«Das ist ja wie Weihnachten», rief SP-Nationalrätin Chantal Galladé in die Runde, als ausgerechnet ein Waffensammler ihr in der Arena-Sendung am Freitagabend zur Hilfe eilte. Freilich, das ist sich die erklärte Waffengegnerin nicht gewohnt.

Gewohnt ist sich Galladé vielmehr, dass ihr Waffenfans wütende Blicke zuwerfen. Oder wie es Galladé selber ausdrückte: «Ich bin wohl nicht gerade die Ikone der Waffensammler in diesem Land.» 

Das ist sie auch für Theo Schneider nicht, der bei der Arena zum Waffenrecht im Publikum sass. Der begeisterte Sammler von extrem grosskalibrigen Faustfeuerwaffen («Wenn Sie mit einer solchen Waffen auf jemanden schiessen würden, spielt es keine Rolle mehr, wo sie treffen») distanzierte sich dann auch von der SP-Frau. «Obwohl Frau Galladé jetzt Weihnachten anspricht, muss ich Ihr leider sagen: Ich bin in vielen Punkten nicht mit Ihr einverstanden.»

Die ungewöhnlichen Verbündeten sind sich doch nicht so einig:

Galladé ertrug seine Kritik mit Fassung. Mehr als das. Ihrem Grinsen tat es keinen Abbruch. Ob Schneider es wollte oder nicht – der Rentner war am Freitagabend der grösste Trumpf von Galladé. Wie hätte es für Sie besser laufen können, als dass ein begeisterter Waffenliebhaber ihr zustimmt? Auch wenn nur in einem Punkt.

Sowohl die SP-Nationalrätin wie auch der Waffensammler sind sich nämlich einig: Eine Registrierungspflicht für Waffen wäre eine gute Sache. 

Zumindest bei den halbautomatischen Waffen zeichnet sich eine solche Registrierungspflicht tatsächlich ab. Denn die EU hat ihre Waffenrichtlinien verschärft und fordert diesen Schritt nun auch von der Schweiz (siehe Box). Zieht die Schweiz nicht nach, so droht der Rauswurf aus dem Schengen-Raum.

Das dürfe man keinesfalls riskieren, betonte GLP-Nationalrätin Tiana Angelina Moser mehrmals. Die vorzunehmenden Anpassungen seien aus ihrer Sicht sowieso marginal.

 

Eine Verschärfung des Waffenrechts schmeckt zwei anderen im Studio so ganz und gar nicht – Robin Udry, Generalsekretär der Waffenlobby Pro Tell, und SVP-Nationalrat Werner Salzmann, der den Berner Schiesssportverband präsidiert. 

Zuvor souverän, gerieten die beiden in Aufregung, sobald sich Waffenliebhaber Schneider aus dem Publikum in die Debatte einmischte. Udry und Salzmann drehten Galladé den Rücken zu, konzentrierten sich ganz auf den unerwarteten Widersacher. Und Galladé? Die konnte sich für ein paar Minuten entspannen und beobachten, wie sich die Waffenfans untereinander stritten.

Eine Verschärfung des Waffensrechts sei eine reine Schikane für Waffenbesitzer, argumentierten dabei Salzmann und Udry. Die Registrierung würde zusätzliche Bürokratie bedeuten und damit auch hohe Kosten. Oder wie es Salzmann im Verlauf der Sendung, ein wenig unflätig, ausdrückte: Die schärferen Waffenrichtlinie der EU «ist eine reine Missgeburt», mit der man keine zusätzliche Sicherheit dazu gewinnen würde.

Dem widersprach Waffensammler Schneider: «Je mehr der Staat oder mein Nachbar über mich weiss, desto weniger kann ich meine Schusswaffe missbrauchen.» Was er damit meint: Wenn Polizisten eine Kontrolle durchführen würden, sei es für diese hilfreich, wenn sie wüssten, ob es Waffen im Haus habe.

Tatsächlich liegen derzeit in Schweizer Haushalten viele Schusswaffen, von deren Existenz der Staat und somit die Polizei keinen blassen Schimmer hat. Dies liegt daran, dass Waffen die vor 2008 gekauft wurden, nicht registriert werden müssen. «Ich habe viele Kollegen, die eine grosse Waffensammlung haben», erzählte Schneider weiter. Mit 100, 150 Stücken. «Und keine dieser Waffen wurden je registriert.»

Der «abtrünnige» Waffensammler erwischt die Waffenlobbyisten auf dem falschen Fuss. Auf Widerstand aus den eigenen Reihen waren sie offensichtlich nicht eingestellt. Und in den sozialen Medien wird Theo Schneider als die Überraschung des Abends gefeiert:

Vier gewöhnungsbedürftige Vergleiche

Nebst Waffenhändler Theo Schneider gab es in der Waffen-Arena eine weitere Auffälligkeit – die grosse Zahl doch eher gewöhnungsbedürftiger Vergleiche. Und zwar auf beiden Seiten. Hier sind vier davon:

1. Der Holocaust-Vergleich

Eine Schweiz, in der nur Polizisten und Grenzwächter eine Waffen hätten, wäre für Chantal Galladé eine beruhigende Vorstellung. Anders für den Generalsekretär von Pro Tell, Robin Udry, der sich dabei an den Film «Schindlers Liste» erinnert fühlte und damit Empörung auslöste.

Moderator Jonas Projer griff sofort ein, verhinderte die Eskalation: «Es hat eine grosse Tradition und ist eine eiserne Regel, die alle befolgen sollten: Vergleiche mit dem Holocaust und auch mit dem Film Schindlers Liste gehören nicht unbedingt in die Politik.» Projer erinnerte die Gäste dabei an den Fall Jonas Fricker.

2. Der Die-Waffe-ist-wichtiger-als-die-Ehefrau-Vergleich

Doch Jonas Projer musste auch die SP-Nationalrätin rüffeln, als diese ebenfalls zu einem fragwürdigen Vergleich ansetzte. Galladé sagte, sie hätte manchmal das Gefühl, dass es Schusswaffenfreunde weniger belasten würde, wenn man ihnen die Frau wegnehmen würde anstatt ihre Waffen.

Dieses Mal waren es die Waffenbesitzer im Studio, die empört waren. Doch auch hier beruhigte der Moderator die Gemüter, indem er den Vergleich sogleich disqualifizierte. Projer: «Vor allem sind Frauen kein Besitz von ihren Männern.»

3. Der Velos-sind-gefährlicher-als-Waffen-Vergleich

«In Zürich sterben mehr Menschen mit elektrischen Velos als mit Waffen», sagte Udry während der Sendung und betonte danach, mit heftigen Kopfnicken, dass aus seiner Sicht Fahrräder tatsächlich gefährlicher seien als Waffen.

Er stand damit aber alleine da. Auch SVP-Nationalrat Salzmann widersprach ihm sogleich vehement.

4. Der Du-musst-jetzt-ein-rotes-Kleid-tragen-Vergleich

Vor allem in der Mitte der Sendung stritt sich SVP-Nationalrat Salzmann mit GLP-Nationalrätin Tiana Angelina Moser, ob ein Austritt aus dem Schengen-Abkommen in Kauf genommen werden könne.

Während Moser sich klar dagegen aussprach, versuchte Salzmann zu argumentieren, warum man nicht einfach etwas übernehmen könne, was die EU fordert, aber der Schweiz nichts bringe. «Ihr tragt immer blaue Kleider», sagte Salzmann dabei zu Moser. «Und jetzt würde ich euch sagen, Ihr dürft nur noch rote Kleider tragen.» Damit wolle er nur aufzeigen, wie sinnlos dies sei.