Zufikon

Wie viel darf denn der Gemeindeammann verdienen?

Kurt Fischer: «Den zeitlichen Aufwand eines nebenamtlichen Ammanns darf man nicht unterschätzen. Aber er ist zu bewältigen.» (sl)

Kurt Fischer

Kurt Fischer: «Den zeitlichen Aufwand eines nebenamtlichen Ammanns darf man nicht unterschätzen. Aber er ist zu bewältigen.» (sl)

In einer gemeinsamen Stellungnahme haben die drei Zufiker Ortsparteien CVP, FDP und SVP das Reformpaket des Zufiker Gemeinderats zerzaust. Auch der frühere Gemeindeammann Kurt Fischer kann mit dem neuen Gemeinderatsmodell sehr wenig anfangen. Ein Gespräch über die in die Kritik geratene Neuorganisation des Gemeinderats Zufikon.

Lukas Schumacher

Was ist denn so falsch, wenn eine Gemeindebehörde gemeinsam mit der Teuhandfirma BDO Visura ein Reformpaket schnürt?
Kurt Fischer: Gegen Reformbemühungen ist nichts einzuwenden, sie sind sogar notwendig. Die Probleme liegen anderswo.

Wo denn?
Fischer: Als Stimmbürger und als Ortsparteienvertreter hatte man von Anfang an das Gefühl, es werde eine Übung veranstaltet, um zu belegen, dass Zufikon nun zwingend einen Gemeindeammann im Teilamt (40-Prozent-Pensum) oder im Halbamt (50 Prozent) braucht. Das ist der falsche Weg.

Benötigt denn die Gemeinde Zufikon mit den rund 4000 Bewohnern keine professionelleren Strukturen?
Fischer: Was heisst professionellere Strukturen? Wir haben seit langem professionelle Strukturen. Unsere Gemeindeverwaltung arbeitet hoch professionell und effizient, die Leiter der Verwaltungsabteilungen sind kompetent. So muss es sein.

Hinkt denn die Gemeinderatsorganisation nicht hinter den Verwaltungsstrukturen her?
Fischer: Nein. Eine engagierte Gemeindebehörde im Nebenamt ist auch heutzutage sehr wohl in der Lage, die politischen Geschicke einer Gemeinde mit 4000 Einwohnern und die Verwaltung zu führen.

Also braucht es keinen halbamtlichen Gemeindeammann, wie vorgeschlagen wird, auch kein Präsidialamt und keine Geschäftsleitung?
Fischer: Der Begriff Geschäftsleitung ist falsch. Es ist ja der Gemeinderat, der die Geschäfte leitet und die volle Verantwortung trägt, nicht die Verwaltung. Einen halbamtlichen Gemeindeammann mit Präsidialamt braucht es dafür nicht. Im Zusammenhang mit der Gemeinderatstätigkeit sind die viel zitierten Begriffe «strategische und operative Ebene» nur Worthülsen. Zu den Pflichten der Gemeinderäte gehören Führungsgespräche und Sitzungen mit den Abteilungsleitern der Verwaltung oder das Leiten von Kommissionen der Einwohnergemeinde. Diese Aufgaben kann man nicht an die Verwaltungsebene delegieren.

Die Neuentlöhnung bewegt die Gemüter. Laut Reformpaket soll der Zufiker Ammann je nach Pensum künftig 60 000 oder 80 000 Franken jährlich verdienen, plus Spesen, plus Pensionskassenanteil.
Fischer: Das ist eindeutig zu viel, speziell in Krisenzeiten. Die Gesamtbesoldung des Gemeinderats muss an der Gemeindeversammlung im Juni leicht angehoben werden. Denn die neue Entschädigung bleibt ja vier Jahre unverändert, sie gilt für die Amtszeit 2010 bis 2013. Auch die Sitzungsgelder und die Spesen muss man präzisieren und neu festlegen.

Sie setzen weiterhin auf einen preiswerten Gemeindeammann im Nebenamt. Wie viel darf denn das politische Oberhaupt kosten?
Fischer: Es ist Sache der Gemeindebehörde, an der Gemeindeversammlung im Juni einen tauglichen, angemessenen Vorschlag für einen nebenamtlichen Gemeindeammann, für die Gemeinderäte zu unterbreiten.

Besteht nicht die Gefahr, dass Aufwand und Ertrag sehr weit auseinanderklaffen?
Fischer: Nein. Es trifft sicher zu, dass die Arbeit auf Gemeindestufe komplexer und aufwändiger geworden ist. Aber die Mehrbeanspruchung liegt hauptsächlich bei der Verwaltung. Selbstverständlich darf man den zeitlichen Aufwand nicht unterschätzen, den der Gemeindeammann und die vier Gemeinderäte zu leisten haben.

Muss der zeitliche Aufwand nicht vernünftig abgegolten werden?
Fischer: Beim Ausüben des Gemeindeammannamts in Zufikon rechnet man mit einer zeitlichen Beanspruchung von 30 bis 40 Prozent. In diesen rund 40 Prozent mit eingerechnet sind 15 Prozent Freizeitarbeit.

Freizeitarbeit bedeutet doch unentgeltliche Arbeit?
Fischer: Als Inhaber dieses wichtigen Milizamtes muss ein Gemeindeammann dazu bereit sein. Umgemünzt auf unsere vorherige Belastungsrechnung bleiben ca. 25 Prozent der effektiven Arbeitszeit. Diese muss entlöhnt werden, aber ohne berufliche Vorsorgegelder. Ammännner sind keine Gemeindeangestellten.

Was muss denn ein Gemeindeammann können?
Fischer: Er muss eine hohe Sozialkompetenz besitzen und im Dorf verankert und auch kommunikativ sein. Voraussetzungen sind auch ein offenes Ohr für die Anliegen der Dorfbewohner. Zudem brauchts eine gehörige Portion gesunden Menschenverstand. Führungskompetenz ist ebenfalls sehr wichtig.

Ihr skizzierter finanzieller Rahmen ist nicht sehr lukrativ. Findet Zufikon so einen neuen Ammann?
Fischer: Dieses Nebenamt ist recht gut entschädigt und für Kandidaten attraktiv und spannend. Ich bin zuversichtlich, dass wir im Herbst eine engagierte Person als Gemeindeammann wählen können.

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