Ferngesteuerte Flugobjekte
Wie sich die Drohnisten freiwillig selber regulieren

Bis jede Drohne registriert werden muss, kann es noch Jahre dauern. Freiwillig ist dies aber bereits möglich.

Fabio Vonarburg
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Drohnen in der Landwirtschaft zum Schutz von Rehkitzen. (Archivbild)

Drohnen in der Landwirtschaft zum Schutz von Rehkitzen. (Archivbild)

Michel Lüthi

Sie fliegen über uns, unbemannt. Manchmal sehen wir sie, manchmal nehmen wir sie gar nicht zur Kenntnis. Was sie dort oben tun? Meist filmen sie oder knipsen Fotos. Wem sie gehören, das bleibt uns meist verschleiert.

Zivile Drohnen machen uns Freude und Angst zugleich. Wir bestaunen die wunderschönen Fotos, die sie von oben machen; fürchten uns aber davor, dass plötzlich eine Drohne vor unserem Schlafzimmerfenster schwebt. Tatsächlich schon vorgekommen.

Einst waren die unbemannten Flugobjekte eine reine Zukunftsvision. Mittlerweile gehören sie beinahe zum Alltag und sind für jeden erschwinglich. Bereits ab 100 Franken kann man sich eine kaufen. Kein Wunder also, sind es nicht nur Unternehmen, Reporter und Behörden, die Drohnen nutzen, sondern auch viele Private – meist einfach zu ihrem eigenen Vergnügen. Die Regeln für Drohnen sind in der Schweiz derzeit locker.

Zumindest für jene, die nicht schwerer als 30 Kilogramm sind. Will man mit ihnen in der Schweiz fliegen, darf man dies praktisch überall. Einzige Bedingung: Sichtkontakt zur Drohne. Ausgenommen ist das Fliegen im Umkreis von fünf Kilometern um einen Flugplatz und seit 2014 sind auch Flüge über einer Menschenansammlung verboten.

Aufspüren ist schwierig

Gemäss einer Schätzung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (Bazl) gibt es in der Schweiz 20 000 Drohnen. Doch diese Schätzung ist bereits zwei Jahre alt und sowieso ist unsicher, wie genau diese je war. Urs Holderegger, Leiter Kommunikation Bazl: «Tatsächlich wissen wir es nicht, da es bis jetzt keine Registrierungspflicht gibt.»

Die fehlende Registrierungspflicht wird dann zum Problem, wenn die «Piloten» sich fehlbar verhalten. Zum Beispiel in ein Sperrgebiet rund um einen Flugplatz eindringen. «Wenn ein Drohnenpilot sich regelwidrig verhält, kann man ihn nur selten aufspüren», sagt Holderegger. «Denn wenn jemand eine Drohne aus grösserer Entfernung per Videobrille steuert, hat man ohne elektronische Fernidentifizierung keine Chance.»

Derzeit wird weltweit nach einer praktikablen Lösung gesucht. Das Bazl zum Beispiel hat diesen Sommer dazu angeregt, zukünftig jede Drohne mit einem Chip auszustatten. Auf diesem wären die Daten des Besitzers gespeichert, zudem würde der Chip die genaue Position des Fluggeräts an das Handynetz senden. Bis zu einer gesetzlichen Umsetzung wird es aber noch Jahre dauern.

Freiwillig registrieren

So lange wollte der Schweizerische Verband Ziviler Drohnen (SVZD) nicht warten. Er wurde von sich aus aktiv. Seit diesem Jahr bietet der SVZD eine freiwillige Registrierung an. Der Grund dafür sei die starke Nachfrage, sagt Ueli Sager, Präsident SVZD. «Mit der Registrierung wird eine Drohne de-anonymisiert und die Verantwortlichkeit des Halters für seine Aktivitäten unterstrichen.» Der Verbandspräsident zieht den Vergleich zur Strasse: «Jede Drohne gehört zu einem Halter, wie auch ein Strassenfahrzeug durch das Kontrollschild einem Halter zugeordnet ist.»

Die «Piloten» können ihre Drohne online registrieren, worauf in einer Datenbank ein Eintrag mit Informationen zur Drohne und zum Halter erstellt wird, ergänzt mit Bildern des Fluggeräts. Der «Pilot» erhält nach der Registrierung einen Barcode, den er auf seine Drohne klebt. Der Verband will dabei mit den Behörden zusammenzuarbeiten. «Wir würden bei einer Anfrage die Informationen weitergeben», sagt Sager. Seit der Lancierung am 16. April wurden 200 Drohnen registriert.

Ob er eine obligatorische Registrierung befürworte, könne er nicht generell beantworten, sagt Sager. Es hätte eine Professionalisierung der Drohnen-Branche stattgefunden. «Service-Anbieter im Bereich Luftrobotik für Medien, Industrie und Landwirtschaft sind gegenüber einer Registrierung positiv eingestellt.» Anders sehe es bei den Einsteigern und Trends, wie Drone-Racing, aus. Hier seien die Piloten nur schwer für eine zusätzliche Bürokratie zu motivieren. «Vor allem wenn sie noch mit Kosten verbunden ist.»

Der Verhaltenskodex

Nebst der Registrierung bietet der SVZD seinen Piloten auch an, eine Prüfung abzulegen und sich somit lizenzieren zu lassen. Zudem hat der Verband auf der Website einen Verhaltenskodex aufgeschaltet. Darin heisst es unter anderem: «Als Drohnist achte ich auf Dritte, die weder gefilmt noch sonst wie gestört werden wollen, insbesondere in privaten Arealen.» Mit seinem freiwilligen Engagement will der Verband Ängste in der Bevölkerung abbauen.

Die Arbeitsgruppe des Bazl geht davon aus, dass diese Ängste verschwinden werden. Aufgrund der bisherigen Erfahrung mit modernen Kommunikationsmitteln sei zu vermuten, «dass auch Technologien wie zivile Drohnen nach anfänglicher Skepsis für eine Mehrheit der Bevölkerung bald zu einem akzeptierten oder gar geschätzten Teil des Alltags werden.»