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Auch ein Banker und ein Umweltschützer verhandeln für die Schweiz: Diese Köpfe schickt der Bundesrat an den Klimagipfel

An der Klimakonferenz in Glasgow vertreten drei Bundesräte und eine 14-köpfige Verhandlungsdelegation die Schweiz – darunter auch Abgesandte aus Wirtschaft und Umwelt.

Dominic Wirth
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Bundespräsident Guy Parmelin während seiner Rede in Glasgow.

Bundespräsident Guy Parmelin während seiner Rede in Glasgow.

Andy Buchanan / AP

Es ist ein Anlass der Superlative. Rund 25000 Teilnehmer werden an der Klimakonferenz COP 26 in Glasgow erwartet. Da gehören Regierungsvertreter dazu, Firmenchefs, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen. Weil in der schottischen Stadt nur 15000 Hotelbetten zur Verfügung stehen, ankern derzeit auch zwei Kreuzfahrtschiffe im Fluss Clyde – sie erhöhen die Bettenkapazität.

Franz Perrez, Umweltbotschafter.

Franz Perrez, Umweltbotschafter.

Chris Iseli

Die Schweiz hat eine offizielle Verhandlungsdelegation nach Glasgow entsandt. Sie wird von Klimabotschafter Franz Perrez angeführt. Zudem reisen in den nächsten zwei Wochen auch eine Bundesrätin und zwei Bundesräte nach Schottland. Den Auftakt machte am Montag der Bundespräsident Guy Parmelin, der beim Eröffnungsanlass mit über 100 Staatschefs zugegen war und in seiner Rede sagte, es liege «in unserer Verantwortung, den Klimawandel zu begrenzen».

Am Mittwoch, wenn das Thema nachhaltige Finanzen an der COP 26 im Zentrum steht, nimmt Finanzminister Ueli Maurer teil. Schliesslich wird auch Umweltministerin Simonetta Sommaruga in Glasgow präsent sein, um an den Verhandlungen auf Ministerstufe teilzunehmen.

Zivilgesellschaft in der Verhandlungsdelegation: der Schweizer Sonderfall

Gunthard Niederbäumer

Gunthard Niederbäumer

zVg

Die Kleinarbeit, die in vielen Sitzungen und Verhandlungsrunden anfällt, übernimmt derweil die Verhandlungsdelegation. Ihr gehören 14 Köpfe an, wobei die meisten aus der Bundesverwaltung stammen. Dazu kommen drei Vertreter der Zivilgesellschaft, die Wirtschafts- und Umweltkreise repräsentieren sollen. Dabei handelt es sich um Gunthard Niederbäumer vom Versicherungsverband, Hans-Ruedi Mosberger von der Bankiervereinigung SwissBanking sowie Patrick Hofstetter.

Der Klimaschutzexperte von WWF vertritt in Glasgow die Umweltverbände. Er sagt, es sei unter den Industriestaaten eine Schweizer Besonderheit, dass auch Vertreter der Zivilgesellschaft zur Verhandlungsdelegation gehören. Laut dem Umweltdepartement sollen die Vertreter der Zivilgesellschaft die Kerndelegation in gewissen Verhandlungsbereichen – etwa Finanzierung und Umgang mit Schäden des Klimawandels – unterstützen.

Die Schweiz setzt sich für klare Regeln ein

Hofstetter reist bereits seit fast 20 Jahren als Delegationsmitglied an die Klimakonferenzen. Als offizielles Delegationsmitglied setzt sich der WWF-Vertreter für die Schweizer Politik ein – eine Politik, die den Umweltschutzverbänden eigentlich viel zu wenig weit geht. Wie geht das? «An der Klimakonferenz werden die Leitlinien für alle Länder vereinbart, die Schweizer Politik wird in der Schweiz verhandelt», sagt er.

Patrick Hofstetter, WWF

Patrick Hofstetter, WWF

Keystone

Den Rahmen für die Schweizer Positionen in Glasgow gibt das Verhandlungsmandat des Bundesrats vor. Er hat es Mitte August genehmigt. Die Delegation soll sich für einheitliche und griffige Regeln einsetzen, die eine wirksame Umsetzung des Pariser Abkommens sicherstellen. Ein besonderes Anliegen ist der Schweiz etwa, dass Emissionsverminderungen, die ein Staat im Ausland zum Beispiel über Klimaschutzprojekte erreicht, nicht mehrfach angerechnet werden. Ein Grund dafür ist, dass die Schweiz selbst stark auf das Instrument der Auslandkompensationen setzen will.

Weiter will sich die Schweiz dafür starkmachen, dass die Investitionen in den Klimaschutz weltweit gestärkt werden. Auch die Wirtschaft soll sich daran beteiligen und Finanzflüsse klimafreundlicher gestalten.

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