SVP

Weshalb die SVP weiterhin Erfolg haben wird

Die SVP vermittelt dem orientierungslosen Bürger Sicherheit. Das sagt Politologe Michael Hermann. Deshalb gewinne die SVP auch in den katholischen Stammlanden neue Wähler.

Denise Battaglia

Herr Hermann, die SVP bricht in die CVP-Hochburgen ein: In Nidwalden ist die SVP jetzt sogar stärkste Parlamentskraft.
Michael Hermann: Die Eroberung der katholischen Gebiete ist kein plötzlicher Einfall. Die SVP hat kürzlich auch in St.Gallen und Schwyz massiv Wähleranteile gewonnen. Die Eroberung der katholischen Stammlande ist ein seit langem anhaltender Prozess.

Warum wählen die katholischen Orte vermehrt SVP anstelle der CVP?
Hermann: In den katholischen Gebieten gibt es viele konservative Wähler, die früher über die Konfession an die CVP gebunden waren - diese Bindung bröckelt, und die Hemmung sinkt, statt der Mittepartei die nationalkonservative SVP zu wählen, die ursprünglich nur in reformierten Gebieten vertreten war. Wenn man die Gewinne der SVP im Kanton Zürich ansieht, scheint die Partei aber nicht nur in der katholischen Zentralschweiz zulegen zu können.

Warum ist die SVP so erfolgreich?
Hermann: Die SVP profitiert von der verbreiteten Unzufriedenheit mit der Regierung und den anderen bürgerlichen Parteien, die orientierungslos wirken. Das ist nicht gerade vertrauensfördernd.

Aber immer mehr vertrauen der SVP?
Hermann: Seit ein paar Jahren findet ein Wandel zu einer neuen, offeneren Schweiz statt. Die-se neue Schweiz macht vielen Angst. Die SVP geht auf diese diffuse Verunsicherung ein, bringt Themen wie Migration, Personenfreizügigkeit oder die Angst vor einer Islamisierung auf den Tisch; sie setzt sich für die alte Schweiz ein. Die SVP ist für viele die letzte Hoffnung, dass die Schweiz, wie sie einmal war, nicht vollends verschwindet.

Der Erfolgskurs der SVP wird also anhalten?
Hermann: Die Marke SVP ist so stark, dass die Partei offenbar noch immer expandieren kann. Klar sind die Bürger derzeit misstrauisch gegenüber den Wirtschaftsführern. Das heisst aber nicht, dass sie automatisch den staatlichen Lösungen der SP vertrauen.

Die Schweizer haben am Wochenende zwar rechts gewählt, aber links abgestimmt: Sie haben die BVG-Vorlage haushoch verworfen. Das ist doch ein Widerspruch?
Hermann: Nein, bei wichtigen Sachabstimmungen entscheidet der Stimmbürger nach persönlichem Gutdünken. So sind längst nicht alle, die im November der Minarett-Initiative zugestimmt haben, SVP-Wähler. Und längst nicht alle, die den BVG-Umwandlungssatz abgelehnt haben, sind Linke. Auch die bodenständige, bürgerliche Basis will nicht, dass dem Bürger die Rente gekürzt wird während die Versicherungen fette Gewinne einstreichen.

Trotzdem verbucht die SP diese Abstimmung als ihren Erfolg.
Hermann: Die linken Parteien sind allein gegen eine bürgerliche Front angetreten - das ist durchaus ein Erfolg; einer, der gerade der SP sehr gelegen kommt. Die SP hat seit der 11. AHV-Reform im Jahr 2004 keine sozialpolitische Abstimmung gegen den Bürgerblock gewonnen. Ein Sieg ist immer gut: Auf Gewinner hören die Menschen, sie werden ernst genommen.

Die Linke feierte auch in Zürich.
Hermann: Rot-Grün ging zwar gestärkt aus den Stadtratswahlen hervor, aber bei den Parlamentswahlen hat sie Wähleranteile verloren. Vor allem der Höhenflug der Grünen ist gestoppt. Umweltthemen kommen offenbar nur in der Hochkonjunktur an. Zumindest im linken Lager scheinen soziale Themen wieder an Gewicht zu gewinnen. Nicht vergessen darf man allerdings die massiven Zugewinne der Grünliberalen.

Die Grünliberalen sind in verschiedenen Kantonen erfolgreich. Warum kommt die blutjunge Partei so gut an?
Hermann: Die Partei hat neben ihrer urbanen, liberalen auch eine konservative Seite. Diese Mischung kommt auch in den Agglomerationen und Dörfern des Mittellands gut an. Die Partei hat sich tatsächlich sehr schnell etabliert. Ob sie sich halten kann, ist schwierig zu sagen. Auch der Landesring der Unabhängigen (LdU) war mal erfolgreich und ist wieder weg.

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