Kontrolle
Wie die SBB versuchen, die Berichterstattung über ihren Chef zu steuern

In Sachen Öffentlichkeitsarbeit sind SBB-Konzernchef Andreas Meyer viele Mittel recht. Eine Woche nachdem er sich vom «Blick» in Badehosen ablichten liess, lud er die Medien am Donnerstag zu einem Hintergrundgespräch ins Verkehrshaus Luzern ein.

Lorenz Honegger
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«Mit der Kommunikation überfordert»: SBB-Chef Andreas Meyer.

«Mit der Kommunikation überfordert»: SBB-Chef Andreas Meyer.

Thema war der Kauf von acht neuen Neigezügen für die pannenanfällige Bahnstrecke zwischen Zürich und Mailand zum Preis von 250 Millionen Franken. Das alleine ist nicht unüblich: Politiker und Wirtschaftsakteure nutzen Hintergrundgespräche, um Journalisten das zu sagen, was sie bei gewöhnlichen Pressekonferenzen verschweigen: ihre tatsächliche Meinung. Im Gegenzug für die unverblümte Auskunft verzichten die Journalisten darauf, ihre Gesprächspartner in den Artikeln direkt zu erwähnen oder zu zitieren.

Im Fall von Andreas Meyer handelte es sich jedoch nicht um ein Hintergrundgespräch, sondern eher um eine Pressekonferenz nach chinesischem Vorbild. Noch bevor er mit seinen Ausführungen begann, verlangte sein Pressechef Daniel Bach, dass die anwesenden Journalisten alles, was der Bahnchef sagen würde, vor der Publikation der SBB-Pressestelle zur Kontrolle schicken. «Direkte und indirekte Zitate.»

Übertriebene Vorsichtsmassnahme

Auf das für einen Bundesbetrieb recht sonderbar anmutende Kontrollregime angesprochen, meinte Kommunikationsmann Bach, es sei nun einmal heikel, wenn sich der SBB-Chef kritisch zu den Verhandlungen mit der italienischen Bahngesellschaft Trenitalia über die Nord-Süd-Achse äussere. Das sei der Grund, weshalb man die Zitate im Vornherein gegenlesen wolle.

Dieses Vorgehen stellte sich bald als übertriebene Vorsichtsmassnahme heraus. Denn das, was Meyer sagte, beschränkte sich grösstenteils auf den Inhalt der Medienmitteilung. Er kritisierte Trenitalia nicht, er machte höchstens ein paar wenige subtile Andeutungen, wonach die Gespräche mit Italien nicht immer reibungslos verlaufen seien, und dass die Italiener mehr Wert auf ihre eigenen inländischen Verbindungen legten als auf jene in die Schweiz.

Die Vermutung liegt nahe, dass es den SBB in erster Linie darum ging, die mediale Aufarbeitung von Meyers Auftritt in möglichst engen Bahnen zu halten, oder anders gesagt: zu kontrollieren und zu steuern.

«Meyer ist überfordert»

Für den Zürcher PR-Berater Klaus J. Stöhlker deuten die restriktiven Zitierregeln seitens der SBB auf «einen hohen Grad an Unsicherheit» hin. «Andreas Meyer war mit der Kommunikation von der ersten Stunde an überfordert. Er hat nie gelernt, sich so auszudrücken, dass er zitiert werden kann.» Letztlich fehle dem Bahnchef das Selbstvertrauen. «Solche Menschen wollen alles kontrollieren», so Stöhlker.

Als Beispiel für eine selbstbewusste Kommunikation nennt er Andreas Meyers Vorgänger, Benedikt Weibel, der die Bundesbahnen bis Ende 2006 führte. «Die Schweiz hat ihn geliebt und er beherrschte die grosse Kunst der Kommunikation.»

Stöhlker findet, letztlich liege es am PR-Team der SBB, Konzernchef Meyer einen lockereren Umgang mit den Medien beizubringen. Einfach so gehe das nicht: «Dahinter steckt harte Arbeit.»