Cassis, Moret, Maudet
Wie viel PR betreiben die Bundesratskandidaten?

Die Nordwestschweiz hat bei Ignazio Cassis, Isabelle Moret und Pierre Maudet nachegefragt, ob und wie viel Geld sie in PR stecken. Die Antworten fallen unterschiedlich aus.

Henry Habegger
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Isabelle Moret, Ignazio Cassis und Pierre Maudet (v.l.) wollen die Nachfolge von Didier Burkhalter antreten. (Archivbild)

Isabelle Moret, Ignazio Cassis und Pierre Maudet (v.l.) wollen die Nachfolge von Didier Burkhalter antreten. (Archivbild)

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Die Kampagne um die Wahl zum Bundesrat ist fast vorbei, die Entscheidung naht. Einer der Kandidaten bewegte sich in den letzten Tagen auffallend lässig in Bern: Ignazio Cassis, der Favorit aus dem Tessin. Ein Fototermin vor dem Bundeshaus, ein Schwatz mit Pappbecher in der Hand vor dem Bundeshauscafé Vallotton oder vor den Kisten mit den von den Produzenten gesponserten Äpfeln und Rüebli . Selten, ja vielleicht noch nie sah man Cassis so gelöst. "Er strahlt und witzelt, als ob er gewählt sei", staunt ein Ratsmitglied.

Ignazio Cassis' Karriere in Bildern:

Ignazio Cassis' Karriere in Bildern Ignazio Cassis ist Facharzt in Innerer Medizin sowie in Prävention und Gesundheitswesen. Ab 2001 hat er einen Lehrauftrag an der Universität Lugano. Später kommen weitere in Zürich, Lausanne und Bern hinzu.
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Von 1996 bis 2008 amtet er als Tessiner Kantonsarzt. Hier posiert er 2002 mit Robert Hämmig (Gesellschaft für Suchtmedizin, links) und Jacques de Haller (Gesellschaft für Allgemeinmedizin).
Auch präsidiert er die Schweizerische Gesellschaft für Prävention und Gesundheitswesen.
Am 4. Juni 2007 rückt Cassis für die in die Tessiner Kantonsregierung gewählte Laura Sadis in den Nationalrat nach. Er wird mit Josiane Aubert (SP, VD), Andy Tschümperlin (SP, SZ) und Marina Carobbio-Guscetti (CVP, TI) vereidigt.
Cassis, hier mit Doris Fiala, Christian Wasserfallen und markanter Krawatte, sitzt in der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit SGK.
2008 überreicht er Bundesrat Pascal Couchepin eine Petition für eine wirksame Präventionspolitik in der Gesundheitsförderung.
Zwischen 2008 und 2012 ist er Vizepräsident des Ärzteverbandes FMH.
2010 kandidiert Cassis ein erstes Mal für den Bundesrat. Er wird jedoch nicht nominiert. Die Nachfolge von Hans-Rudolf Merz tritt schliesslich Johann Schneider-Ammann an.
Seit 2012 ist Cassis Präsident des Vereins Curaviva, dem Verband der Schweizer Heime und Institutionen.
Pieks! Hier erhält der Präsident des Krankenkassenverbandes Curafutura (ab 2013) eine Spritze am Parlamentarier-Grippeimpftag.
2015 gewinnt er die Kampfwahl um das Fraktionspräsidium der FDP gegen Christian Wasserfallen.
Im Rennen um die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter ist Cassis der Favorit. Seine Gegner heissen Isabelle Moret und Pierre Maudet.
Strahlender Sieger: Ignazio Cassis wird am 20. September 2017 im zweiten Wahlgang zum Bundesrat gewählt. Hier posiert der Tessiner mit Hannes Germann (SVP, SH) und Fabio Regazzi (CVP, TI).

Ignazio Cassis' Karriere in Bildern Ignazio Cassis ist Facharzt in Innerer Medizin sowie in Prävention und Gesundheitswesen. Ab 2001 hat er einen Lehrauftrag an der Universität Lugano. Später kommen weitere in Zürich, Lausanne und Bern hinzu.

