Straftaten

Westafrikaner führen Kriminalstatistik an – Nationalität allein bietet aber keine Erklärung

Polizei Festnahme

Polizei Festnahme

Dank der Belastungsrate lässt sich die Kriminalitätsrate von Menschen mit unterschiedlichen Herkunftsländern miteinander vergleichen. Die Nationalität allein bietet aber keine Erklärung.

Der Entscheid der Stadtpolizei Zürich, die Nationalität mutmasslicher Straftäter nicht mehr ungefragt mitzuteilen, sorgt für Diskussionen. Richard Wolff, Chef des Zürcher Sicherheitsdepartements, sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, er wolle das Thema Ausländerkriminalität unter den Teppich kehren.

Wie es um die Ausländerkriminalität in der Schweiz steht, zeigen Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS). Das BFS hat im Oktober Daten zur sogenannten Belastungsrate veröffentlicht. Dieser Wert gibt an, wie viele Personen einer Nationalität pro 1000 Angehörige dieser Nationalität für eine Straftat verurteilt worden sind. Dank dem Wert lässt sich die Kriminalitätsrate von Menschen mit unterschiedlichen Herkunftsländern miteinander vergleichen.

Schweizer bilden Schlusslicht

Die Zahlen von 2016 bringen einige Auffälligkeiten zutage. Westafrikaner führen die Statistik durchs Band an (siehe Grafik). Sie begehen verhältnismässig am meisten Delikte nach Strafgesetzbuch (u.a. Gewalt- und Wirtschaftsdelikte), am meisten Drogen- und Verkehrsdelikte und geraten am häufigsten mit dem Ausländergesetz in Konflikt. Nordafrikaner belegen ausser bei Verkehrsdelikten den zweiten Rang. Auch Personen aus Ex-Jugoslawien, Albanien und der Türkei werden überdurchschnittlich häufig straffällig.

Schweizer hingegen bilden in fast allen Kategorien das Schlusslicht. Einzig bei den Drogendelikten werden sie unterboten: Franzosen und Deutsche verstossen hierzulande noch seltener gegen das Betäubungsmittelgesetz als Einheimische.

Was aber heisst das genau? Sind Westafrikaner krimineller veranlagt als beispielsweise Franzosen? Oder sind Schweizer die gesetzestreueren Menschen als Personen aus Ex-Jugoslawien? «Nein», sagt das BFS in einem 2014 veröffentlichten Bericht. «Ein Kausalzusammenhang zwischen Nationalität und Kriminalität kann nicht abgeleitet werden.»
Das betont auch David Studer vom Rechtswissenschaftlichen Institut der Uni Zürich. «Die Nationalität ist für sich eine rein juristische Kategorie ohne eigene Aussagekraft für die Erklärung der Kriminalität», erklärt er.

Auf das Beispiel der Westafrikaner angesprochen, sagt der Jurist: «Westafrikanern wird es aufgrund sprachlicher oder kultureller Hürden und fehlender Bildung oftmals erschwert, eine ‹rechtschaffene› Berufslaufbahn in der Schweiz zu ergreifen.» Weil sie die gesellschaftlichen Ziele (etwa ein Haus oder ein Auto) dennoch nicht aufgeben möchten, sähen sich einige dazu gezwungen, sich nach Alternativen umzuschauen – zum Beispiel dem Drogenhandel. «Umgekehrt kann nicht jeder Schweizer in diesem Metier Fuss fassen, da man dafür die nötigen Kontakte und Fertigkeiten braucht.»

Nationalität allein erklärt wenig

Aufhorchen lassen die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik. 39 Prozent aller hier lebenden Beschuldigten waren Ausländer, obwohl diese nur einen Viertel der Bevölkerung ausmachen. David Studer erklärt das so: Ob eine Person straffällig werde, hänge u.a. von ihren Berufsperspektiven, ihrem Alter oder dem Geschlecht ab. Dass gewisse Nationalitäten überdurchschnittlich häufig kriminell würden, habe damit zu tun, dass die genannten Faktoren bei bestimmten Nationalitäten in der Schweiz häufiger vorlägen. «Es ist aber falsch, davon abzuleiten, dass die Herkunft dieser Personen die Ursache für ihre Straffälligkeit ist», betont Studer.

Meistgesehen

Artboard 1