Betäubungsmittel
Werden die K.o.-Tropfen zum Fasnachtskiller?

Drei Zuger Fasnächtler wurden in den letzten Tagen offenbar Opfer von K.o.-Tropfen. Auch im Aargau und in Solothurn ist die Problematik mit den euphorischen Tropfen bekannt. Meist handle es sich jedoch um faule Ausreden von Komatrinkern.

Jessica Pfister
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K.o-Tropfen oder GHB in Röhrchen.

K.o-Tropfen oder GHB in Röhrchen.

Keystone

Die Zuger Kantonspolizei warnt Besucher von Fasnachtsveranstaltungen vor K.o.-Tropfen (siehe Box). Grund: Drei junge Fasnächtler im Alter zwischen 20 und 22 Jahren haben nach einem Drink völlig die Kontrolle verloren. Alle befürchten, dass man ihnen etwas ins Getränk gemixt hat (az berichtete).

Was sind K.o.-Tropfen?

Offiziell heissen sie GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure oder Liquid Extasy) oder GBL (Gamma-Butyrolacton) - in der Partyszene sind sie als K.o.-Tropfen bekannt. Sie werden oftmals dazu verwendet, Menschen willenlos zu machen. Der Täter mischt sie dem Opfer ins Partygetränk und erreicht damit, dass es sich nicht mehr gegen sexuelle Übergriffe wehren kann. Bei niedriger Dosierung vermittelt die Droge, die sehr schnell wirkt, euphorische und auch erotische Gefühle. In höheren Dosen führt sie zur Bewusstlosigkeit, vor allem in Kombination mit Alkohol. Die meisten K.o.-Tropfen sind farb- und geruchslos. GBL hat einen leicht salzigen Geschmack, der im Getränk aber nicht spürbar ist.(jep)

Im Aargau, in Solothurn und im Baselland steht die Fasnacht unmittelbar bevor. Geht nun die Angst vor den K.o.-Tropfen um? «Wir haben uns auch schon mit dem Thema befasst und in diesem Jahr auch schon einige Fälle abgeklärt», sagt Roland Pfister, Sprecher der Kantonspolizei Aargau. Der Verdacht habe sich aber nie bestätigt. «Dies ist auch schwierig, weil die Substanz nur wenige Stunden im Körper eines Opfers nachweisbar ist.»

Auch bei der Kantonspolizei Solothurn haben sich in der Vergangenheit schon vermeitliche Opfer gemeldet. «Konkret nachweisen konnten wir bisher aber keinen einzigen Fall», so Sprecher Bruno Gribi.

Keine genauen Zahlen

Für beide ist aber klar: In vielen Fällen waren nicht K.o.-Tropfen am Black-Out schuld, sondern der übermässige Alkoholkonsum. «An Veranstaltungen wie an der Fasnacht wird oft wahnsinnig viel Alkohol getrunken. Wacht man da am nächsten Tag mit einem völligen Filmriss auf, sind K.o-Tropfen im Drink eine einfache Ausrede, um Eltern oder Freunde die Situation zu erklären», so Pfister.

Laut Hugo Kupferschmidt vom Schweizerischen Toxikologischen Institut gibt es keine genauen Zahlen über die Vorfälle mit K.o.-Tropfen. «Wir haben Anrufe zum Thema und führen auch um die 50 Beratungen pro Jahr durch. Doch bei den allermeisten Verdachtsfällen gibt es keinen Giftnachweis.»

Klar ist aber laut Kupferschmidt, dass die Zahl der Personen, die angeben, sie seien ohne ihr Wissen durch Drittpersonen mit betäubenden Substanzen bewusstlos gemacht und dann ausgeraubt oder missbraucht worden, zugenommen hat.

Schärfere Kontrollen gefordert

Dies hat auch das Drogenkontrollgremium der Uno in Wien festgestellt und forderte vor einem Jahr die Regierungen zu schärferen Kontrollen von K.o-Tropfen auf.

Auch in der Schweiz ist es ein Kinderspiel zu solchen Substanzen zu kommen: «Die K.o.-Tropfen kann man leicht über das Internet kaufen. GBL ist beispielsweise ein technisches Lösungsmittel, das auch in chemischen Produkten vorkommt. Im Internet wird dieser Wirkstoff oft als «Felgenreiniger» oder so ähnlich verkauft. Für einige 10 Franken ist man dabei», sagt Kupferschmidt.

Durch diese Tarnung sei eine Verfolgung praktisch unmöglich. «Man könnte höchstens an die Verkäufer appellieren, dass sie die genau überprüfen, an wen sie die Stoffe verkaufen. Aber das wäre auch nur ein Tropfen auf den heissen Stein», so der Tox-Zentrum-Chef.

Der beste Rat sei, sein Getränk nie unbeaufsichtigt stehen zu lassen und keine bereits geöffneten Getränke anzunehmen. «Beim Verdacht sollte man die Polizei verständigen, wenn jemand bereits betäubt ist, muss er sofort zu einem Arzt oder ins Spital.»