Verkehrsunfälle
Wieso Frauen im Strassenverkehr deutlich gefährdeter sind

Das Risiko von Frauen, sich bei Verkehrsunfällen zu verletzen, ist im Vergleich zu Männern markant höher. Das zeigte eine neue Studie der Suva. Besonders gefährdet sind sie am frühen Morgen zwischen 7 und 8 Uhr.

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Die gute Nachricht zuerst: In den vergangenen Jahren ist das Risiko zurückgegangen, auf Schweizer Strassen zu verunfallen: Bei Männern um 26 Prozent, bei Frauen um 15 Prozent. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva). Sie konzentriert sie sich auf die Auswertung der Zwischenfälle mit verletzten Arbeitstätigen (Autofahrern) im Alter von 18 bis 64 Jahren. Trotzdem: Insgesamt gibt es jährlich 53 000 Verletzte nach Verkehrsunfällen.

Die Erhebung beginnt im Jahr 1991, als die Zahl der verunfallten Männer noch deutlich höher lag als die der Frauen. Nachdem 1998 gleich viele verletzte Männer und Frauen gezählt wurden, stieg der Anteil Letzterer kontinuierlich und lag in der letzten Erhebung 2010 bei 55 Prozent. Dabei ist zu bedenken, dass die Zahl der erwerbstätigen Frauen in den letzten 20 Jahren grösser wurde, dennoch ist die Entwicklung der Verletztenzahlen auffällig, ihr Risiko hat das der Männer überflügelt.

Mehr als doppelt so viele Verletzte

Nur in der Erhebung der Schwerverletzten als Arbeitsausfall von mindestens 21 Tagen deklariert – der Altersklasse der 18- bis 24-Jährigen liegen die Frauen noch leicht hinten. In den Altersklassen 25 bis 44 Jahre und 45 bis 64 Jahre ist ihr Risiko mehr als doppelt so hoch, Gleiches gilt für das Total der Verletzten: Auf vorgenanntes Verhältnis gemünzt heisst das in realen Zahlen: Auf 3 verletzte Männer nach einem Verkehrsunfall kommen 8 verletzte Frauen. Da Frauen im Durchschnitt markant weniger weit fahren als Männer, beziehen sich die Berechnungen auf das Verhältnis von 10 Millionen gefahrenen Kilometern.

Eine besondere Häufung von Unfällen mit verletzten Frauen findet sich im Morgenverkehr zwischen 7 und 8 Uhr, das Verletzungsrisiko ist zu dieser Tageszeit dreimal so hoch wie bei Männern. Die Studie hat dafür «keine so naheliegende Erklärung» wie für die Risikospitze bei den Männern im Abend- und Nachtverkehr (Übermüdung, schlechte Sichtverhältnisse, Alkohol). Der Verfasser stellte die Hypothese auf, wonach dies unter anderem auf die Stressanfälligkeit und die - im Geschlechtervergleich – erwiesene Schwäche im räumlichen Orientierungsverhalten zurückzuführen ist.

bfu kritisiert die Studie

Die Suva fordert nun Prävention für berufstätige Frauen – und erntet Kritik vonseiten der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu). Diese hatte zwar vor einem Jahr die erhöhten Unfallzahlen von Frauen vermeldet, sieht die Lenkerinnen jedoch mehr als Opfer denn als Verursacherinnen von Verkehrsunfällen, wie sie mitteilt.

Bei Unfällen, in denen ein Automobilist und eine Autofahrerin direkt miteinander kollidieren – «was die einzige Möglichkeit bietet, die Schuldfrage nach Geschlecht unverfälscht zu untersuchen» – sei in 54 Prozent der Fälle der Mann alleine verantwortlich. In 40 Prozent der Fälle sei es die Frau, und für den Rest teilten sich Frau und Mann die Schuld.

Die absoluten Zahlen sagen anderes aus

Zudem bildeten für die Ausrichtung der Unfallprävention die absoluten Unfallzahlen die relevante Grösse, nicht die relativen Risiken, auf die sich die Suva stütze. Analysiere man die absoluten Unfallzahlen, biete sich ein eindeutiges Bild: Zwei von drei schwerverletzten oder getöteten Autofahrern seien Männer, 36 Prozent Frauen.

Einschneidend sind die Folgen von Verkehrsunfällen mit Verletzungsfolgen derweil nicht nur für die Betroffenen, sondern auch aus finanzieller Sicht: Pro Jahr zahlen die Unfallversicherer im Schnitt über 800 Millionen Franken dafür.

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