Wenn Babys oder Kleinkinder im Auto mitfahren, müssen sie immer im gesicherten Kindersitz angeschnallt sein, so schreibt es der Gesetzgeber vor. In Schweizer Stadt-Bussen gilt dieses Gesetz noch nicht – und so ist es kein seltenes Bild, dass in den vielfach überfüllten öffentlichen Verkehrsmittel frischgebackene Mütter mit einem Baby im Tragetuch im Gang stehen, an der linken Hand gar noch ein zweites Kind halten und sich mühsam an einer Stange festklammern.

Solche Situationen können vor allem für Babys sehr gefährlich werden. Das soll sich ändern. Denn Politiker diskutieren die Idee, Busse künftig mit Baby- und Kindersitzmöglichkeiten auszurüsten: «Eine solche gezielte Massnahme würde ich unterstützen», sagt Bastien Girod, Nationalrat Grüne Zürich.

Der frischgebackene zweifach Vater fordert zudem, die «alte Schule» zu reaktivieren, also das ungeschrieben Gesetz älteren Personen und Müttern oder Vätern mit Kindern den Sitz freizugeben. Auch RoadCross Schweiz, die Stiftung für Verkehrssicherheit, würde eine «gewisse Anzahl» von Kindersitzen in Bussen begrüssen, denn dies «wäre ein sinnvoller Service für Eltern und würde bestimmt zur Sicherheit beitragen.» SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen geht noch weiter und findet, in Stadtbussen müsse man ein Familienabteil als Pilotprojekt ausprobieren.

Im letzten Jahr sind bei Busunfällen gesamtschweizerisch gut 37 Personen schwer verletzt worden. Im gleichen Jahr kamen vier Personen ums Leben, wie im Sicherheitsbericht des Bundesamtes für Verkehr zu lesen ist. Doch das ist nur die Spitze des Eisberges: Bei den Verkehrsbetrieben Luzern (VBL), nehmen vor allem die in der Statistik nicht erfassten Sturzunfälle zu, also solche Stürze mit glimpflichen Ausgang. Neben den rund 40 gemeldeten Unfällen für das letzte Jahr, gibt es laut VBL-Betriebsleiter Beat Nater auch eine hohe Dunkelziffer. Kein Wunder, sind auch Reklamationen über ruppig fahrende Chauffeure in den öffentlichen Linien-Bussen bei fast allen Dienstleistern ein Thema.

Verhaltens-Tipps auf Busmonitoren

Trotz dem allseits bekannten Problem für Eltern von Babys oder Kleinkindern sei es unrealistisch, beispielsweise eine Gurtentragpflicht für Passagiere einzuführen oder gar die Fahrzeuge mit Babysitzen auszurüsten: «Auf unseren verschiedenen Strecken haben wir teilweise Busse mit 230 Personen Kapazität und davon sind nur 60 Sitzplätze. Zudem kommt beinahe all 300 Meter eine Haltestelle», so Nater. Man habe aber intern begonnen die Chauffeure noch besser aufzuklären und zu sensibilisieren – mit positiver Auswirkung auf die Schadenzahl. «Trotzdem gibt es immer wieder Situationen wo der Chauffeur stark bremsen muss und das kann dann gefährlich werden.» Müttern oder Vätern die mit ihren Kindern Bus fahren, rät er vor allem beim Kinderwagen zu bleiben und diesen nicht mit schweren Einkaufstaschen beladen im Bus abzustellen.

Auch im Aargau ist die Sturz-Problematik bekannt und neu werden sogar auf den Monitoren den Fahrgästen verschiedene Verhaltens-Tipps aufgezeigt. Zudem macht das Fahrpersonal von «AAR bus+bahn» sporadisch Durchsagen, denn trotz vorausschauender Fahrweise des Fahrpersonals könne es Überraschungssituationen geben, so dass der Chauffeur oder die Chauffeuse abrupt bremsen müsse.

Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), ist der Sicherheitsgurt immer noch eine der wichtigsten Verkehrssicherheitsmassnahmen, trotzdem stellt sich Uwe Erwert, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim bfu, nicht hinter neue familienfreundliche Lösungen: «Wir halten eine Gurten- oder Kindersitzpflicht Linienbusse im Innerortsbereich für nicht notwendig, da der Sicherheitsgewinn nur gering wäre und die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Verkehrsmittel deutlich einschränken würde.»