«Wir Aargauer profitieren von den anderen»

Die Mehrheit der Politiker findet, der Aargau soll 4,9 Millionen Franken in die Zürcher und Luzerner Kultur investieren.

Maja Sommerhalder

«Gar nichts halte ich davon», sagt Andreas A. Glarner, Fraktionspräsident der SVP, auf die Frage, ob der Aargau fast fünf Millionen Franken für die Zürcher und Luzerner Kulturinstitutionen bezahlen soll. «Es kann doch nicht sein, dass wir für Produktionen aufkommen müssen, die niemand sehen will. Wenn Kultur nicht selbsttragend ist, ist sie einfach zu teuer.»

Sein Partei-Kollege Beat Unternährer sieht dies anders: «Man hat mit den anderen Kantonen einen guten Vertrag ausgehandelt. Wir hätten auch schlechter wegkommen können.» Die Aargauer würden von der ausserkantonalen Kultur profitieren. «Natürlich gibt es bei uns auch kulturelle Institutionen. Aber das Angebot ist nun mal nicht mit Zürich oder Luzern vergleichbar», sagt der Grossrat und Kulturpolitiker. Gemischte Gefühle hat FDP-Grossrätin Maja Wanner: «Ich akzeptiere den Kulturlastenausgleich nur ungern.» Eigentlich sei es richtig, dass der Aargau für die Zürcher und Luzerner Kultur aufkommen muss: «Wir erhalten ja auch Finanzausgleich von den anderen Kantonen.» Trotzdem: «Der Aargau dreht jeden Rappen zwei Mal um, wenn es um Kultur geht. Da sorgt es natürlich unter den Kulturschaffenden für Unmut, wenn Millionen in die anderen Kantone fliessen», so die Kulturpolitikerin.

Kulturgenuss kennt keine Grenzen

Die Kulturschaffenden würden keine Kantonsgrenzen kennen, sagt hingegen Kulturpolitiker Thomas Leitch-Frey (SP): «Ich glaube nicht, dass sie sich daran stören. Schliesslich sind viele von ihnen nicht nur in den Aargauer Häusern tätig.» Ähnlich sieht es auch Peter Voser, Fraktionspräsident CVP-BDP: «Man investiert viel Geld in die Aargauer Kultur.» Es sei logisch, dass man auch andere Kantone unterstützt: «Wir Aargauer profitieren davon. Ich selbst gehe auch gerne ins Zürcher Opernhaus oder ins KKL Luzern.» Die Höhe des Kulturlastenausgleiches müsste man allerdings noch überprüfen.

So sieht es auch SP-Grossrat Manfred Dubach. «Das wird sicher noch zu Reden geben. Aber ich gehe mal davon aus, dass der Kanton richtig verhandelt hat», sagt der Kulturpolitiker, der den Kulturlastenausgleich befürwortet: «Natürlich nutzen auch Menschen aus anderen Kantonen unsere Kulturinstitutionen. Aber wir fahren trotzdem häufiger nach Zürich oder Luzern.»

Für den SP-Fraktionspräsidenten Dieter Egli sind die Kultur-Millionen unumgänglich: «Über kurz oder lang verpflichtet uns der Bund dazu.» Auch die Grünliberale Partei unterstützt den Kulturlastenausgleich. «Wir denken, dass die Regierung die Sachlage richtig eingeschätzt hat und für den Kanton Aargau eine finanziell gut tragbare Lösung erreichen konnte», so Felix Jenni, Grossrat und Co-Präsident.

Dieser Meinung ist auch die grüne Grossrätin Eva Eliassen Vecko. «Ich investiere lieber in die Kultur als in gewisse andere Sachen.» Allerdings findet es die Fraktionspräsidentin schade, dass nur die ganz grossen Häuser unterstützt werden: «Man sollte auch Geld in die kleine Institutionen stecken und nicht nur in die sogenannten Leuchttürme.»

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