Ausgezählt wird unter warmem Licht. Vier Jahre, nachdem sie auf Geheiss der Politik aus den Verkaufsregalen verschwunden sind, stecken sie noch immer in ihren Fassungen im grossen Kronleuchter im Bundesratszimmer im Parlamentsgebäude, dort, wo bei Bundesratswahlen die Wahlzettel ausgezählt werden und sich sonst Kommissionen zu Sitzungen treffen: herkömmliche 40-Watt-Glühbirnen. Trotz grosser Anstrengung hat das Bundesamt für Bauten und Logistik bis heute keine geeignete LED-Alternative gefunden.

Der Bundesratshauswart hat rechtzeitig damit begonnen, Ersatz zu horten, noch bevor 2009 der Verkauf von 100-Watt-Glühbirnen verboten wurde, 2010 jener von 75-Watt-, 2011 jener von 60- und 2012 jener von 40-Watt-Glühbirnen. Den Entscheid, mit Vehemenz im Lichtmarkt zu intervenieren, stützte der Bundesrat auf die Ökodesign-Richtlinie der EU. Und damit auf eine Richtlinie, die sämtliche politischen Instanzen passiert hatte, ohne dass die Bevölkerungen der Mitgliedsländer mitbekommen hätten, was auf dem Spiel stand (siehe auch Artikel oben rechts).

Industrie senkte Lebensdauer

Im Hintergrund zog die Industrie die Fäden. Und damit Konzerne, die schon im letzten Jahrhundert nicht eben mit Wettbewerbsfreude geglänzt hatten: Am Heiligabend des Jahres 1924 beschlossen Vertreter der Konzerne Osram, Philips, General Electric und einiger anderer Hersteller in Genf, die durchschnittliche Lebensdauer der Glühbirne auf 1000 Stunden zu reduzieren, obwohl sie davor bereits bei 2500 Stunden lag. Die einfache Rechnung: Gehen Birnen schneller kaputt, müssen sie öfter ersetzt werden.

Auch achtzig Jahre später ging das Kalkül der Branche auf. Nachdem sie auf dem Glühbirnenmarkt gegenüber günstiger produzierenden asiatischen Firmen ins Hintertreffen geraten waren, machten sich die früheren Marktleader für ein Verkaufsverbot stark. Ihre Hoffnung: möglichst hoher Profit mit Energiesparlampen, einer Übergangstechnologie, die nach wenigen Jahren ohnehin von den dazumal noch (zu) teuren LED-Produkten überflügelt werden würde.

Es kam, wie es kommen musste: Die Kunden liessen sich nach dem Inkrafttreten des Verkaufsverbotes für Glühbirnen nur widerwillig auf Energiesparlampen ein, die sich nicht dimmen lassen, erst nach einiger Zeit volle Strahlkraft erlangen und erst noch mit hochgiftigem Quecksilber versetzt sind und deshalb im Sondermüll entsorgt werden müssen. Stattdessen wandten sie sich den im Vergleich zu Glühbirnen nur wenig effizienteren Halogenstrahlern zu.

«Kommunikativ haben Politiker und Industrielle jede Vorsicht vermissen lassen», sagt Björn Schrader, Lichtexperte der Hochschule Luzern. «Sie hätten wissen müssen: Der Mensch will sich nicht vorschreiben lassen, wie er sein Wohn- und Schlafzimmer beleuchtet.» Energetisch immerhin habe sich das Verkaufsverbot für Glühbirnen gelohnt, sagt Schrader. «Wir sind dem Erreichen der Klimaziele einen Schritt nähergekommen.» Auf diesen Fortschritt stützt seine positive Bilanz auch das Bundesamt für Energie: «Glühbirnen entsprachen den gestiegenen Energieeffizienzanforderungen schlicht nicht mehr», sagt Markus Bleuer, Fachspezialist Elektrogeräte. «Sie produzierten hauptsächlich Wärme und als Nebenprodukt Licht.» Auch wenn sich viele Bürger mit dem Ende der Glühbirnen emotional schwergetan hätten, sei das Verbot «letztlich alternativlos» gewesen.

Kritischer äussert sich Albert Studerus, Geschäftsführer der Schweizer Licht Gesellschaft: «Eine bedeutende Energieeinsparung wurde kaum erreicht.» Immerhin habe das Verkaufsverbot die Aufmerksamkeit der Konsumenten aufs Energiesparen gelenkt.

Glühbirnen für zwei Generationen

Und die Politik? Die nahm das Ende der Glühbirne weitgehend kampflos hin. Einzig die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann lancierte 2012 eine Motion, um das Verbot wieder zu kippen – und scheiterte mit 58:127 Stimmen. Neue Vorstösse plant sie nicht, für sich selbst aber hat sie vorgesorgt: Estermann kaufte zwei grosse Kartons voller Glühbirnen, genug für die nächsten zwei Generationen ihrer Familie. «Ich habe meine eiserne Reserve noch nicht antasten müssen», sagt sie und lacht. «Im Unterschied zu Energiesparlampen sind Glühbirnen robust und widerstandsfähig.»