Verkehr

Wie eine Karte Leben retten soll

Unter der Fahrersonnenblende sollte die Rettungskarte fixiert werden.

Unter der Fahrersonnenblende sollte die Rettungskarte fixiert werden.

Die Autos von heute sind immer sicherer - zum Leidwesen der Rettungskräfte. Bei Unfällen haben sie zunehmend Mühe, die Personen zu bergen. Eine Rettungskarte soll nun Abhilfe schaffen.

Airbags, Gurtstraffer, verstärkte Karosserien: Sie sollen dafür sorgen, dass die Autofahrer besser geschützt sind. Das Problem: Die zahlreichen Sicherheitssysteme erschweren es den Rettungskräften zunehmend, verunfallte Personen aus ihren Fahrzeugen zu befreien.

«Wir haben immer häufiger Probleme und Verzögerungen bei der Rettung am Unfallort», sagt Walter Pfammatter, stellvertretender Geschäftsführer des Schweizer Feuerwehrverbands (SFV). So sei es beispielsweise immer schwieriger, ein Autodach aufzuschneiden, weil die Karosserie deart versteift ist.

Eine andere Gefahr bestehe, wenn ein Retter beim Eingriff ins Auto unerwartet einen versteckten Airbag auslöst. «Doch gerade bei schweren Unfällen muss die Rettung schnell passieren, denn es entscheiden Sekunden über Leben und Tod», gibt Pfammatter zu bedenken.

Informationen über Sicherheitssysteme

Nun schlagen der Schweizer Feuerwehrverband (SFV) und der Touring Club Schweiz (TCS) Alarm: «Wir raten allen Autofahrern eine Rettungskarte im Auto zu befestigen», sagt Markus Grüter, Projektleiter beim TCS. Die Karte im A4-Format erhält präzise Informationen über die, im Auto eingebauten Sicherheitssysteme.

«Dank diesen Angaben können wir die Rettungszeit verkürzen und den Verunfallten schneller medizinische Hilfe gewährleisten», sagt Pfammatter. Und so funktionierts: Auf der Internetseite des Autoherstellers die Rettungskarte seines Fahrzeugsmodell abrufen und ausdrucken. Dann die Karte mit der bedruckten Seite nach Innen hinter der Fahrersonnenblende befestigen. «Dort ist sie für uns am besten erreichbar», so der SFV-Chef.

Politiker begrüssen Idee

Markus Hutter, FDP-Nationalrat und Inhaber einer Autogarage hält die Rettungskarte für ein sinnvolles Instrument. «Es wäre aber wichtig, dass die Autohersteller die Karte nicht nur Online stellen, sondern gleich in die Betriebsanleitung packen», ergänzt der Verkehrspolitiker. Auch für Franziska Teuscher, Präsidentin des Verkehrsclub Schweiz (VCS) ist die Karte unter der Sonnenblende eine gute Idee: «Diese Massnahme kann jeder ohne Aufwand umsetzen», sagt die Grüne Nationalrätin.

Eine Rettungskarten-Pflicht einzuführen, halten aber beide für übertrieben. «Das würde nur zusätzliche Kontrollen und Bürokratie verursachen», so Hutter.
Im Gegensatz zur Schweiz setzen Deutschland und Österreich die Rettungskarte bereits ein. Nach Einschätzung der Unfallforschung des Deutschen Automobilclubs könnte die Zahl der Verkehrstoten in Europa um bis zu 2 500 Personen pro Jahr reduziert werden, wenn jedes Auto eine solche Anleitung an Bord hätte.

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