Daraus wird nun nichts: Eveline Widmer-Schlumpf will nicht von Plakatwänden im ganzen Land auf das Volk hinunterlächeln. Die Bündnerin ziert sich keineswegs alleine: Ende Februar beschloss der Gesamtbundesrat, im Wahlkampfjahr 2011 «Zurückhaltung» zu üben und «sich nicht auf Plakaten abbilden lassen zu wollen», so Bundesratssprecher André Simonazzi.

Pikant: Dem Vernehmen nach war Widmer-Schlumpf treibende Kraft hinter «den neuen Anstandsregeln», wie sie ein geknickter Parteipräsident Grunder umschreibt. «Als Parteipräsident habe ich andere Interessen als die Bundesrätin», gibt er unumwunden zu.

Plakate noch nicht gedruckt

Gerüchte, wonach die Widmer-Schlumpf-Plakate bereits gedruckt worden seien, weist er von sich: «Es handelte sich bloss um einen Entwurf. Der Partei entstehen keine zusätzlichen Kosten.» Es sei aber richtig, dass «eine Plakatkampagne mit unserer Bundesrätin angedacht war».

Dass Eveline Widmer-Schlumpf nie eine Wahlkampflokomotive sein wollte, ignorierte der Parteipräsident über Monate hinweg. Schon im Frühling letzten Jahres sagte die Magistratin in einem Interview mit dieser Zeitung, dass sie sich «nicht vermarkten lasse». Und: Die Parteileitung würde diesen Wunsch «respektieren».

Grunder räumt denn auch ein, dass er «ein gewisses Risiko eingegangen ist». Nun stellt sich die Frage, warum sich gerade Bundesrätin Widmer-Schlumpf mit Händen und Füssen wehrt, ihrer Kleinpartei als Wahlkampfvehikel zu bitter nötigen Wählerstimmen zu verhelfen. Mit fünf Nationalratssitzen und einem Sitz im Ständerat ist die BDP gerade gross genug, um eine eigene Bundeshausfraktion zu bilden.

Kampagne ohne Köpfe

Die neue Plakatkampagne der BDP wird ohne Köpfe auskommen müssen. Neben Widmer-Schlumpf beheimatet die Partei keine Politiker, die als nationale Aushängeschilder taugen würden. Der Bündner Nationalrat Hansjörg Hassler äussert dennoch demonstrativ Verständnis für Widmer-Schlumpf: «Es entspricht nicht der Art unserer Bundesrätin, sich in den Vordergrund zu stellen.» Die Verschiebung des Wahlkampf-Auftaktes sei auch «kein Problem».

Und überhaupt sei es besser, wenn sich die BDP im Wahlkampf «auf Sachthemen konzentriert». BDP-Präsident Hans Grunder will das ursprünglich vorgesehene Plakat mit der Bundesrätin unter Verschluss behalten.