kunz: Nein, wir betreiben keine Salamitaktik, sondern suchen gute Lösungen. Und wenn uns die Gewerkschaft Kommunikation vorwirft, zum Kahlschlag beim Poststellennetz anzusetzen, dann stimmt das nicht. Denn der Kernauftrag der Post bleibt es, eine gute, flächendeckende Versorgung oder eben den Service public sicherzustellen - und diesen Auftrag wollen wir weiterhin wahrnehmen.

Post-Verwaltungsratspräsident Claude Béglé hat eine Art Deal vorgeschlagen: Bekommt die Post eine Banklizenz, lässt sich so auch das Poststellennetz finanzieren.

Kunz: Er hat das plakativ formuliert, um die Diskussion über eine Postbank in der Öffentlichkeit prägnant zu führen. Wir brauchen starke Ertragspfeiler im Unternehmen, um die Dienstleistungen zu finanzieren, welche die Schweizer Bevölkerung von uns erwartet. Ein wesentlicher Ertragspfeiler ist nach wie vor unsere Monopolrente bei der Briefpost in der Schweiz. Der andere ist die Postfinance. So ist auch die Aussage von Herrn Béglé zu verstehen: Helft uns, die unternehmerische Freiheit zu bekommen, um die Postfinance weiterzuentwickeln - das hilft der Post als Ganzes.

Auf die Anzahl Poststellen, die es künftig geben wird, lässt sich
das nicht direkt übertragen?

Kunz: Nein, es besteht kein direkter Zusammenhang. Es geht uns um die Finanzkraft der Post, um den Service public langfristig mit eigenen Mitteln sicherzustellen.