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Widerstand gegen geplante Bachöffnung

Abwasserleitung erneuern statt Bach öffnen: Dies verlangen Oberdorf-Bewohner und Landwirte in Eggenwil. Sie wollen an der Gemeindeversammlung vom nächsten Freitag den 1,9-Millionen-Kredit für die Bachöffnung zurückweisen. Mit einem Flyer kämpfen sie für ihr Anliegen.

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Aargauer Zeitung

Fabian Hägler

«Mit grosser Sorge nehmen die Einwohner des Oberdorfes vom Traktandum 3 der Gemeindeversammlung vom 20. November Kenntnis», heisst es in einem Flyer, der in alle Eggenwiler Haushalte verschickt wurde. Konkret: Sie wehren sich gegen das Vorhaben des Gemeinderats, den Ibisguetbach für 1,87 Millionen Franken aus dem Untergrund zu holen. Laut dem Antrag im «Gmeindsbüechli» soll das kleine Gewässer renaturiert und offen gelegt werden.

Gegner bezweifeln Notwendigkeit

In ihrem Flyer machen die Gegner ihren Standpunkt klar: «Wir zweifeln das zwingende Bedürfnis dieser

«Nachteile für die Landwirtschaft»

Die Gegner der Bachöffnung kritisieren insbesondere, «dass dafür viel wertvolles Landwirtschaftsland geopfert werden muss». Es grenze an Ironie des Schicksals, dass Landbesitzer Walter Joho vor gut 40 Jahren das Bächlein «auf Geheiss der Gemeinde auf eigene Kosten» habe eindolen müssen. Der Gemeinderat selbst erwähnt laut dem Flyer der Gegner «erhebliche Nachteile für die landwirtschaftliche Nutzung» im «Gmeindsbüechli». Aus Sicht der Landwirte stellen «der unsinnig hohe Landverlust» durch Bach und Pufferzonen und die Dammaufschüttung einen einschneidenden Eingriff in den Besitzstand der momentan drei Grundeigentümer dar.
«Der Familie Hartmann, deren Söhne den landwirtschaftlichen Betrieb mit Tieren wieder betreiben wollen, will man für den Bachlauf quadratmeterweise wertvolles Landwirtschaftland nehmen», lautet die Kritik. Die Einfahrten über «Brücken» ins verbleibende Landwirtschaftsland seien nicht praktikabel. Die Gegner der Bachöffnung gehen sogar noch weiter und behaupten: «Eine sinnvolle Bewirtschaftung der heute intakten Parzellen wird verunmöglicht.» (fh)

Die sehr ausführlichen Beschreibungen des Gemeinderates zum Traktandum Ibisguetbach vernebelten aus ihrer Sicht das konkrete Problem und «flüchten in rechtliche, ökologische und gesellschaftliche Ausuferungen», wie es im Flyer heisst.

«Problem liegt in der Kustergasse»

Das zentrale Problem liegt ihrer Meinung nach in der Kustergasse. Und zwar konkret «in Form der mit den Jahren beschädigten Leitung, die den Ibisguetbach von der Alten Badenerstrasse her im natürlichen Gefälle in den June-bach führt». Die alte, verstopfte Leitung müsse neu gebaut werden und brauche einen grösseren Durchmesser, «das ist alles», schlagen die Gegner vor.

Misstrauisch machen sie die Planausschnitte im «Gmeindsbüechli». «Sie sind so klein, dass man nichts erkennen kann.» Überdies habe sich der Gemeinderat geweigert, den neuen Bachverlauf im Gelände vor der Gemeindeversammlung auszustecken. «Das mussten wir Anwohner selber übernehmen.»

Ganz grundsätzlich üben die Gegner Kritik an der Information durch den Eggenwiler Gemeinderat. «Nie war auch nur eine Andeutung über diese Idee zu hören. Bis zum 13. Oktober, als die Grundeigentümer auf den 20. Oktober zu einer Sitzung aufgeboten wurden, an der man sie dann mit dem Ansinnen überrumpelte», steht im Flyer. Und weiter: «Erst als das ‹Gmeindsbüechli› vorlag, konnte man das Ausmass des Vorhabens einigermassen erahnen.»

Kritik gibt es auch gegen das Projekt selber. Für die Gegnerschaft ist es «völlig unsinnig, das selten genügend Wasser führende Bächlein nicht wie heute unterirdisch durch die Kustergasse im natürlichen Gefälle auf kürzestem Weg in den Junebach zu führen.» Falsch ist aus ihrer Sicht das Vorhaben, entlang der Alten Badenerstrasse bis hin zu den Gebäuden Hartmann «auf 90 Meter Länge einen Erdwall aufzuschütten und dahinter den Bach offen zu führen - wohlverstanden mit einem durchschnittlichen Sohlengefälle von 0,5%».

«Auch Subventionen sind Steuergeld»

Zwar sollen Bäche auch aus Sicht der Oberdorf-Bewohner «wenn immer möglich aus dem Untergrund geholt werden». Das helfe Fauna und Flora; ausserdem habe es auch «eine emotio-nale Komponente, wenn ein Bächlein munter rauscht». Die heute gelebte Praxis sehe allerdings vor, Bachöffnungen vorwiegend bei Überbauungen im Siedlungsgebiet vorzunehmen und dabei dem natürlich gegebenen Verlauf und Gefälle zu folgen. Ob man deshalb den Ibisguetbach auf seiner ganzen Länge in der offenen Flur renaturieren muss, ist für die Gegner sehr fragwürdig. In ihren Augen sticht zudem auch das Argument der Subventionen nicht. «Ob der Bund, der Kanton Aargau oder die Gemeinde Eggenwil bezahlen, es ist und bleibt immer unser eigenes Steuergeld», geben sie zu bedenken.

Zum Schluss rufen sie die Bevölkerung von Eggenwil auf, sich vor Ort selber ein Bild der Situation zu machen. Der geplante neue Bachlauf ist mit Bändern markiert und verpflockt, der Projektplan wurde daneben aufgehängt. An der Gemeindeversammlung vom Freitag, 20. November (20.15 Uhr, Mehrzweckhalle), hoffen sie auf Unterstützung für ihren Rückweisungsantrag.

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