Landwirtschaft

Wie Schweizer Kleinbauern gegen das Hofsterben kämpfen

Harte Arbeit: Bergbauern bei Furggels SG führen eine Kuh durch den Schnee. (Symbolbild)

Harte Arbeit: Bergbauern bei Furggels SG führen eine Kuh durch den Schnee. (Symbolbild)

Jedes Jahr verschwinden in der Schweiz hunderte Kleinbauernbetriebe. Nicht nur weil die Arbeit schwer und das Einkommen gering ist: Landwirte finden immer seltener Nachfolger. Jetzt soll eine Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergaben helfen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Schweizer Landwirtschaft in den letzten Jahren vermehrt unter Druck geraten ist. Dies verdeutlicht sich auch bei den Hofaufgaben. Die Zahlen sind erschreckend: Zwischen 2000 und 2012 sind gut 16 000 Bauernbetriebe unter 25 Hektaren eingegangen, wie eine Studie der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon zeigt.

Zwischen 2011 und 2012 waren es laut dem Agrarbericht 2013 mehr als 1000 Betriebe, die ihren Betrieb aufgeben mussten. Die Tendenz der letzten Jahre ist klar: Die kleinen Bauernhöfe verschwinden, die Anzahl grosser Betriebe nimmt zu.

Oft liegt der Grund aber nicht in der fehlenden Rentabilität, sondern im fehlenden Nachwuchs. Mehr als die Hälfte der Bauernhöfe wird von Männern über 50 Jahren geführt. Von diesen hat jeder Zweite keinen Nachfolger. Entweder wollen der Sohn oder die Tochter den elterlichen Betrieb nicht übernehmen. Oder es fehlt einfach an Nachwuchs. Für solche Fälle hat die Kleinbauern-Vereinigung kürzlich ihre Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergaben ins Leben gerufen.

Koordination als Hauptaufgabe

«Ziel ist es, dass die Höfe als Ganzes – ob im Tal oder im Berggebiet – weitergeführt werden», sagt Projektleiterin Séverine Curiger. Es seien alle Bauern angesprochen, die ihren Hof übergeben möchten.

Aufgabe der Anlaufstelle ist die Koordination zwischen Bauern, die ihren Hof abgeben wollen, und jenen, die einen Hof suchen. Sie vermittelt Kontakte zu kompetenten Beratungsstellen und zeigt Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung auf. «Wir vermitteln auch den Kontakt zu Bauern, die ihren Hof bereits erfolgreich ausserfamiliär übergeben haben», sagt Curiger. Die Gespräche sind kostenlos und unverbindlich.

In den ersten zehn Tagen haben sich laut Curiger denn auch bereits zehn Bauern gemeldet, sowohl Abgabewillige als auch und vor allem Suchende. Die Reaktionen auf das Angebot seien durchwegs positiv. Für Curiger ist dies auch ein Zeichen, dass ein Umdenken in der Landwirtschaft stattfindet: «Die Wertschöpfung ist heute vermehrt ein Thema. Die Vielfalt der Betriebe und ihre individuellen Überlebensstrategien sind wichtiger als die Grösse.»

In welchen Regionen derzeit mehr Betriebe nach einem Nachfolger suchen, kann Curiger noch nicht sagen. Generell sei aber zu vermuten, dass es in den Berggebieten schwieriger sei.

«Es fehlen bis zu 300 Lernende»

Nicht gerade euphorisch, aber auch nicht kritisch zeigt sich Markus Ritter, St. Galler CVP-Nationalrat, Präsident Schweizerischer Bauernverband (SBV) und damit höchster Bauer im Land: «Gegen das zusätzliche Angebot durch die Kleinbauernvereinigung ist nichts einzuwenden», sagte Ritter auf Anfrage der «Nordwestschweiz». Er verweist darauf, dass es mit den kantonalen Beratungsstellen bereits eine gute Basis für die Information der Bauern gebe. «Diese werden rege genutzt», sagt er. Für den Bauernverband seien grundsätzlich alle Betriebe wichtig. Hofübergaben müssten mit grosser Sorgfalt vorbereitet werden. «Deshalb ist auch wichtig, dass die fachliche Unterstützung gewährleistet ist», so der SBV-Präsident.

Ritter führt die Nachwuchsproblematik in der Landwirtschaft auch auf den Mangel an gelernten Jungbauern zurück: «Uns fehlen jährlich 200 bis 300 Lernende in der Landwirtschaft.» Für den SBV sei es sehr wichtig, dass die nächste Generation Freude und Perspektiven habe, um diesen Beruf zu ergreifen. Zurzeit lassen sich jährlich rund 1000 Personen für den Bauernberuf ausbilden.

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