Gegen Bezahlung hält der gelbe Riese die Adressbestände anderer Firmen auf dem neuesten Stand. Dieser Service nennt sich Matchmove. Er ist zwar legal. Doch das Missbrauchspotenzial ist beträchtlich.

Kommunikative Kehrtwende

Im Fall des Wirtschaftsauskunftsdienstes Moneyhouse landeten zahllose, teilweise für das Telefonbuch gesperrte Privatadressen im Internet, wie die az letzte Woche publik machte. Moneyhouse-Mitinhaber Bernhard Grisiger erklärte der az, ein Teil der Daten stamme vom Aktualisierungsdienst Matchmove der Post. Mit Grisigers E-Mail konfrontiert, antwortete ein Post-Sprecher vor Wochenfrist, wer Fremdadressen einkaufe und diese von der Post aktualisieren lasse oder die aktualisierten Daten an Dritte weitergebe, verletze die Geschäftsbedingungen. «Die weiteren Schritte in diesem Fall werden intern abgeklärt», versprach der Sprecher schriftlich.

Am Freitag dann die Kehrtwende: Nachdem bekannt geworden war, dass das Bundesverwaltungsgericht Moneyhouse zur Abschaltung der Personensuche zwingt, wollte die Post auf einmal nichts mehr von einer Verbindung zu Moneyhouse und deren Betreibergesellschaft Itonex AG wissen. Auf Anfragen antwortete sie fortan, es sei ausgeschlossen, dass aktualisierte Adressen aus der Matchmove-Kartei ihren Weg zu Moneyhouse gefunden hätten. Auch gebe es keine direkte Geschäftsbeziehung zu Itonex. Und: «Wir haben keinerlei Anhaltspunkte für eine unbefugte Datenbeschaffung aus unseren Systemen.»

Adresshändler als Kunden

Ob das stimmt, ist zumindest fraglich. Ausgerechnet die Moneyhouse-Betreiberin Itonex widerspricht dem Dementi der Post und hält an ihrer ursprünglichen Darstellung fest: «Die Privatadressen auf Moneyhouse.ch stammen teilweise auch aus dem Matchmove-System», sagt Sacha Wigdorovits, PR-Verantwortlicher des Unternehmens. «Diese Adressen gelangen über andere Adresslieferanten, die Daten aus Matchmove beziehen, im Rahmen von Einzelauskünften zu Moneyhouse.»

Das heisst: Moneyhouse erhielt offenbar indirekten Zugang zu Daten aus der Adresskartei der Schweizerischen Post - ohne deren Wissen. Wie Recherchen zeigen, stellt die Post den Matchmove-Dienst aber durchaus auch Unternehmen zur Verfügung, die in datenschutzrechtlich heiklen Geschäftsfeldern tätig sind - Adresshändler und Betreiber von Privatpersonendatenbanken.

«Hochwertige Informationsquellen»

Erstes Beispiel: der amerikanische Konzern Dun & Bradstreet. Der hiesige Ableger des Unternehmens rühmt sich im Internet, «die umfassendste Privatpersonendatenbank der Schweiz» zu betreiben. In der kostenpflichtigen Datenbank kombiniert Dun & Bradstreet Privatadressen mit Angaben zur Kreditwürdigkeit der jeweiligen Person. Unter seinen «diversen, qualitativ hochwertigen Informationsquellen» listet das Unternehmen auch den Matchmove-Service der Post auf.

Zweites Beispiel: das im Adresshandel tätige Unternehmen Schober Group. Es stand schon verschiedentlich in den Schlagzeilen. Etwa im Jahr 2009, als es laut «K-Tipp» mittels Umfragen und Wettbewerben versucht hatte, an Adressen und Telefonnummern von Internetnutzern zu gelangen. «Auf Basis von Umzugsdaten der Schweizerischen Post und weiteren Partnern» - so steht es auf der Website von Schober - bietet die Firma Adresskorrekturen an.

Nicht nur für Kunden?

Das ist nicht alles: Der Adresshändler ist Mitbetreiber der Internetplattform Adressenplus.ch, die ebenfalls auf Matchmove-Basis Adressen aktualisiert. Die Post selber lobt auf ihrer Internetseite, Adressenplus.ch verfüge «über den informativsten Datenstamm von Schweizer Privatpersonen, dem Schober Privatadressen Masterfile® und den Umzugsdaten der Post». Die Schober Group hat auf eine Anfrage der az nicht reagiert.

Ein Sprecher von Dun & Bradstreet bestätigt, dass die Firma Matchmove-Daten der Post im Rahmen einzelner Bonitätsauskünfte weitergibt: «Zugriff auf diese Daten haben ausschliesslich D&B-Firmenkunden.» Der Vertrag mit der Post werde eingehalten.

Pikant: Letzte Woche noch betonte die Post gegenüber der az, der Aktualisierungsdienst Matchmove sei nur für Kunden gedacht, die bereits über eine alte Adresse verfügten, und nannte harmlose Beispiele wie Banken oder Detailhändler. Mittlerweile bestätigt der gelbe Riese, dass auch Adresshändler ihre Daten über Matchmove aktualisieren lassen können.