«Affäre Thorberg»
Wie wird man eigentlich Gefängnisdirektor?

Der Chef der Strafanstalt Thorberg musste seinen Sessel räumen. Sein Nachfolger hat keine leichte Aufgabe - er hat den Spagat zwischen Härte und Fingerspitzengefühl zu bewältigen. Früher hätte er sogar einen bestimmten Beruf haben müssen.

Antonio Fumagalli
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Der Eingang zur Strafanstalt Thorberg (Symbolbild)

Der Eingang zur Strafanstalt Thorberg (Symbolbild)

Keystone

Der Paukenschlag in der «Affäre Thorberg» erfolgte am Montag: Gefängnisdirektor Georges Caccivio musste seinen Posten per sofort räumen, aufgrund verschiedener Verfehlungen war er für den Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser untragbar geworden.

Die Leitung übernahm der bisherige Vize Klaus Emch. Offen ist, ob er auch längerfristig im Amt bleiben kann, zumal eine externe Untersuchung zu den Ereignissen läuft.

Doch was muss man für den Posten eigentlich für einen Rucksack mitbringen? Bis weit ins letzte Jahrhundert hinein wäre die Antwort - wenn auch nicht abschliessend - klar gewesen: Ein Gefängnisdirektor sollte Agronom sein. Denn Strafanstalten waren (und sind heute noch) auch grosse Landwirtschaftsbetriebe, oftmals sogar die grössten im Kanton - und das hierfür nötige Fachwissen des Leiters wurde damals von den zuständigen Behörden stärker gewichtet.

Konsequenz- und Fingerspitzengefühl

Heutzutage ist das Bild komplexer, einen allgemein verbindlichen Kriterienkatalog gibt es weiterhin nicht. Unter den Gefängnisdirektoren finden sich ausgebildete Sozialarbeiter, Juristen, Theologen. «Es braucht eine Mischung aus Fingerspitzengefühl und Konsequenz», sagt Urs Hofmann, zuständiger Regierungsrat im Kanton Aargau. Dazu müsse ein Bewerber Führungskompetenz und Nervenstärke mitbringen, schliesslich habe er innert kurzer Zeit gewichtige Entscheidungen zu treffen.

In der Tat ist kaum ein Bereich so hierarchisch organisiert wie eine Strafanstalt. Nutzt der Chef seinen Einfluss - wie mutmasslich im Fall Thorberg - aber, um einzelne Häftlinge zu begünstigen, ist er schnell erledigt. «Die Macht eines Gefängnisdirektors ist viel kleiner, als man meinen könnte. Er ist darauf angewiesen, dass er von Insassen und Angestellten akzeptiert wird», sagt Peter Aebersold, langjähriger Professor für Strafvollzugsrecht.

Noch gibt es praktisch keine Frauen an der Spitze von Männergefängnissen. Für Aebersold ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis sich das Verhältnis angleicht - mit positiven Auswirkungen auf die Sozialstruktur. «Viele Häftlinge sind Machos. Da gehört es dazu, dass man sich gegenüber Frauen galant verhält.»