Keystone

Für viele ist Cassis tatsächlich bereits gewählt. Dass es so weit kam, war das Resultat harter Arbeit, auch mit Hilfe von externen Beratern. Aber unklar ist, wie viel professionelle PR- und Kommunikationsberatung in den Bewerbern steckt.

Frage daher an die Kandidaten: Lassen Sie sich von einer PR- oder Kommunikationsagentur oder anderen externen Fachleuten beraten, worin besteht die Beratung und was kostet sie?

Cassis antwortet mit einem einzigen Wort: "Nein". Also keine externe Beratung und keine Kosten. In seinem Fall muss man wissen: Die PR-Agentur furrerhugi arbeitet für den von Cassis präsidierten Krankenkassenverband Curafutura. Das Mandat umfasst, wie Lorenz Furrer von furrerhugi bestätigt, nicht mehr die ganze Schweiz, sondern nur noch, aber ausgerechnet, das Tessin. Beobachtern ist angeblich vor Wochen schon aufgefallen, dass furrerhugi-Leute immer wieder in Cassis' Nähe waren. Die Vermutung: Cassis lasse sich via das Curafutura-Mandat für seine eigene Kampagne beraten.

Laut Cassis selbst trifft das aber nicht zu. Auf Nachfrage sagt der Tessiner: Ja, er trenne die Curafutura-Beratung von furrerhugi strikte von seiner eigenen Kampagne. Lorenz Furrer sagt, Cassis kontaktiere ihn lediglich manchmal, um ihn als Freund um Rat zu fragen. Aber furrerhugi arbeite nicht für die Kandidatur Cassis.

Moret hat "die übliche Equipe"

Die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret antwortete detaillierter auf die Frage nach externer Beratung: "Ich habe die übliche Equipe um mich herum, verstärkt durch einige junge FDPler." Denn die Anfragen der Medien aus allen Sprachregionen seien zahlreich. "Ich habe auch die logistische Unterstützung der FDP Waadt erhalten, etwa bei der Lancierung der Kampagne." Sie habe kein eigentliches Kampagnenbudget, die Kosten seien nicht höher als ihre normalen Ausgaben.

Der Genfer Pierre Maudet antwortete auf die Frage nach externer Beratung: "Meine Kampagne stützt sich auf keinerlei Kommunikations- oder PR-Agentur." Seine Equipe sei aus FDP-Mitgliedern und Freunden zusammengesetzt, die er seit Jahren kenne. "Sie arbeiten, indem sie Freitage einsetzen und sie erhalten keinerlei Entschädigung für ihre Arbeit. Ausser dem Vergnügen, an einer spannenden Kampagne teilzunehmen." Und Maudet verrät: "Wir überlegen gemeinsam über die Themen der Kampagne, sie helfen mir bei der Organisation der Kontakte mit Parlamentariern, beim schnellen Beantworten der Medienanfragen, beim Vorbereiten der öffentlichen und privaten Auftritte. Diese Berater kosten mich also nichts." Insgesamt setze er 20'000 Franken für seine Kampagne ein, so Maudet: Damit würden die Kosten für die Übersetzung in drei Sprachen seines Projekts "An die Schweiz glauben, meine Vorschläge" gedeckt, das auf seiner Webseite einsehbar sei.

Online-Unterschiede

Auch was die persönliche Webseite betrifft, gehen die drei sehr unterschiedlich vor. Auffallend ist, dass Isabelle Moret ihre Homepage zum letzten Mal nach den letzten Nationalratswahlen aktualisiert hat. Die Bundesratswahlen finden dort schlicht nicht statt. "Ich habe meine Website für die Bundesratskampagne nicht aktualisiert", bestätigt sie.

Pierre Maudets Website dagegen wird aktualisiert während der Kampagne, darum kümmere sich der Präsident der Vereinigung FDP Genf in seiner Freizeit und seinen Ferien.

Auf dem neusten Stand, mit ausgewählten Medienbeiträgen, ist auch die Website von Ignazio Cassis. "Es geht vor allem um das Aufladen von Medien-Interviews durch eine Studentin", so Cassis. Das koste ihn aber nicht mehr also sonst.