Zweiter Weltkrieg

Wie ein Schweizer die Japaner mit zwei Millionen Hunden bezwingen wollte

Hunde sollten einen Japaner anhand seines Geruchs erkennen und töten.National Museum US Army

Hunde sollten einen Japaner anhand seines Geruchs erkennen und töten.National Museum US Army

Der Angriff auf Pearl Harbor 1941 rief einen in Santa Fe wohnhaften Schweizer auf die Kriegsbühne. Er hatte die Vision, die Japaner mit einer zwei Millionen Tiere starken Hundearmee anzugreifen.

Am 6. Dezember 1941 schwor der Vizeadmiral der Kaiserlichen Japanischen Marine seine Männer ein letztes Mal auf den Angriff ein: «Das Schicksal des Reiches hängt von dieser Operation ab. Jeder Mann muss sich seiner speziellen Aufgabe total hingeben.»

Am nächsten Tag lag der amerikanische Flottenstützpunkt Pearl Harbor in Schutt und Asche. 2403 Männer waren gefallen, 1178 verwundet, zwölf Schiffe waren gesunken und 164 Flugzeuge zerstört.

Danach brachten die Japaner ein riesiges Gebiet unter ihre Kontrolle: Zahlreiche pazifische Inseln hielten sie besetzt. Und die Amerikaner wollten sie zurück – aber auf eine Weise, die nicht unzählige Menschen das Leben kosten sollte.

US-Soldaten waren die Köder

Das war der Moment für William A. Prestre. Mit seiner Vision einer zwei Millionen Tiere starken Hundearmee tritt der in Santa Fe wohnhafte Schweizer auf die Kriegsbühne.

Was, wenn nicht eine Horde Soldaten von der Bugrampe der Landungsschiffe springt, um über die Strände der besetzten Inseln vorzudringen? Was, wenn man stattdessen eine Horde bisswütiger Kampfhunde auf den gefürchteten Feind losliesse?

Dem Verteidigungsministerium gefiel Prestres Idee. Für das Geheimprojekt wurde ein Militärhundezentrum auf der kleinen Barriereinsel vor der Golfküste der Vereinigten Staaten eingerichtet. Und als wäre die ganze Geschichte nicht schon nebulös genug, trägt besagte Insel den Namen Cat Island. Was wiederum auf die Kappe der spanischen Entdecker geht, die die dort ansässigen Waschbären für Katzen hielten.

Hunde für den Krieg einzusetzen, war nichts Neues: Sie wachten über die schlafenden Soldaten, spürten Minen oder versprengte feindliche Gruppen auf und überbrachten Nachrichten.

Prestres Hunde aber sollten darauf abgerichtet werden, einen Japaner anhand seines Geruchs zu erkennen – und dann zu töten. Doch wie sollte man den Tieren so etwas beibringen?

Japanische Kriegsgefangene konnten dafür nicht verwendet werden, denn es gab keine. Sie liessen sich eher erschiessen als gefangen nehmen. Und von der Idee, dafür in den USA allein lebende Japaner einzusetzen, liess man ab – zu geschmacklos für manch ein Gemüt. Schliesslich kommandierte man 25 japanischstämmige US-Soldaten ab. Sie durften die «Köder» für die Hunde spielen. In dicke Schutzanzüge gesteckt und ausgerüstet mit Eishockey-Handschuhen.

In einem Armeebericht über den Einsatz dieser auserwählten Männer steht: «Obwohl ihre Aufgabe im Projekt eine sehr widerliche war und einige unter ihnen sogar schwere Bisswunden erlitten, so machten sie doch mit dem Training weiter, ohne zu klagen.»

Via Winston Groom, «1942»

Probleme machten also nicht die Soldaten, sondern die Hunde. Sie wollten partout nicht lernen, was man ihnen beizubringen hoffte. Und Prestre war am ganzen Desaster schuld: Denn abgesehen von seiner Fehlannahme, Japaner würden aufgrund ihres Geruchs von anderen Menschen zu unterscheiden sein, verwendete er ein Waldhorn, um zum Angriff zu blasen. Aber ausser Verwirrung stiftete er damit rein gar nichts.

Der Gefechtslärm war ebenso wenig hilfreich. Er verängstigte die Tiere derart, dass sie sich nicht mehr kontrollieren liessen. Und manche von ihnen waren wohl einfach zu sanftmütig für diese Art von Aufgabe.

Das Millionenprojekt wurde eingestellt. Die Hundearmee-Idee war an der Realität zerbrochen, Prestre kehrte enttäuscht zurück nach Santa Fe.

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