Beinahe täglich erreichen uns Meldungen von Unfällen auf Fussgängerstreifen. Aufgrund der Unfall-Serie startet der Bund sogar eine Millionenschwere Sensibilisierungskampagne.

Längst machen sich aber auch Tüftler Gedanken darüber, wie der Fussgängerstreifen sicherer, auffälliger oder attraktiver gemacht werden kann. Dabei kommen teilweise erstaunliche Ideen zutage, die  ebenso gut aus einem Science-Fiction Film stammen könnten.

Der Verkehrsexperte Marco Hüttenmoser beurteilt für die az diverse dieser Ideen. Grundsätzlich aber hält er fest, dass in jedem Falle die Situation gut studiert werden muss. «Fussgängerstreifen sind Bauvorhaben. Ein Kübel gelber Farbe genügt nicht».

Idee 1: Der Ergonomische Fussgängerstreifen. Eine relativ günstige, einfache Massnahme. Sie soll verhindern, dass die Leute nicht den Weg abkürzen und neben der dafür vorgesehenen Fläche durchlaufen. Die Form des Fussgängerstreifens soll dem Autolenker besser signalisieren, wo Fussgänger durchgehen können. Doch Hüttenmoser hält davon nicht viel: «Das ist eine Spielerei. Bringt nichts.» Es müsse dafür gesorgt werden, dass Farbe und Form überregional normiert seien, um Missverständnisse zu verhindern. Somit seien individuelle, an die lokalen Bedürfnisse angepasste Fussgängerstreifen nicht zu begrüssen.

Der Ergonomische Fussgängerstreifen soll an die örtlichen Eigenzheiten angepasst werden

Der Ergonomische Fussgängerstreifen soll an die örtlichen Eigenzheiten angepasst werden

Idee 2: Die Fussgänger-Ampel im Boden. Ein Streifen - die «light line» - bestehend aus Leuchtdioden, ist im Boden integriert und verändert die Farbe. Damit soll dem Fussgänger eindringlicher signalisiert werden, ob er nun «über» den Leuchtstreifen gehen kann oder nicht. Dieser Streifen wird in den USA bereits im grossen Stil verbaut. Im Gegensatz zu anderen Alternativen ist er aber mässig teuer. Hüttenmoser moniert an diesem System, dass dieses sich nicht an die Fahrzeuge, sondern an die Fussgänger richte. Vor allem bei schlechten Sichtverhältnissen sei wichtig, dass den Autolenkern signalisiert werde, dass Fussgänger kommen. «Innerorts sind solche Systeme aber mit Vorsicht zu verwenden, um die Wahrnehmung der Lenker nicht zu überfordern.»

Idee 3: Der Fussgängerstreifen, der leuchtet. Die Firma «Paleco» montiert LEDs im Boden, doch im Gegensatz zur Idee 2 signalisieren die Lämpchen den Fussgängerstreifen selbst. Auch hier verändern sie die Farbe. Das System wird in Spanien bereits in den Stadtzentren eingesetzt. Doch auch hier warnt Hüttenmoser: Die Signalisation sei missverständlich. «Soll das Bodenlicht die Fussgänger zum Warten anregen? Das ist unklar.» Viel wichtiger sei in diesem Beispiel, den Fussgängerstreifen dahinter neu zu bemalen.

Idee 3: Die Firma Paleco verbaut verschiedenfarbige LED in den Boden, um den Fuusgängertsreifen zu kennzeichnen

Idee 3: Die Firma Paleco verbaut verschiedenfarbige LED in den Boden, um den Fuusgängertsreifen zu kennzeichnen

Idee 4: Neuartige Ampeln. Die Idee einer Ampel ist noch immer dieselbe wie heute, nur kommuniziert sie mehr. So sagt die Ampel beispielsweise die Zeit an, die noch verbleibt, bis sie wieder umschaltet. Die neuartigen Ampeln verursachen keine Mehrkosten, da auch sonst Ampeln installiert werden müssten. Diese ist in Thailand seit Jahren Standard, nun wird es auch in den USA getestet. Marco Hüttenmoser sagt dazu nüchtern: «Ampelanlagen gehören zu den besten Möglichkeiten, einen Fussgängerstreifen zu sichern.» Doch er relativiert: «Die Systeme, die bei uns verwendet werden, müssen nicht verbessert werden. Sie sind klar und bereits für Kindern verständlich.»

