F/A-18-Absturz
Wie gefährlich ist der Flugplatz im Gebirge?

Die Absturzstelle im Hochgebirge wirft Fragen nach der Sicherheit auf. Die Unfallursache ist unbekannt und nach dem Piloten wird weiterhin gesucht.

Anna Wanner
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Flugplatz Meiringen

Flugplatz Meiringen

Keystone

Erst als sich die Wolken kurz nach Mittag aufgelöst haben, wird die Absturzstelle des F/A-18-Kampfjets sichtbar: Direkt unter der Krete im Gebiet des Hinter Tierbergs (3447 m) erstreckt sich eine geschwärzte Felsfläche über rund 20 Meter. Die Wolken waren mit ein Grund, wieso nach der Unfallstelle im Gebiet des Sustenpasses so lange gesucht werden musste.

Ein Fall für die Militärjustiz

Wie es zum Absturz kam, kann heute noch nicht nachvollzogen werden. Nur so viel ist bekannt: Zwei F/A-18-Piloten starteten am Montag um 16.01 Uhr zu einem Instrumentenflug. Um 16.05 Uhr fiel das Signal des einen Piloten aus. Daraufhin ging zwar ein Notsignal ein, jedoch sendete dieses zu wenig lang, um die Unfallstelle orten zu können. Der Pilot konnte bis Dienstagabend nicht geborgen werden. «Über sein Schicksal ist nichts bekannt», sagte Jürg Nussbaum, Kommunikationschef der Luftwaffe. Das unwegsame, hochalpine Gelände am Absturzort und widrige Wetterverhältnisse erschweren die Suche von Gebirgsspezialisten des Heeres und der Luftwaffe.

Ob schlechtes Wetter oder technische Probleme: Was beim Flug schiefgelaufen sein könnte, darüber will derzeit niemand spekulieren. Der Unfallhergang ist Sache der Militärjustiz, die nun eine Unfalluntersuchung startet. Armeesprecher Daniel Reist erklärte nur: Beim Instrumentenflug handle es sich um einen «Standardflug».

Kameraden besichtigen Unfall

Zwei Kameraden des vermissten Piloten haben die Unfallstelle am Dienstagnachmittag überflogen. Felix Stoffel, Chef des Berufsfliegerkorps, beschrieb sie am Abend vor den Medien so: «Ein relativ grosser Bergkessel mit Schnee- und Gletscherhängen und darüber steile Felswände.» Kleine Trümmerteile waren auf beiden Seiten des Felsens zu sehen, sagt er und stockt. «Das Bild ist als Kamerad und Fachmann schwer zu verstehen und ertragen.»

Die Betroffenheit war auch dem Gesicht von Pierre de Goumoëns abzulesen, der vor zwei Tagen einen Piloten, einen Kameraden und einen Freund verloren hat. Der Kommandant der Luftwaffe sagte: «Es ist schwierig, die Emotionen zu beschreiben, die mich beim Überfliegen der Unfallstelle ergriffen haben.»

