Nebenamt
Wie Geheimdienstchef Seiler seinen Nebenjob vertuscht hat

Nachrichtendienst-Chef Markus Seiler engagiert sich nicht nur in der Lokalpolitik. Seit einiger Zeit ist er auch noch Lehrbeauftragter für Staatsrecht an der Uni St. Gallen. Jetzt aber hat er Hinweise auf seinen Uni-Job heimlich löschen lassen.

Lorenz Honegger
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Der Beweis: Die Liste mit den geplanten Vorlesungen von Markus Seiler.

Der Beweis: Die Liste mit den geplanten Vorlesungen von Markus Seiler.

key/az

Markus Seiler ist ein Mann mit vielen Interessen. Neben seinem Job als Chef des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) engagiert er sich jedenfalls nicht nur in der Lokalpolitik in Spiez (BE). Seit einiger Zeit ist er auch noch Lehrbeauftragter für Staatsrecht an der Universität St. Gallen.

Anfang nächsten Jahres soll Seiler im Gebäude 22 der Universität erstmals als offizielle Lehrperson vor den Studenten erscheinen. Bis jetzt ist er nur als Gastreferent an der Ostschweizer Hochschule aufgetreten. Geplant ist, dass er etwa vier Stunden lang über Geheimdienste referiert. Titel der Veranstaltung: «Intelligence and Security Services in a Changing World». Auf Deutsch: Nachrichten- und Sicherheitsdienste in einer sich verändernden Welt.

Ob der hochkarätige Dozent den Termin auch tatsächlich wahrnimmt, ist jedoch fraglich. Denn mittlerweile ist Seiler das Engagement an der Ostschweizer Hochschule mehr als unangenehm. Recherchen der «Nordwestschweiz» haben ergeben, dass der Staatswissenschaftler seinen Namen und sein Amt vor nicht viel mehr als einer Woche aus dem öffentlich zugänglichen Veranstaltungsverzeichnis der Uni St. Gallen löschen lassen hat.

Name ist immer noch abrufbar

Zur Vertuschungsaktion bewogen haben dürfte Seiler die Kritik an seiner Kandidatur für den Gemeinderat Spiez, die im Zusammenhang mit dem im September publik gewordenen Datendiebstahl beim NDB aufgekommen ist.

Gebracht hat ihm das Manöver nichts. Der Grund: Die Suchmaschine Google speichert in regelmässigen Abständen Kopien von fast jeder Website. Dadurch bleiben die meisten Internetseiten über längere Zeit abrufbar, selbst wenn sie schon vom Server gelöscht worden sind.

Wer also die Website der Universität St. Gallen mit der Google-Cache-Funktion aufruft, findet die Vorlesungstermine mit Seilers Namen auch heute noch (siehe Ausriss).

Abklärung im Gang

NDB-Sprecher Felix Endrich räumt auf Anfrage ein, Seiler habe die Einträge im Internet «nach Absprache mit der Universität St. Gallen vorläufig sistiert». «Unterdessen soll geklärt werden, ob unter den gegebenen Umständen und zum vorgesehenen Zeitpunkt eine Lehrtätigkeit opportun ist.» Noch sei Seiler für rund drei von total sechs Vorlesungen in St.Gallen vorgesehen. Die drei anderen Termine werde NDB-Mitarbeiter Thomas Köppel wahrnehmen.

Endrich betont, es liege «im Interesse der Schweiz und des Nachrichtendienstes», Studierenden und anderen interessierten Kreisen sicherheitspolitische und nachrichtendienstliche Grundlagen zu vermitteln. «Ziel dieser Auftritte an der Universität St.Gallen ist es auch, Akademikern und damit potenziell Interessierten Optionen für eine künftige Karriere aufzuzeigen», schreibt er.

Ob Markus Seiler mit dieser Argumentation durchkommt, wird sich weisen. Tatsache ist: Mit den Enthüllungen zu seinen diversen Nebenämtern hat der Chef des Nachrichtendienstes in Bundesbern viel Goodwill eingebüsst.