Solothurn
Wiesen werden noch «grüner»

Immer mehr Solothurner Bauern säen Blumen statt Weizen. Grund: Der Bund hat seine Beiträge an ökologische Ausgleichsflächen markant erhöht. Jetzt verstärkt auch der Kanton sein Engagement und hilft den Bauern, sich zu vernetzen.

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Wiese

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Solothurner Zeitung

Stefan Frech

Schmetterlinge flattern auf blühende Margeriten, Grillen zirpen, Vögel zwitschern. Gestört wird diese Idylle in der Bettlacher «Witi» nur durch einen Tross aus Behörden und Journalisten, die sich vom Bettlacher Landwirt Erich Walker eine der vielen ökologischen Ausgleichsflächen im Kanton zeigen lassen. «Wir produzieren hier Natur, nicht Nahrungsmittel.» Das zwei Hektaren grosse Rückzugsgebiet für Pflanzen und Tiere liegt einsam inmitten der traditionellen Ackerflächen, wo Weizen, Mais und Erbsen wachsen. Nicht mehr lange: Im Gebiet Bettlach-Altreu machen bereits 30 von 38 Bauern in einem regionalen Vernetzungsprojekt mit. Damit sollen die Ausgleichsflächen überbetrieblich koordiniert und vergrössert werden.

Mehr Dünger für Artenvielfalt

Bereits seit 2001 schüttet der Bund Geld aus, wenn Bauern ihre ökologischen Ausgleichsflächen untereinander vernetzen. 2008 erhöhte der Bund seine Beiträge. Bis dahin kamen im Kanton Solothurn nur wenige Vernetzungsprojekte zustande. Nicht nur war der finanzielle Anreiz für die Bauern zu gering, auch der Kanton legte seine Priorität mehr auf das Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft. Am Dienstag hat nun der Regierungsrat beschlossen, sich finanziell stärker zu beteiligen (0,5 statt 0,1 Mio. Franken jährlich). Auch geht der Vollzug vom Raumplanungs- ans Landwirtschaftsamt über. (sff)

Natur statt Nahrung lohnt sich jetzt

Grund für das steigende Interesse der Landwirte: Aufs Jahr 2008 hat der Bund seine «Vernetzungsbeiträge» von 500 auf 1000 Franken pro Hektare verdoppelt. So viel erhält ein Bauer zurzeit auch, wenn er Weizen anbaut. Damit ist also der Anreiz stark gestiegen, sich für die Erhaltung und Förderung der natürlichen Artenvielfalt zu engagieren. «Bereits heute werden im gesamten Kanton Solothurn 13 Prozent der Flächen extensiv bewirtschaftet», erklärt Peter Brügger, Sekretär des Solothurnischen Bauernverbands. Dies dank den Direktzahlungen des Bundes (seit 1999) und dem kantonalen Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft (seit 1992). Durch die Vernetzungsprojekte soll der Anteil der ökologischen Ausgleichsflächen nun aber nochmals erweitert werden, wie Regierungsrätin Esther Gassler erklärte.

Der Kanton hat vom Bund die Aufgabe gefasst, sich mit 20 Prozent an den «Ökoqualitätsbeiträgen» zu beteiligen (rund 0,5 Mio. Franken pro Jahr). Ausserdem muss er konkrete Anforderungen für die Bauern entwerfen und den Vollzug kontrollieren. Neu übernimmt diese Aufgabe das Amt für Landwirtschaft.

Zurzeit laufen sechs Projekte

Das Vernetzungsprojekt Bettlach-Altreu läuft bereits seit 2006: Für fast zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche (654 Hektaren) wurden Vereinbarungen mit Landwirten geschlossen und Vernetzungsbeiträge ausbezahlt. Koordiniert wird das Ganze von einer Trägerschaft, in diesem Fall von der Regionalplanungsgruppe Grenchen-Büren. An der Basis arbeitet eine Arbeitsgruppe aus Landwirten, Gemeindevertretern, Naturschützern oder Jägern. Geleitet wird sie vom Bettlacher Bauern Walker.

Laut Werner Wehrli, Leiter Strukturverbesserungen im Amt für Landwirtschaft, laufen zurzeit im ganzen Kanton sechs Vernetzungsprojekte (Grenchen, Bettlach-Altreu, Wasseramt, Limpachtal, Welschenrohr und Bättwil-Witterswil). Vier weitere befinden sich in Arbeit und in sieben Regionen besteht bereits ein Interesse. Die dortigen Bauern entscheiden frei, ob sie sich beteiligen wollen. Nach sechs Jahren wird entschieden, ob das Projekt weitergeführt wird - nicht zuletzt aufgrund einer Evaluation, ob die Artenvielfalt zugenommen hat.