1. Wer ist ein Raser?

Wer krass zu schnell fährt (siehe unten), der bekommt zwingend eine Freiheitsstrafe aufgebrummt. Ausserdem verliert der Raser seinen Führerausweis für mindestens zwei Jahre und der Richter kann sein Fahrzeug einziehen. So will es das 2013 verschärfte Strassenverkehrsgesetz.

2. Wie viele Raser wurden seit 2013 verurteilt?

Bis Ende letztes Jahr wurden 1535 Raser zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik, die der "Nordwestschweiz" vorliegen.

3. Wie viele Raser mussten ins Gefängnis?

89 Prozent (1367 Fahrer) erhielten eine bedingte Strafe. 4,6 Prozent (71) bekamen unbedingt und 6,3 Prozent (97) teilbedingt. Mit anderen Worten: Knapp jeder zehnte Raser muss in Haft.

4. Wieso gibt es so viele bedingte Strafen?

Täter müssen in der Regel nur im Wiederholungsfall zwingend ins Gefängnis. Wer nicht vorbestraft ist, bekommt höchstwahrscheinlich eine bedingte Strafe aufgebrummt.

5. Welcher Kanton spricht die meisten Raser-Strafen aus?

Am häufigsten muss sich die Waadt mit Rasern beschäftigen: Mit 241 Raser-Strafen rangiert der Kanton vor Zürich (206). Auf Platz drei folgt Genf (189).

Betrachtet man die Zahl der Strafen im Verhältnis zur Einwohnerzahl, schwingt Graubünden obenaus: 0,5 Sanktionen pro 1000 Einwohner. Es folgen Genf und Fribourg (je 0,4).

6. Am meisten Raser wurden 2015 verurteilt. Wie ist dieser Anstieg zu erklären?

Das Raser-Gesetz gilt erst seit 2013. Die ersten 50 Strafen wurden noch im selben Jahr ausgesprochen. Im Jahr darauf gab es schon deutlich mehr Urteile. Auch 2015 stieg die Zahl nochmals an. Seither scheint sie sich auf diesem Niveau eingependelt zu haben. Ein Grund könnte sein, dass nach der Verhaftung manchmal monatelange Ermittlungen nötig sind. Bis ein Urteil fällt, dauert es entsprechend lange.

Im Kanton Zürich stieg die Zahl der Strafen von 2014 auf 2015 um 75 Prozent. Aussergewöhnlich ist der Grund dafür. Jürg Boll, Leiter Strassenverkehr bei der Zürcher Staatsanwaltschaft, sagt: "Die Erhöhung ist darauf zurückzuführen, dass viele Raser ihre Geschwindigkeitsexzesse auf Video aufgenommen haben." Er spricht von einer "starken Zunahme der Filme", die man seit Frühjahr 2015 beobachte. Damals verhaftete die Zürcher Polizei zwei Autofahrer, die sich ein Rennen lieferten. Auf den Handys entdeckten die Polizisten Hunderte Filme von Autorennen. Eine Spezialtruppe sucht seit Februar 2016 auch in den sozialen Medien und Webforen nach Hinweisen auf Raser. Meist dokumentiere der Beifahrer die Fahrt. Seltener filme der Fahrer selbst, sagt Boll.

7. Das Raser-Gesetz wird derzeit überarbeitet: Wieso?

Bundesrat und Parlament sind der Überzeugung, dass das Raser-Gesetz zu weit geht. Störend sei, dass die Richter keinerlei Entscheidungsspielraum haben, das heisst: Sie müssen zwingend eine Freiheitsstrafe aussprechen. Soll aber jemand Gefängnis kassieren, der innerorts 100 km/h fährt und meint, er befinde sich ausserorts? National- und Ständerat hiessen eine Motion der ständerätlichen Verkehrskommission gut. Sie verlangt unter anderem:

  • Ermessensspielraum für Richter
  • Streichung der Mindesthaftstrafe bei Fahrlässigkeit
  • Reduktion der Mindestdauer für den Führerausweisentzug
  • Verzicht auf die für 2019 geplanten Massnahmen zu den Datenaufzeichnungsgeräten und den Alkoholwegfahrsperren.

8. Wie sind die Meinungen zur Lockerung des Gesetzes?

Der Bundesrat hatte die Änderungen in einem Bericht selbst angeregt. Die SVP stand geschlossen, CVP und FDP mehrheitlich hinter der Motion. SP, Grüne und GLP wollten den Verzicht auf Datenaufzeichnungsgeräte und Alkoholwegfahrsperren streichen, scheiterten aber. Mehr Ermessensspielraum für Richter begrüsste man auch im linken Lager. Ständerat Daniel Jositsch (SP/ZH), ehemaliges Mitglied des Komitees der Raser-Initiative, gab zu, dass man bei der Ausarbeitung des Gesetzes zu weit gegangen war: "Man muss vermutlich zugeben, dass wir einen Fehler gemacht haben." Man habe im guten Willen etwas übertrieben.

Der Berner Nationalrat Manfred Bühler (SVP) war sich sicher, dass vorsätzliches Rasen nach wie vor hart bestraft wird. Davon geht auch die Stiftung Roadcross aus, die sich für Verkehrssicherheit stark macht. Mehr Ermessensspielraum bei seltenen Fällen von Fahrlässigkeit sei denkbar, sagt Mediensprecher Stefan Krähenbühl. Aber: "Auf die allermeisten Fälle wird das keinen Einfluss haben." Rasen sei ein Vorsatzdelikt, das Fahrlässigkeit praktisch ausschliesse, so Krähenbühl.

9. Wann sollen die Änderungen inkraft treten?

Der Bundesrat wird den Gesetzesentwurf voraussichtlich Ende 2018 in die Vernehmlassung geben. Die Änderungen werden wohl nicht vor 2021 wirksam.