Seltenheit
Wetterfrösche versprechen weisse Weihnachtsfreuden

Normalerweise setzt just auf Weihnachten Tauwetter ein. Aber: Dieses Jahr hat Frau Holle ein Einsehen. Rechtzeitig zu den Festtagen wird es in der Schweiz auch in tiefen Lagen richtig winterlich.

Birgit Günter
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Es ist, als ob ein Wetterfluch über Weihnachten liegen würde: Fast jedes Jahr kommt pünktlich auf Weihnachten eine Warmfront herein. Allfällige Schneereste frisst die Wärme gnadenlos weg. Resultat: Statt winterlicher Idylle gibt es einmal mehr grüne Weihnachten.

Nicht so aber dieses Jahr. Behalten die Wetterfrösche recht, beginnt es an Heiligabend zu schneien. «Ja, es gibt weisse Weihnachten», kündigt der Titterter Wetterfrosch Hansruedi Schweizer an. Ab morgen Abend sinken die Temperaturen, es gibt Niederschlag, der voraussichtlich in Schneeregen und Schnee übergeht.

Bereits an Heiligabend erwartet Schweizer im auf 670 Metern gelegenen Titterten rund drei bis vier Zentimeter Schnee. In der Nacht auf den Weihnachtstag fällt das Thermometer auf mindestens –5 Grad. Am 25. Dezember selbst soll es laut Prognosen den ganzen Tag leicht schneien. Und dies sogar im Unterbaselbiet und in der Stadt. «So wie es aussieht, reicht der Schnee bis nach Basel», frohlockt Schweizer.

Über die Festtage geht es winterlich weiter. Am Stephanstag hören die Schneefälle zwar voraussichtlich auf, aber es bleibt kalt. Am 27. sollen die Temperaturen gar in den zweistelligen Minusbereich fallen.

Weihnachtstauwetter als Phänomen

Für einmal also hat Frau Holle ein Einsehen mit allen Schnee-Liebhabern. Dass es in anderen Jahren sonst ausgerechnet auf Weihnachten hin taut, ist im Übrigen keine Einbildung, sondern eine Tatsache. Die Meteorologen reden vom typischen «Weihnachts-Tauwetter» oder einer «Wetter-Singularität». Ein Rätsel ist bloss, warum das so ist. «Es gibt zwar Erklärungsansätze, doch wirkliche Antworten gibt es nicht», erzählt Hansruedi Schweizer. Dieses Gebiet müsse zuerst noch erforscht werden.

In Zahlen: Zu rund 60 Prozent gab es laut Wetterfrosch Schweizer in Titterten grüne Weihnachten; in tiefer gelegenen Gebieten ist diese Zahl in der Regel noch höher. Gemäss Meteo Schweiz gab es in Zürich oder Bern jeweils zu 75 Prozent Weihnachten ohne Schnee.

Früher als sonst

Das berüchtigte Weihnachtstauwetter gab es heuer übrigens auch. «Es war dieses Jahr einfach vorverschoben», erklärt Schweizer. Statt just auf Weihnachten erfolgte der markante Wärmeeinbruch bereits am 19. Dezember. Dank polarer Luft, die aus Norden nachfliesst, reicht es nun aber ausnahmsweise doch für das weisse Weihnachtsgeschenk.