Bild von der Absturzstelle: Eine F/A-18 ist am Montag, 28. August, zerschellte im Gebiet des Sustenpasses am Berg.
23 Bilder
Absturz einer F/A-18
Der Berufsmilitärpilot wurde am Mittwochmorgen an der Absturzstelle "zweifelsfrei identifiziert", wie das Verteidigungsdepartement mitteilte.
Die Absturzstelle liegt auf über 3000 Metern über Meer in einem Bergkessel mit Schnee- und Gletscherflächen und steilen Felswänden.
Die Suche nach dem Piloten hatte sich schwierig gesaltet.
Gebirgsspezialisten der Armee sowie mehrere Helikopter der Luftwaffe, der Kantonspolizei Zürich sowie der Rega standen im Einsatz.
Die Bergung des Flugzeugs dürfte mehrere Monate dauern.
Der Absturz ist bereits der vierte schwere Zwischenfall mit einem F/A-18-Kampfjet der Schweizer Armee.
Bergspezialisten bergen den umgekommenen Kampfjet-Piloten am Mittwoch, zwei Tage nach dem Unglück.
Rettungskräfte im Einsatz
Bundesrat und Verteidigungsminister Guy Parmelin äussert sich zum abgestürzten F/A-18 Kampfjet im Sustengebiet: "Ich bin sehr traurig."
Am Dienstag wird noch fieberhaft nach dem Piloten gesucht.
Ein Abzeichen der Staffel 18 am Arm von Felix Stoffel, Chef Berufsfliegerkorps, fotografiert an der Medienkonferenz zum abgestürzten Armee Flugzeug
Der Absturz ereignete sich in der Region Susten.
Die F/A-18 verschwand am Montagnachmittag kurz nach dem Start vom Radar. Später wurde bekannt: Sie verunglückte vier Minuten nach dem Start.
F/A-18 Pilot Pierre de Goumoëns, Kommunikationschef Jürrg Nussbaum und Felix Stoffel, Chef Berufsfliegerkorps, informieren am Unglückstag über die aktuelle Lage.
Felix Stoffel, Chef des Berufsfliegerkorps.
Armeesprecher Daniel Reist gibt den Medien Auskunft.
Armee-Helikopter suchen am Dienstag nach der Absturzstelle.

Bild von der Absturzstelle: Eine F/A-18 ist am Montag, 28. August, zerschellte im Gebiet des Sustenpasses am Berg.

Keystone

Start direkt in Hochalpen

Die 3000 Meter hohen Alpengipfel des Sustengebiets liegen innerhalb der Startphase des Flugplatzes Meiringen. Das Trainingsgelände der Fliegerstaffel warf denn auch Fragen der Sicherheit auf. De Goumoëns beschwichtigte: Der Abflug in Meiringen werde täglich geübt und von den Piloten beherrscht.

Zwar bestätigte Felix Stoffel, Chef der Berufsfliegerstaffel, dass Flugplätze im Gebirge anspruchsvoller seien als im Flachland. Es sei aber seit je eine Eigenheit der Schweizer Luftwaffe, dass diese ab Gebirgsflugplätzen operiere. «Das heisst nicht, dass das gefährlicher ist. Das heisst nur, dass die Piloten entsprechend ausgebildet und trainiert werden müssen», so Stoffel. Vielmehr gehöre die Start- und Landephase zu den Unfallquellen in der Aviatik – auch bei Passagierflugzeugen.

Ein Sicherheitsproblem?

Die Betroffenheit ist auch unter den Politikern gross. Einzelne machen sich nun aber Gedanken um die innere Sicherheit. Die Luftwaffe verfügt zwar noch über 30 F/A-18-Kampfjets (von ursprünglich 34) und über 25 einsatzfähige Tiger-Kampfjets (von insgesamt 53). Doch mit jedem Jet, der wegfällt, werden die anderen zusätzlich in Anspruch genommen. Als Konsequenz seien die Flugzeuge entweder früher ausser Betrieb zu nehmen oder es müsse weniger geflogen werden, erklärte Felix Stoffel. «Letzteres führt aber sofort wieder zu einem Sicherheitsproblem.»

Aktuell funktioniert der Normalbetrieb auch trotz reduzierter Fliegerstaffel weiter. Sogar die Ausweitung des Flugpolizeidienstes von heute 8 bis 18 Uhr an fünf Tagen die Woche auf einen 24-Stunden-Betrieb an allen sieben Wochentagen sollte klappen.

Druck auf Parmelin

Einzig im Krisenfall ist die Durchhaltefähigkeit der Luftwaffe reduziert. Aus diesem Grund will Corina Eichenberger, Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK), die Kampfjet-Beschaffung vorantreiben. «Das Evaluationsverfahren muss verkürzt werden. Deshalb muss Bundesrat Guy Parmelin nochmals über die Bücher.» Der Verteidigungsminister hat nach dem Gripen-Nein ein breit abgestütztes Auswahlverfahren gestartet. Demnach wären neue Jets frühestens 2025 einsetzbar.