Israel
Will Israel Iran bombardieren?

Gemäss einer Titelgeschichte im angesehenen US-Magazin «The Atlantic» plant Israel einen Militärschlag gegen Iran – und das bereits innerhalb der nächsten 12 Monate.

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Aargauer Zeitung

Renzo Ruf, Washington

Vor einigen Tagen lud der US-Präsident eine Gruppe einflussreicher Kolumnisten zur informellen Lagebesprechung ein. Das Thema: Iran. Die Botschaft an die versammelten Journalisten, denen ausdrücklich erlaubt wurde, über die Sitzung im Weissen Haus zu schreiben: Die USA üben nach wie vor starken Druck auf die Mullahs in Teheran aus.

Barack Obama habe den Eindruck erwecken wollen, dass sein diplomatisches Vorgehen Erfolg zeitige - aufgrund der harten Wirtschaftssanktionen rege sich langsam der Zorn der Bevölkerung, fasste der Falke Robert Kagan die Kernbotschaft des Präsidenten in der «Washington Post» zusammen. Früher oder später werde Teheran einlenken müssen.

Einer der Teilnehmer dieser ungewöhnlichen Sitzung war Jeffrey Goldberg, langjähriger Beobachter des Mittleren Ostens und ebenfalls ein Falke. Er verliess das Treffen unbeeindruckt. In der Titelgeschichte der neusten Ausgabe des angesehenen Magazins «The Atlantic» erklärt er nun ausführlich, wieso: Goldberg glaubt, dass Israel die Angelegenheit in den nächsten zwölf Monaten selber in die Hand nehmen und Iran bombardieren werde.

Dutzende Gespräche mit Politikern

Diese Schlussfolgerung zog er aus Dutzenden von Gesprächen mit hochrangigen israelischen und amerikanischen Politikern, darunter auch Premier Benjamin Netanjahu. Goldberg verweist darauf, dass Israel damit bereits zweimal Erfolg gehabt habe: 1981 bombardierten die Streitkräfte einen irakischen Reaktor in Osirak. 2007 legten Kampfjetpiloten eine Atomanlage in Syrien in Schutt und Asche.

Netanjahu, so Goldberg, zweifle zudem an der Durchschlagskraft der Sanktionen. Sollten diese bis Ende Jahr keine vorzeigbaren Erfolge bringen, werde er ein militärisches Vorgehen gegen die iranischen Reaktoranlagen ins Auge fassen - auch ohne grünes Licht aus Washington. Nötigenfalls würde Netanjahu also den Bruch mit dem einflussreichsten Verbündeten riskieren, schreibt Goldberg - aus Angst um das Überleben des jüdischen Staates.

Aber viel lieber noch würde Israel auf die Hilfe des Weissen Hauses zurückgreifen. Denn ein Iran mit Atomwaffen würde letztlich auch Amerikas Einfluss im Nahen und Mittleren Osten aufs Spiel setzen.

Goldberg zitiert den Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Washington, der vor kurzem sagte: «In der Region gibt es viele Länder, die sich Iran rasant annähern würden, falls die USA ihnen nicht mehr die Sicherheit geben, Iran zu konfrontieren.»

Das Weisse Haus schweigt

Das Weisse Haus will öffentlich nicht über einen Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen sprechen. Stabschef Rahm Emanuel aber versicherte Goldberg: «Wenn wir sagen ‹Alle Optionen sind auf dem Tisch›, dann meinen wir, dass alle Optionen auf dem Tisch sind.»

Oberstes Ziel des Präsidenten sei es, die Mullahs davon abzuhalten, in den Besitz von Nuklearwaffen zu kommen. Dazu werde er alles tun. Andererseits müsste Obama zuerst das Verteidigungsministerium von der Notwendigkeit eines solchen Schritts überzeugen.

Jüngst sagte Mike Mullen, Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs, dass ein Militärschlag gegen Iran ernsthafte und schwer voraussehbare Auswirkungen auf den Mittleren Osten haben könnte.

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