Idee 4: Die Stadt Arbor testet das Fussgäng-Projekt «the HAWK»

Idee 4: Die Stadt Arbor testet das Fussgänger-Projekt «the HAWK»

Idee 5: Das Monster-Leuchtschwert. Die Idee ist einfach: Ein Pfosten, der mit Laser-Dioden ausgestattet ist, wird auf jeder Strassenseite aufgestellt. Wollen Fussgänger die Strasse queren, leuchten die Leuchteinheiten und bilden ein Art Leuchtschranke, mit dem Effekt, dass kaum ein Autofahrer sich traut, durchzufahren, obschon dies ihm natürlich keinerlei Schaden zufügen würde. Ein solches System wäre unübersehbar für jeden Autolenker. Dies ist aber Fluch und Segen zugleich, denn das Signal könnte zu panikartigen Reaktionen führen, wenn Autolenker instinktiv eine Vollbremsung einleiten, um die «Lichtschranke» nicht zu durchfahren.

Der Experte ist ebenfalls nicht begeistert: «Das System wird offensichtlich dazu verwendet, die Wirkung einer Ampelanlage im grossstädtischen Bereich zu verstärken. Ob das nötig ist? Da wird mit einem zweiten System ein bereits funktionierendes überlagert und schafft eher mehr Unklarheit als zusätzliche Sicherheit.»

Idee 6: Die Werbe-Fussgängerstreifen. Natürlich haben findige Werbeleute längst die Fussgängerstreifen für sich entdeckt. Viel auffälliger können solche Zebrastreifen kaum sein. Doch ob auf diese Weise die Aufmerksamkeit erhöht wird, oder ob eher vom eigentlichen Zweck abgelenkt wird, herrschen verschiedene Ansichten. Der lehnt dies strikt ab: «Werbung auf Fussgängerstreifen ist verboten und muss es bleiben». Schlechte Noten gibt der Experte der Tipp Ex Variante: «Ein schlechter Gag. Wie er realisiert ist, verdeckt er zudem die Fussgänger, die auf die Strasse treten und lenkt ab.» Unbestritten die Tatsache, dass es sich hierbei um eine lukrative Einnahmequelle des Staates handeln würde.

Idee 7: Der Fussgängerstreifen als Kunstobjekt. Wird wohl eher eine Fantasie-Vorstellung, jedenfalls eine Ausnahme-Erscheinung bleiben. Ist zwar schön anzuschauen, - und im Falle des ersten Beispiels ist die Wirkung sogar eine beruhigende - doch ist Schönheit bekanntlich nicht die Aufgabe der Signalisation. Hüttenmoser dazu nüchtern: «Die Fussform sieht von oben zwar lustig aus, bringt aber für die Sicherheit nichts. Im Gegenteil: Es führt zu Verunsicherungen. Wo muss ein Fahrzeug anhalten?»

Idee 8: Der Experte schlägt vor: Freiraum im Bereich des Fussgängerstreifens schaffen. Staut sich der Verkehr vor und nach einem Zebrastreifen, sollten Fahrzeuge nicht in unmittelbarer Nähe anhalten dürfen. «Der freie Raum zwischen dem Fussgängerstreifen und Fahrzeugen sollte mindesten zwei Fahrzeuglängen betragen», so der Verkehrsexperte. Auf diese Weise können die Fahrzeuglenker auf der Gegenfahrbahn die Fussgänger sehen, bevor diese auf die zweite Fahrbahn treten. «Besonders wichtig ist dies an Fussgängerstreifen, bei denen öfters Stau entsteht und die Einrichtung einer Mittelinsel nicht möglich ist», erklärt der Experte. Das Verhalten solle in die bestehenden Verkehrsregeln eingeführt und von Fahrlehrern gelehrt werden. Im Gegensatz zu anderen Massnahmen wäre diese Variante einfach und günstig zu handhaben.

Andere Varianten für Hüttenmoser wären etwa, die Fahrbahnen auf Höhe der Fussgängerstreifen zu verengen, sodass das Kreuzen der Fahrzeuge erschwert wird. Auf diese Weise würden auch Trottoirnasen entstehen, womit sich der Fussgänger an einen gut sichtbaren Ort zu stellen, bevor er über den Streifen geht. Auf stark befahrenen Strassen würde dies jedoch zu Stau führen.