Landesausstellung

Will der Bundesrat im Jahr 2027 überhaupt eine Landesausstellung? Die Expo-Macher warten auf ein Zeichen aus Bern

Guy Parmelin prüft, wem er das Expo-Dossier übergeben kann.

Guy Parmelin prüft, wem er das Expo-Dossier übergeben kann.

Vier konkurrierende Projekte für eine Landesausstellung sind mit einem Bittschreiben an den Bundesrat gelangt.

Die Ansätze sind unterschiedlich, doch das aktuelle Problem ist ihnen gemeinsam: Die Initianten der vier Projekte für eine Landesausstellung im Jahr 2027 vermissen ein klares Bekenntnis des Bundesrates, dass dieser eine Expo wirklich wolle.

Gemeinsam haben die Projektverantwortlichen der Regierung einen Brief geschrieben, in dem sie mehr Klarheit fordern. Mit welchen öffentlichen Mitteln könne eine Expo rechnen? Zu welchem Zeitpunkt der Entwicklung ist der Bund bereit, sich finanziell zu beteiligen? Welche Rolle wolle der Bund in der Trägerschaft spielen?

Ein Finanzdesaster wie bei der Expo.02 soll verhindert werden

Die Antworten liegen eigentlich vor. Sie wurden erstmals 2005 formuliert in einem Bericht der Finanzkontrolle, die das Finanzdesaster der Expo.02 untersuchte. Diese endete mit einem Verlust von rund 900 Millionen Franken. Seither werden einzelne Textbausteine in Antworten auf die wiederkehrenden parlamentarische Anfragen eingebaut: Bis zu einer Million Franken werde der Bund für eine Landesausstellung aufbringen, allerdings nur die Hälfte des Gesamtbudgets. «Ideelle Unterstützung» könne mit einer Projekteingabe erwartet werden, für eine finanzielle Unterstützung seien Machbarkeitsstudien «zwingend». Die Verantwortung soll zudem bei den Veranstaltern bleiben. Auf Anfrage ergänzt das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), Voraussetzung sei auch die Unterstützung der Konferenz der Kantonsregierungen.

Der Bottom-up-Ansatz als Lehre aus der Expo.02-Debakel mag die neuen Promotoren nicht überzeugen; schliesslich handle es sich um eine «Landesausstellung». Ihnen ist unklar, wie die Landesregierung derzeit zu einem Expo-Projekt steht. Johann Schneider-Ammann hatte als Wirtschaftsminister dem Dossier noch eine gewisse Beachtung geschenkt. Der Wechsel zu Guy Parmelin als Departementsvorsteher habe keinen Einfluss auf die Haltung des Bundesrates, erklärt nun das Seco. Die Regierung sei aber im Begriff, die Zuständigkeit für das Dossier zu klären, und werde sich zu gegebener Zeit dazu äussern.

Vier komplett verschiedene Projekte

Die vier Expo-Ideen sind gänzlich unterschiedlich. «Svizra27» baut auf den traditionellen Strukturen der Nordwestschweizer Wirtschaftsverbände. «X27» wird konzeptionell gegenläufig von der Kreativwirtschaft getragen, die eine Expo auf dem Dübendorfer Flughafen vorschlägt. «Nexpo» wiederum ist von den Städten angeregt und dezentral angelegt. Die Anti-Urbanisten finden sich «Muntagna», dem jüngsten Entwurf, der eine Alpen-Expo vorsieht.

Alle müssten das Profil noch schärfen, sagt Yves Bisang, Geschäftsführer von «Nexpo». Für alle ist das laufende Jahr aber trotz Coronakrise das entscheidende, um Geld für die teuren Machbarkeitsstudien zu akquirieren. «Svizra27» hatte sich Anfang Jahr mit einer Medienkonferenz noch Präsenz in der Öffentlichkeit geschafft. «X27» sucht «5000 Pioniere», die je 100 Franken einzahlen, um in der Basis eine kritische Grösse zu erreichen. Doch erst knapp 400 konnten bisher gewonnen werden. Ohne öffentlichkeitswirksamen Support steht die Hürde hoch.

«Nexpo» hat die zweite «Fundierungsphase» gestartet und kann sieben weitere Städte als Mitglieder vermelden. Für die kommenden drei Jahre sind Aufwendungen von 4,5 Millionen Franken budgetiert. Aber erst eine Million Franken ist zugesagt und die Städte haben andere Sorgen, als sich um eine mögliche Beteiligung an einer Expo im Jahr 2027 zu kümmern.

Die Hoffnung liegt beim Bundesrat, dass er im Rahmen seines Krisenbewältigungsprogramms auch den Expo-Plänen einen Schub verleiht. Doch das Seco sagt: Mit dem Covid-19 habe die Expo 27 an Priorität verloren.

Autor

Christian Mensch

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