Flüchtlinge
Wie glaubwürdig ist der UNO-Bericht zu Eritrea?

Bundespräsidentin Sommaruga beruft sich in der Debatte um eritreische Flüchtlinge auf die UNO – doch deren Informationen stammen aus zweiter Hand.

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Asylbewerber aus Eritrea im Durchgangszentrum Lumino TI.

Asylbewerber aus Eritrea im Durchgangszentrum Lumino TI.

Keystone

Für Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga bestehen keine Zweifel: Eritrea ist ein Unrechts- und Willkürstaat. Rückschaffungen von abgewiesenen Asylbewerbern in das afrikanische Land schliesst die Justizministerin aus. Dabei stützt sie sich massgeblich auf einen Bericht des UNO-Menschenrechtsrates. Was sie nicht erwähnt: Die Autoren des Papiers haben sich selber nie im Land aufgehalten.

Wie Co-Autor Mike Smith gestern in einem Interview gegenüber Radio SRF sagte, sind er und seine zwölf Mitarbeiter von der eritreischen Regierung nicht ins Land gelassen worden: «Wir haben versucht, Eritrea selber zu besuchen. Wir haben der Regierung geschrieben, wir haben mit den eritreischen Diplomaten in Genf gesprochen, aber wir haben nie eine Antwort erhalten. Es ist offensichtlich, dass die Regierung nicht will, dass wir ihr Land besuchen.»

Infos aus Hunderten Gesprächen

Ihre Informationen beschafften die UNO-Angestellten deshalb bei Hunderten Gesprächen und Stellungnahmen von eritreischen Flüchtlingen im Ausland. «Unsere Einschätzung basiert nicht nur auf der Aussage einer einzigen Person. Wir sprechen mit diesen Menschen in verschiedenen Ländern, verschiedenen Städten. Menschen, die sich nicht kennen. Wenn wir merken, dass sich die Aussagen dieser Eritreer decken, wenn wir ein Muster feststellen, dann ziehen wir unsere Schlüsse.» Ein Motiv, die Situation im Heimatland gezielt negativ darzustellen, hätten die Befragten nicht. Die meisten lebten eh schon seit geraumer Zeit im Ausland.

Smith räumte ein, dass die fehlenden Informationen aus erster Hand der Glaubwürdigkeit des Berichts schaden könnten, betonte aber: «Diese Kommission ist kein Gericht. Unsere Beweise müssen nicht gleich stichfest sein wie bei einem Gerichtsverfahren. Wir ziehen unsere Schlüsse aufgrund logischer Schlussfolgerungen.» (NCH)