Kartellrecht verletzt
Wettbewerbskommission nimmt Rega unter die Lupe

Dank einer ausgeklügelten Überwachung der Konkurrenz kann die Rega Angebote anderer Flugretter immer unterbieten. Deren Offerten werden an die Rega weitergeleitet, die dann ein günstigeres Angebot machen kann. Jetzt schaltet sich die Weko ein.

Merken
Drucken
Teilen
Schweizer Mythos und doch nicht gefeit vor Angriffen der Konkurrenz: Die Rega. KEYSTONE

Schweizer Mythos und doch nicht gefeit vor Angriffen der Konkurrenz: Die Rega. KEYSTONE

Die Vorwürfe gegen die Rega wollen nicht enden. Nun bringen Recherchen der «Weltwoche» ans Licht, dass die Rega den Wettbewerb verzerrt.

Die Rega soll an einem Absprachemodell beteiligt sein, das möglicherweise das Kartellgesetz verletzt.

So profitiert die Rega

Die Rega wird aktiv von einer Assistance-Gesellschaft informiert, wenn andere Luftambulanzen bessere Offerten machen. Konkret geht es um Heimführungsflüge von Personen, die im Ausland verunfallt oder erkrankt sind.

Bevor die Rega retten kann, kommt eine sogenannte Assistance-Gesellschaft zum Zug. Sie organisiert im Auftrag von Versicherungen den Spitalaufenthalt oder die Heimführung von Versicherungskunden.

Einer solchen Assistance-Gesellschaft wollte die Rega einen Vertrag «schmackhaft machen», wie die Weltwoche schreibt.

Für Repatriierungen können die Assistance-Gesellschaften auf verschiedene Anbieter zurückgreifen. Aufträge werden international ausgeschrieben.

Die Rega verlangte ein Nachbesserungsrecht bei ihren Offerten, um möglichst viele international ausgeschriebene Repatriierungsaufträge zu bekommen.

Ein Beispiel zeigt: Die Rega offerierte einen Flug für 127'991 Franken. Ein ausländischer Anbieter wollte lediglich 79'000 Franken. Nach dem die Rega die Konkurrenzofferte sah, besserte sie das eigene Angebot nach, um den Auftrag doch noch zu bekommen.

Marktverzerrende Kontrollen

Besagter Vertrag verpflichtet die Assistance, erstens in jedem Fall bei der Rega eine Offerte einzuholen und zweitens Offerten anderer Fluganbieter an die Rega weiterzuleiten, falls deren Angebot günstiger ist. Die Rega hat dann 30 Minuten Zeit, ein noch besseres Angebot zu machen und sich so den Auftrag doch noch zu sichern.

Wie die Weltwoche schreibt, hat die Rega laut Insidern mit mehreren Assistance-Gesellschaften ähnliche Verträge abgeschlossen. Sie kann beispielsweise vierteljährlich oder «stichprobenweise» die Konkurrenzofferten kontrollieren.

Rega habe keine Gesetze verletzt

Bei den Papieren, welche die «Weltwoche» publiziert habe, handle es sich um interne Gesprächsgrundlagen, die nie umgesetzt worden seien, sagt eine Rega-Sprecherin gegenüber «20Minuten». Die Rega gehe davon aus, «keinerlei Gesetze verletzt zu haben».

Wettbewerbskommission schaltet sich ein

Die Wettbewerbskommission Weko will prüfen, ob die Absprachen zwischen der Rega und den Assistance-Gesellschaften kartellrechtlich problematisch sind, sagt Weko-Vizedirektor Frank Stüssi gegenüber «20Minuten».