Polizei
Wie weiter mit der Regionalpolizei Spreitenbach?

Die vom Kanton definierten Sicherheitsstandards können von einer kleinen Regionalpolizei nicht erfüllt werden. «Die Situation ist nicht einfach», sagt Werner Bertschi, Chef Regionalpolizei Spreitenbach. Er und der Gemeinderat haben drei Lösungsvorschläge ausgearbeitet. Welcher realisiert wird, ist noch offen.

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Polizeichef Werner Bertschi

Polizeichef Werner Bertschi

Aargauer Zeitung

Dieter Minder

Das Korps von Polizeichef Werner Bertschi besteht aus acht Leuten, sieben uniformierten Polizisten und einer Zivilangestellten. «Wir sind eine eher kleine Repol.» Mit diesem Team kann er den Betrieb, bei hoher Präsenz an der Öffentlichkeit, momentan gewährleisten. Die zeitliche Belastung der Polizisten ist jedoch sehr hoch. Die Repol ist für Bergdietikon, Killwangen und Spreitenbach zuständig. In diesem Gebiet wohnen rund 14 500 Personen. Dazu kommen zirka 6700 Personen an den Arbeitsplätzen und bis zu 16 000 Kundinnen und Kunden, die täglich die Einkaufszentren von Spreitenbach besuchen. Bei der Polizei herrscht Personalmangel.

Blicke in die politische Zukunft

Gemeinderat präsentierte wichtige Themen. Erstmals fand der traditionelle Spreitenbacher Politapéro unter Leitung von Gemeindeammann Josef Bütler statt. Rund 120 Personen waren dazu ins katholische Pfarreiheim gekommen. Vorgestellt wurden die Hauptthemen, die der neu zusammengesetzte Gemeinderat auf die politische Traktandenliste gesetzt hatte. Es waren dies die Tagesstrukturen der Schule, die Rechnung 2008, die Aufgaben der sozialen Dienste, insbesondere bei Sozialhilfebezügern, die Regionalpolizei und die Kindertagesstätte Groppenacker. (dm)

«Momentan sind bei den Repols im Aargau mindestens zehn Stellen nicht besetzt», sagt Bertschi. Wenn ein Polizist weggeht, kann er kaum ersetzt werden. Das spüren insbesondere die kleinen Korps mit ihrer recht hohen zeitlichen Belastung. Die Ausbildung eines Polizeaspiranten dauert anderthalb Jahre. «Es ist fast unmöglich, die Leute innert nützlicher Frist zu ersetzen.»

Hohe Forderungen

«Die Standards 1 und 2 sind für uns sehr problematisch», sagt Bertschi (siehe Kasten Standards). Mit acht Leuten können sie nicht erfüllt werden. Schon heute erfüllt die Repol die Standards 3 und 4. Bertschi und Daniel Bodenmann sind rund um die Uhr erreichbar und mit 37% übertreffen die Spreitenbachher die Präsenzforderung des Kantons. «In diesem Jahr wollen wir sie auf 40% steigern.» Von welchem Zeitpunkt an die Standards gelten, ist noch nicht entschieden.

«Mit unserem Personalbestand können wird die Standards nicht erfüllen», sagt Berschi. Das Einzelpikett ist, so Bertschi, ein erhöhtes Risiko. Durchschnittlich einmal pro Nacht muss der Pikettmann ausrücken. Wenn die Repol nicht mehr in der Lage ist, ihren Auftrag zu erfüllen, würde der Kanton einschreiten. Dies war Anfang Jahr Würenlos passiert, das sich in der Folge Wettingen anschloss. Damit ist das Fazit für Bertschi und den Gemeinderat klar: «Es besteht Handlungsbedarf.»

Sicherheitsstandards

Der Kanton hat vier Standards formuliert, die künftig für die Regionalpolizeien gelten sollen:

1. permanente Zweierpikette

2. Wochenend- und Nachtpatrouillen Freitag und Samstag

3. Chef und Stellvertreter müssen durchgehend erreichbar sein

4. uniformierter Präsenzanteil auf der Strasse mindestens 30% (Fusspatrouillen oder Fahrzeugpatrouillen)

Drei Varianten für die Zukunft

An der Klausurtagung haben Gemeinderat und Polizei das Thema behandelt. Sie sehen drei Lösungsvarianten: 1. Das Korps wird aufgestockt; 2. es wird eine Zusammenarbeit mit einem Nachbarkorps gesucht oder 3. die Repol schliesst sich mit einer Nachbarrepol zusammen. Teurer dürfe es auf jeden Fall werden. Die Repol Spreitenbach kostet rund 55 Franken pro Einwohner und Jahr, der Kanton verlangt für seine Dienste 180 Franken.

Blick über die Grenzen

Für eine intensivere Zusammenarbeit oder einen Zusammenschluss kommen die beiden benachbarten Repols Rohrdorferberg-Reusstal oder Wettingen infrage. Der sich geografisch anbietende Anschluss an Dietikon ist keine Option. Das brauchte einen Staatsvertrag zwischen den Kantonen Aargau und Zürich. Der aargauische Regierungsrat lehnt solche Kooperationen ab, solange sich innerkantonale Lösungen anbieten. Bertschi verwies auf entsprechende Fragen aus dem Publikum auf die abgelehnte Idee der Aarburger, sich Olten anzuschliessen.

Regionalpolizei Spreitenbach

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