Islam
Wie Schweizer auf die Salafisten-Masche reinfallen – und zum Islam konvertieren

Eine in Deutschland als extremistisch eingestufte Salafisten-Organisation missioniert in der Schweiz auf der Strasse. Die Aktivisten sind die gleichen wie die der Aktion «Lies!» und stammen aus dem Dunstkreis des Islamischen Zentralrats Schweiz IZRS.

Kian Ramezani, watson.ch
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«Jesus im Islam»

«Jesus im Islam»

watson.ch

Die Salafisten glauben fest daran, dass der Islam irgendwann die ganze Welt erobern wird. Wie die ultra-radikalen Muslime dabei vorgehen, war vergangene Woche auf dem Bahnhofplatz in Bern zu beobachten: Mit «Jesus im Islam»-Plakaten auf dem Rücken weckten Jugendliche das Interesse von Passanten und nutzten Jesus als Anknüpfungspunkt für Gespräche mit Gleichaltrigen.

Was viele tatsächlich nicht wissen: Jesus gilt im Islam als Prophet und wird im Koran 93 Mal namentlich erwähnt. Das primäre Ziel der Aktion des Netzwerks «Jesus im Islam» war allerdings nicht das bessere Verständnis zwischen den Religionen. Die christliche Vorstellung Jesu als Sohn Gottes ist in den Augen der Salafisten eine Sünde.

Erlösung bringt nur der Übertritt zum Islam – und genau den vollzogen offenbar einige Passanten in Bern. Dies legen zumindest Videos nah, die «Jesus im Islam» auf ihrer Facebook-Seite posten:

«Wir versuchen die Menschen davon zu überzeugen, dass der Islam die Wahrheit ist, weil wir das von Herzen glauben. Wer das auch glaubt, kann das Glaubensbekenntnis gleich auf der Strasse aussprechen und zum Islam konvertieren», sagt Servan Demirsoy, ein Sprecher von «Jesus im Islam», am Telefon gegenüber watson. Man sei vor allem im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) aktiv. Die Verbindungsqualität ist schlecht, man einigt sich darauf, das Gespräch später fortzusetzen. Zahlreiche Rückrufe bleiben in der Folge aber unbeantwortet.

«In der Grundtendenz extremistisch»

«Jesus im Islam» propagiert eine äusserst radikale Auslegung des Islams. Auf ihrer Facebookseite werden etwa Bücher mit radikalen Inhalten beworben, darunter eins mit Erziehungstipps für muslimische Eltern: Frauen sollen ihren Ehemännern gehorchen, Kinder sollen keine unislamische Musik hören und keine nicht-muslimischen Freunde haben.

In ihrem «Stammland» im Ruhrgebiet haben die Behörden «Jesus im Islam» bereits seit längerem auf dem Radar: «Sie wollen nicht nur ihre Religion ausüben, sondern wirken mit ihrem Handeln auf eine Einführung des strengen islamischen Rechts der Scharia in Deutschland hin», zitiert tagesschau.de einen Sprecher des NRW-Innenministeriums.

Auch wenn «Jesus im Islam» nicht offen für den gewaltbereiten Salafismus werbe, bereite das Netzwerk doch den Nährboden für den Dschihadismus und sei insofern «in der Grundtendenz als extremistisch einzustufen».

«Jesus im Islam» unterhält zudem Verbindungen zum deutschen Konvertiten Marcel Krass, der wiederum als enger Weggefährte des berüchtigten Salafistenpredigers Pierre Vogel gilt.

Verbindungen zu «Lies!» und IZRS

Gegen Schweizer Gesetze haben die jugendlichen Salafisten mit ihrer Aktion in Bern nicht verstossen: «Gemäss der Bewilligungspraxis der Stadt Bern sind Verteilaktionen von Material ohne stehende Infrastruktur und mit bis maximal drei Personen nicht bewilligungspflichtig.

Zudem sind wir verpflichtet, die Rede- und Meinungsäusserungsfreiheit zu respektieren», erklärt Dominique Steiner vom Polizeiinspektorat der Stadt Bern gegenüber watson.

Die Jugendlichen mit den grünen Mützen, von denen einige Berndeutsch sprechen und vermutlich aus der Schweiz stammen, erinnern an die Koran-Aktion «Lies!», die seit Jahren in verschiedenen Städten aktiv ist.

Genau deren Vertreter sind am Tag nach der Aktion von «Jesus im Islam» in Bern anzutreffen. Zufall? Eher nicht, es sind dieselben Leute, einmal in Grün, einmal in Rot, wie zwei Bilder der jeweiligen Facebookseite belegen:

«Jesus im Islam» Das Bild links entstand am 8. April 2015 vor dem Hauptbahnhof in Bern und zeigt ein Mitglied des Netzwerks «Jesus im Islam». Das Bild rechts entstand einen Tag später am selben Ort, diesmal im Rahmen der «Lies»-Kampagne. An Gesicht, Hemd und Hose ist erkennbar, dass es sich um dieselbe Person handelt.

«Jesus im Islam» Das Bild links entstand am 8. April 2015 vor dem Hauptbahnhof in Bern und zeigt ein Mitglied des Netzwerks «Jesus im Islam». Das Bild rechts entstand einen Tag später am selben Ort, diesmal im Rahmen der «Lies»-Kampagne. An Gesicht, Hemd und Hose ist erkennbar, dass es sich um dieselbe Person handelt.

facebook.com

Hinter zahlreichen «Lies»-Aktionen in Schweizer Städten steht der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS). Anfragen zu dessen Verbindungen zum Netzwerk «Jesus im Islam» und den Strassen-Konvertierungen blieben unbeantwortet.

Update: Am Mittwochnachmittag meldete sich IZRS-Vorstandsmitglied Qaasim Illi: «Der IZRS steht hinter keinen ‹Lies›-Aktionen. Ich kann allerdings nicht ausschliessen, dass sich einzelne Mitglieder daran beteiligen. Daran ist auch nichts auszusetzen.»

Zur Frage, ob es sich beim Berndeutsch-sprechenden Missionar von «Jesus im Islam» um ein IZRS-Mitglied handelt, sagte Illi: «Ich weiss es nicht und kann es angesichts von 3500 Mitgliedern auch nicht überprüfen. Und selbst wenn ich es wüsste, würde ich es Ihnen nicht sagen. Schliesslich ist das nicht mein persönlicher Entscheid, sondern allgemeine Kommunikationspolitik zum Schutz der Privatsphäre unserer Mitglieder. Eine Ausnahme bedürfte der Zustimmung des Vorstandes und kann nur in ganz besonderen Fällen zur Anwendung kommen.»

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