No-Billag-Initiative
Wie viele neue Sender sind zu viele? So ist die SRG tatsächlich gewachsen

Mit der Gründung immer neuer Kanäle habe die SRG den Bogen überspannt, sagen Kritiker. Von einem Expansionskurs könne keine Rede sein, erwidern die Verantwortlichen. Wir zeigen Ihnen, wie sich Schweizer Radio und Fernsehen tatsächlich entwickelt hat.

Jacqueline Büchi, Lea Senn
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Die SRG betreibt 17 Radio- und 7 Fernsehsender. (Symbolbild)

Die SRG betreibt 17 Radio- und 7 Fernsehsender. (Symbolbild)

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Sie breite sich immer weiter aus – und schneide den privaten Medien die Luft zum Atmen ab. So lautet einer der wiederkehrenden Vorwürfe an die Adresse der SRG. Selbst Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger (SP), ein Verfechter einer starken SRG und dezidierter Gegner der No-Billag-Initiative, bemängelte im watson-Interview: «Inhaltlich ist meine Kritik, dass die SRG in der Ära Walpen sich zunehmend an den Einschaltquoten orientierte, dass die Zahl der Sender stark ausgebaut wurde.»

Wie sich die SRG-Senderfamilie entwickelt hat, zeigt folgende Grafik:

Die SRG-Sender nach Gründungsdatum (aufgeführt unter dem heutigen Namen).

Die SRG-Sender nach Gründungsdatum (aufgeführt unter dem heutigen Namen).

watson/Grafik: Lea Senn

Für die Kritiker der SRG ist klar: 17 Radio- und 7 Fernsehsender – das sind zu viele. So ereiferte sich SVP-Nationalrat Toni Brunner in der Herbstsession im Parlament:

«Braucht es denn in der Deutschschweiz sechs Radioprogramme? Nicht nur 1, 2, 3 und 4, sondern auch SRF Musikwelle – ein Spartensender notabene, welcher die Antwort der SRG war auf private Initiativen von Volksmusiksendern? Oder braucht es einen Radiosender wie den Jugendsender Radio Virus, der auch auf Initiative der SRG erst dann gekommen ist, nachdem Private Jugendsender lanciert hatten? Das hat doch mit Service public nichts zu tun!»

Ein Kritikpunkt, den auch Vertreter privater Radiostationen immer wieder vorbringen. Er stehe hinter einer leistungsfähigen SRG und bekämpfe die No-Billag-Initiative, betont Jürg Bachmann, Präsident des Verbands Schweizer Privatradios, im Gespräch mit watson. «Wir sind aber unglücklich darüber, dass die SRG in der Vergangenheit einen Expansionskurs gefahren hat mit dem Ziel, die Privaten zu konkurrenzieren.»

So sei Radio SRF 3 – damals noch unter dem Namen DRS 3 – gegründet worden, als in den 80er-Jahren die ersten privaten Radios entstanden. Später habe man Radio Virus lanciert, um das junge Zielpublikum zu erreichen. Auch Bachmann erwähnt zudem das Beispiel der Musikwelle, die «als eigentliches Gegenprogramm» zum privaten Volksmusiksender Radio Eviva konzipiert worden sei.

SRG weist Vorwürfe zurück – nicht alle Sender seien «neu»

SRG-Sprecher Edi Estermann will hingegen nichts wissen von einem«Expansionskurs». Er verweist darauf, dass viele der Sender aus bereits bestehenden Angeboten hervorgegangen seien. So wurden für Radio Swiss Classic, Swiss Jazz und Swiss Pop bestehende Frequenzen umgenutzt, die 1952 von der PTT zur SRG übertragen worden waren.

Dabei handelte es sich um Sender, die über die Technologie des sogenannten Telefonrundspruchs funktionierten. Die Programme wurden also über die Telefonleitungen übermittelt.

Weiter betont er, dass die SRG in den letzten zehn Jahren kein neues Programm in Betrieb genommen hat, sondern im Gegenteil gar beschlossen hat, den TV-Sender RSI LA 2 in den nächsten Jahren abzuschalten.

Auch Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) betonte in einem Interview mit dem Branchenportal Persoenlich.com, dass die Senderzahl seit über zehn Jahren stabil sei. Zur angeblichen Ausbreitung der SRG werde viel «Unsinn» erzählt, so die Medienministerin.

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