«Raviver la flamme», die Flamme neu entfachen: Das will das Komitee der Olympia-Kandidatur «Sion 2026», das die Winterspiele zum ersten Mal nach 1948 wieder in die Schweiz holen möchte. Doch noch bevor die Flamme überhaupt entfacht worden ist, giessen neue Bedenken über die finanziellen Auswüchse des Mega-Events mächtig Öl ins olympische Feuer. Bernard Rüeger, Vizepräsident des Organisationskomitees «Sion 2026», sagte am Mittwochabend im Westschweizer Fernsehen RTS, dass die Olympia-Verfechter bislang zu optimistisch budgetiert hätten. Statt den angegebenen Kosten von 1,98 Milliarden Franken dürfte die Durchführung der Olympischen Winterspiele in Sion satte 2,4 Milliarden kosten. Die zusätzlich notwendigen gut 400 Millionen entfielen zu rund drei Vierteln auf die Sicherheitsvorkehrungen.

Unberechenbare Kosten

Für die Bündner SP-Nationalrätin und Olympia-Gegnerin Silva Semadeni ist daher klar: «Übung abbrechen! Fremdbestimmte Olympische Spiele zu organisieren, beinhaltet das grösstmögliche finanzielle Risiko, das ein Staat eingehen kann.» Gerade die Sicherheitskosten würden den gesetzten Rahmen praktisch bei allen Spielen sprengen. Semadeni verweist auf die Winterspiele in Vancouver 2010. Die kanadischen Organisatoren budgetierten ursprünglich 200 Millionen Dollar für die Sicherheit und gaben letztlich rund eine Milliarde aus. «Gerade in der heutigen Zeit der Terroranschläge sind die Sicherheitskosten kaum berechenbar», sagt Nationalrätin Semadeni.

Entschieden anders blickt der Berner SP-Ständerat Hans Stöckli auf die neue Budget-Debatte. Stöckli ist Vize-Präsident des Vereins «Sion 2026» und glühender Verfechter der Idee, die Winterspiele ins Wallis zu holen. Die Behauptung, das Olympia-Komitee hätte nicht richtig budgetiert, weist er als «Falschmeldung» zurück. Stöckli präzisiert: «Die Kosten wurden von Anfang an immer transparent kommuniziert.» Das Organisationsbudget, welches im Verantwortungsbereich des Vereins «Sion 2026» liege, betrage unverändert 1,98 Milliarden Franken. «Dazu kommen die Sicherheitskosten der Kantone und des Bundes von voraussichtlich 303 Millionen und die Investitionen in den Kantonen Wallis und Waadt von zirka 100 Millionen», sagt Stöckli.

Fremde Polizisten während Olympia

Ob diese zusätzlichen Millionenbeträge reichen würden, um während der Spiele für Sicherheit in der Schweiz zu sorgen, das zweifelt ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) an. Die rund 2500 Polizisten, die im Schnitt während 60 Tagen im Einsatz stünden, würden zu einer «Ausdünnung von Sicherheitskräften» und zu höheren Risiken in verschiedenen Gebieten führen, hält das VBS fest. Die kantonalen Polizeikorps und die Armee kämen an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Schweiz wäre auf die Unterstützung ausländischer Polizisten angewiesen.

Auch das VBS zweifelt an, ob die veranschlagten Kosten wirklich realistisch seien und verweist auf das Beispiel der Winterspiele in Vancouver 2010. Ein Vergleich mit früheren Spielen sei zwar schwer. Vancouver aber zeige, dass die Kosten oft «deutlich höher» seien, als die Prognosen ursprünglich vermuten liessen.

Das Internationale Olympische Komitee wird die Winterspiele 2026 im Sommer 2019 vergeben. Neben Sion bewerben sich auch Calgary, Lillehammer, Sapporo und Almaty als Austragungsorte. Innsbruck musste seine Kandidatur zurückziehen, nachdem die Tiroler Stimmbevölkerung dem dortigen Olympia-Dossier Mitte Oktober eine Absage erteilte. 53 Prozent der Wähler sagten Nein zu Olympia. Eines der Hauptargumente der Tiroler Olympiagegner: die Angst vor ausufernden Kosten.